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Schwimmen : „Ich glaube, das vergisst man nie“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Elmshorner Freiwasserschwimmerin Finnia Wunram hofft nach WM-Bronze über fünf Kilometer auf Olympia 2020

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2015 | 16:00 Uhr

Einige Tage nach dem bisher größten Triumph ihrer Schwimmkarriere ist Finnia Wunram in ihrer alten Heimatstadt Elmshorn. Zum Interview in der Eisdiele am Alten Markt bestellt sich die 19-Jährige eine kalte Schokolade, um danach über die Weltmeisterschaft in Kasan, die Bronzemedaille über fünf Kilometer Freiwasser und Magdeburg zu sprechen. Den Wechsel vor drei Jahren habe sie noch keinen Moment bereut. „Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, nach Magdeburg zu gehen. Ich habe nie darüber nachgedacht wie es wäre, wenn ich das nicht gemacht hätte. Es läuft im Moment echt gut“, sagt sie.

 

Hallo Frau Wunram, sind Sie jetzt reif für einen schönen Badeurlaub mit stundenlangen Aufenthalten im Wasser?

Finnia Wunram: Schwimmen werde ich auf keinen Fall. Die ersten Tage mache ich gar keinen Sport, sondern lege die Füße hoch und regeneriere mich.

 

Nun sind die 25 Kilometer ein paar Tage her. Wie fühlen Sie sich heute?

Gut. Nach dem Rennen ging’s mir auch relativ gut. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die so gut überstehe. Am Abend war ich schon sehr müde und bin schnell eingeschlafen, aber am nächsten Tag hatte ich nur ein bisschen Muskelkater und wenige Schmerzen. Das war eigentlich kein Problem.

 

Was geht Ihnen über fünfeinhalb Stunden im Wasser alles durch den Kopf?

Im Kopf hatte ich, wie die letzten 50 Meter wohl sein werden. Am Anfang ist das Tempo nicht so hoch. Da hat man die Gegner im Augenwinkel beobachtet, wie die schwimmen und wie deren Frequenzen sind. Die letzten Kilometer habe ich nichts mehr gedacht. Da habe ich einen Tunnelblick gehabt: das Ziel vor Augen und einfach nur ankommen.

 

Spielt eine doppelt so alte Angela Maurer, die über diese Marathonstrecke Bronze gewonnen hat, eine Rolle?

Ich bin wirklich sehr erstaunt darüber, dass sie immer noch so gut dabei ist. Mit 40 noch 25 Kilometer zu schwimmen, das Tempo und die Ausdauer zu haben – das ist wirklich gut. Ich hoffe, dass ich da auch irgendwann mal hinkommen werde. Zwar nicht mit 40, aber dass ich, wenn ich älter werde, dann auch noch die Willensstärke habe.

 

Die bleibende Erinnerung haben Sie über fünf Kilometer mitgebracht  .  .  .  

Am meisten bleibt die Siegerehrung in meinen Gedanken: die ganzen Glückwünsche der Trainer und Sportler. Ich glaube, das vergisst man nie. Das bleibt für immer im Kopf, was vielleicht auch Motivation für die nächsten Wettkämpfe ist.

 

Welche Eindrücke bringen Sie noch aus Kasan mit?

Die Organisation war gut. Es waren wirklich sehr viele Helfer da, die uns immer begleitet haben. Die Kulisse war auch echt schön mit dem Kreml im Hintergrund.

 

Das erlebt man nicht bei jedem Freiwasserevent?

Auf keinen Fall. Auch die Stimmung war echt gut, auch wenn es ein paar Zuschauer mehr hätten sein können. Aber Freiwasser ist eben noch nicht so populär.

 

Dann hieß es für Sie am Sonntag schon die Koffer zu packen.

Ja, leider. Ich hätte gern noch wenigstens ein paar Rennen der Beckenschwimmer gesehen, aber das ging leider nicht. Wir waren zweimal in dem Stadion, das war schon beeindruckend.

 

Inwieweit verfolgen Sie die zweite WM-Woche von Zuhause aus?

Die Finals schaue ich mir immer an oder informiere mich übers Internet. Ich habe auch so Kontakt zu den Sportlern – natürlich eher zu den jüngeren Sportlern, die in meinem Alter sind, nicht unbedingt so zu Paul Biedermann. Man ist schon immer auf dem neuesten Stand.

 

Die Beckenschwimmer haben natürlich die volle Medienpräsenz. Wie war dieses Umfeld im Freiwasser?

Die fünf Kilometer wurden nicht übertragen. Es gab nur eine Zusammenfassung im Fernsehen – immerhin. Es gab aber auch keinen Livestream im Internet, und das fand ich überhaupt nicht gut. Meine Freunde und meine Familie, die Zuhause sitzen, haben keine Informationen bekommen oder wenn, dann nur über meinen Trainer. Es könnte ein bisschen mehr sein, um es populärer zu machen, aber wir sind auf einem guten Weg.

 

Zuhause waren Sie und Rob Muffels noch beim MDR-Fernsehen. War’s stressig?

Ich habe erst einen Tag vorher davon erfahren. Es war sehr schön, dass man da eingeladen wird und die Chance bekommt, etwas zu präsentieren, was man da erreicht hat und darüber zu sprechen. Mir ist das eigentlich etwas unangenehm, aber wenn ich weiter schwimme, wird das hoffentlich noch öfter auf mich zu kommen. Von daher war das schon eine ganz gute Übung.

 

Wenn wir schon dabei sind, wagen wir doch einen Blick in die Zukunft: Hochziele sind die Olympischen Spiele. Die Qualifikation für 2016 ist mit dem Ticket für Isabelle Härle durch.

Ja, 2016 geht leider nicht mehr. Deshalb ist jetzt 2020 das Ziel. Gerade der dritte Platz hat mir noch einmal Motivation gegeben. Bei den Weltcups über die zehn Kilometer war ich auch immer relativ weit vorne gewesen. Deshalb denke ich, dass ich, wenn ich weiterhin gut trainiere, eine Chance habe. Das wäre schon ein Traum von mir: einmal Olympia. Es ist ein langer Weg, aber den möchte ich gerne gehen.

 

Um noch einmal zur Ausgangsfrage zurückzukommen: Was machen Sie in den verbleibenden drei Wochen Schulferien?

Montag fahre ich zu meiner Oma. Die freut sich immer, wenn ich zu Besuch komme. Da werde ich mich ein bisschen von ihr verwöhnen lassen. Danach fahre ich zurück nach Magdeburg, treffe mich mit Freunden oder gehe in die Stadt und verbringe ein bisschen Zeit für mich. Am 17. August fangen wir wieder mit Training an.

 

Wie ist die Verbindung nach Richtung Elmshorn?

Mit den ganzen alten Schwimmern bin ich noch im Kontakt. Wir waren diese Woche bei Rob Muffels zum Grillen. Da waren auch Schwimmer, die vor fünf Jahren aufgehört haben. Schulfreunde habe ich hier auch noch und klar komme ich auch wegen meiner Familie hierher.

 

 

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