Jacob Heidtmann : Große Ziele immer im Blick

Bei den Deutschen Meisterschaften wurde er Zweiter über 400 Meter Lagen. Nun bereitet sich Jacob Heidtmann auf Sardinien für die EM in Berlin vor.
Bei den Deutschen Meisterschaften wurde er Zweiter über 400 Meter Lagen. Nun bereitet sich Jacob Heidtmann auf Sardinien für die EM in Berlin vor.

Schwimmen: Jacob Heidtmann geht mit dem Abitur in der Tasche die Herausforderung Europameisterschaften an.

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31. Juli 2014, 16:00 Uhr

Elmshorn | Einen der wenigen freien Tage in Hamburg hat Jacob Heidtmann genutzt, um sich eine neue Brille zu besorgen. Diese werden viele nicht zu sehen bekommen, denn wenn es ins Wasser geht, trägt der 19-Jährige Kontaktlinsen. Und im Wasser ist der Abiturient aus Borstel-Hohenraden zumindest gefühlt die meiste Zeit des Tages. Der junge Mann vom Swim-Team Stadtwerke Elmshorn bereitet sich intensiv auf seine erste Teilnahme an einer Europameisterschaft (13. bis 24. August) vor. Dort will er über seine Spezialstrecke 400 Meter Lagen „das Beste rausholen, was für mich möglich ist.“

Seit Sonntag ist Heidtmann mit dem Deutschen Schwimmverband (DSV) für ein zweiwöchiges Trainingslager auf Sardinien. Auch die Zeit danach ist bis zum Beginn der Beckenentscheidungen am 18. August im Berliner Velodrom genau getaktet durchgeplant. Nach drei Tagen Heimataufenthalt geht es zur unmittelbaren Vorbereitung nach Potsdam.

Heidtmann vertraut dabei den Vorgaben von Chefbundestrainer Henning Lambertz voll und ganz. „Ich bin im Perspektivteam und möchte den Weg zu 100 Prozent mitgehen. Ich will Vertrauen reinbringen und das hat sich ausgezahlt“, sagte er mit Blick auf die Nominierung. Denn eigentlich hatte Heidtmann die vom DSV vorgegebenen Kriterien nicht einhalten können. Nach seinem zweiten Platz über 400 Meter Lagen bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin hatte er den neuerdings vorgeschriebenen Überprüfungswettkampf in Essen vor zwei Wochen krankheitsbedingt absagen müssen.

Trotzdem hatte Lambertz für Heidtmann, wie auch die Weltklasseschwimmer Paul Biedermann und Markus Deibler, eine Ausnahme gemacht und dies eben genau mit dem Engagement Heidtmanns begründet. „Er hat gesehen, dass ich den Weg mitgehe“, freut sich Heidtmann, der mit dem Saisonverlauf sehr zufrieden ist: „Wenn man meine Krankheit außen vor lässt, war er genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte.“

Dieser Weg hat eine nochmalige Steigerung des Trainingsumfangs mit sich gebracht, da Heidtmann mit dem Perspektivteam des DSV mehrere Lehrgänge und Wettkämpfe bestritten hat. „Es sind mehr Reize, die auf mich gewirkt haben. Reize, die mir helfen können“, so Heidtmann über wechselnde Trainingspartner und neue Umgebungen.

Zwischenzeitlich, so gibt er zu, war es auch belastend. Denn so ganz nebenbei standen im Mai und Juni die Abiturprüfungen am Gymnasium Alter Teichweg in Hamburg an. Die schriftlichen Klausuren musste er unmittelbar nach der DM vom 1. bis 4. Mai schreiben – „Das war eine ziemliche psychische Belastung und riesengroße Last, die nach den Prüfungen von mir abgefallen ist.“ –, vor der mündlichen Prüfung war er für zwei Wochen mit dem DSV-Perspektivteam in Monaco und Nizza am Start.

Mit dem Abi in der Tasche will der 19-Jährige zum Wintersemester in Hamburg Politikwissenschaften studieren. „In Teilzeit, damit ich mich weiter auf den Sport fokussieren kann“, so Heidtmann, der von seinem ursprünglichen Berufswunsch Journalist inzwischen etwas Abstand genommen hat. Politikwissenschaft interessiere ihn.

Mit dem Ende der Schulzeit einher geht der Auszug aus dem Internat des Sportgymnasiums Alter Teichweg. Glück für den Bald-Studenten: „Ich habe schon eine neue Wohnung nur zwei Straßen weiter gefunden.“ So richtig einrichten wird er sich in den 1,5 Zimmern auf knapp 40 Quadratmetern aber erst nach der EM. Mit umziehen wird sicher auch ein Plakat aus der Internats-Bude, das ihn täglich an das große Ziel in zwei Jahren erinnert: das Plakat für die Olympischen Spiele von Rio 2016. Denn das behält er immer im Blick – egal ob mit neuer Brille oder Kontaktlinsen.

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