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Schwimmen : „Habe die Entscheidung nie bereut“

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ex-DDR-Nationalschwimmer Erich Reschke hofft vor dem Start der Landesmeisterschaften auf eine schnelle Fertigstellung des Hallenbads

Einen Wunsch wollte Erich Reschke vor den Schwimm-Landesmeisterschaften über die so genannten Langen Strecken an diesem Wochenende in der Elmshorner Traglufthalle unbedingt loswerden: „Mir liegt es am Herzen, dass sich die Entscheidungsträger mit dem Hallenbad nicht zu viel Zeit lassen“, sagte der Schwimmwart des SHSV (Schleswig-Holsteinischer Schwimmverbandes).

Der 53-Jährige aus Klein Offenseth-Sparrieshoop hat Angst davor, dass Elmshorn als Schwimm-Standort an Bedeutung verlieren könnte. „Mit dem Provisorium, das wir im Moment haben, kann man nicht lange leben ohne dass es Auswirkungen auf den Leistungssport geben wird“, prophezeite er.

Da das Hallenbad von den Stadtwerken derzeit gesperrt ist, sind drei der acht Bahnen in der Traglufthalle tagsüber nun dem öffentlichen Badebetrieb vorbehalten. In der Vergangenheit konnten die Vereine das im Winter überdachte Sportbecken des Freibads in der kalten Jahreszeit praktisch alleine nutzen.

Reschke weiß aus eigener Anschauung, wovon er spricht. Er trainiert zwei Mal in der Woche mit den Masters, wie die Senioren im Schwimmsport genannt werden, des Swim-Teams Stadtwerke Elmshorn (STE) mit.

Wenn er während der Landesmeisterschaften, 500 Meter Freistil am Sonnabend und Sonntag 400 Meter Lagen, tauscht, startet Reschke aber für den Barmstedter MTV. Dort hatte er 2006 nach einer fast 20 Jahre währenden Pause wieder mit dem Schwimmen angefangen – weil seine Kinder Lena und Nils dort ihre ersten Erfahrungen im nassen Element gemacht haben. Schon bald wurde er Kampfrichter und stieg in den Spartenvorstand ein. „Das ist der Grund, warum ich heute noch für den BMTV schwimme“, sagt der Angestellte bei der Hamburger Hochbahn, der aber auch im Elmshorner MTV Mitglied ist. Seine Kinder haben im Gegensatz zum Vater den Verein mittlerweile gewechselt, um leistungsmäßig voran zu kommen. Lena (14) hat dieses Wochenende drei Starts, Nils (16) einen.

Erfahrungen als Leistungssportler hat Erich Reschke auch – und zwar reichlich. 1976 holte er als 14-Jähriger zwei nationale Jugendtitel in der ehemaligen DDR. Als Silbermedaillengewinner über 200 Meter Brust im Jahr 1979 rutschte der in Halle an der Saale aufgewachsene Elektrotechniker in die erweiterte Nationalmannschaft der DDR. Für die vom Westen boykottierten Olympischen Spiele 1980 in Moskau war er aber nur Ersatz; anschließend entschied er sich gegen einen weiteren olympischen Zyklus als Leistungssportler und für das Studium und den Beruf. „1984 war der Ostblock in Los Angeles nicht dabei, insofern habe ich diese Entscheidung nie bereut“, sagte Reschke, dessen Alltag Ende der 70er-Jahre aus sechs bis acht Stunden Training am Tag bestand.

Der anschließende Abstand zum Wasser hat ihm gut getan. Als Gabi Dörries vom Swim-Team Stadtwerke Elmshorn vom SHSV zum Deutschen Schwimmverband als Vorsitzende der Fachsparte Schwimmen wechselte, „bearbeitete“ ihn die Horsterin zusammen mit Masterswartin Isolde König, das Amt des Schwimmwartes zu übernehmen. Groß wehren konnte sich Reschke nicht. „Isolde König war sieben Jahre meine Klassenlehrerin an der Sportschule in Halle“, erklärte Reschke mit einem Lachen.

Bereut hat er die Entscheidung aber sowieso nicht. Er habe ein gutes Team an Referenten, das ihn bei der Organisation von sieben verschiedenen Landesmeisterschaften im Jahr, beim Führen der Rekordlisten, der Kaderberufung und der Kampfrichterausbildung unterstützt.

Für die Funktion des SHSV-Schwimmwartes sei es sogar von Vorteil, Mitglied des breitensport-orientierten BMTV zu sein. „Du hast dann keine Ämterkonflikte oder gerätst in den Verdacht, etwas hin- und herzuschieben“, meinte er. Das hätte als STE-Mitglied vielleicht von kritischen Beobachtern anders gesehen werden können.

Für das Swim-Team, das dieses Wochenende zum wiederholten Male Gastgeber der „Langen Strecken“ ist, hat Reschke ebenfalls einen Wunsch: „Ich hoffe, dass die Zusammenarbeit beider Vereine (EMTV und FTSV Fortuna) weiterhin so super gut funktioniert. Das ist die Basis dafür, dass es auch sportlich entsprechend läuft“, konstatiert Reschke – aber eben nur mit entsprechenden Sportstätten.

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erstellt am 05.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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