FC Elmshorn vs. VfL Pinneberg : „Genugtuung ist einfach menschlich“

Steffen Maaß gehört beim VfL Pinneberg zu den Führungspersönlichkeiten im Team.
Steffen Maaß gehört beim VfL Pinneberg zu den Führungspersönlichkeiten im Team.

Interview zum Oberliga-Derby: Verteidiger Steffen Maaß wurde vom FCE-Trainer aussortiert - und spielt nun erfolgreich für den VfL.

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29. November 2013, 12:00 Uhr

Drei Jahre spielte Steffen Maaß (28) beim FC Elmshorn, wurde 2012 Landesliga-, 2013 Oberliga-Meister – bis ihn Trainer Achim Hollerieth nicht mehr wollte und der Verteidiger zum VfL Pinneberg wechselte, für den er in der Hinrunde alle 16 Spiele über 90 Minuten bestritt. Am Samstag (14 Uhr) trifft Maaß mit Pinneberg auf seinen Ex-Klub. Im Interview spricht er über seine neue Rolle beim VfL, sein Verhältnis zu Hollerieth und sein lautes Organ.

Drei Jahre lang haben Sie für den FC Elmshorn gespielt. Am Samstag kehren Sie seit Ihrem Wechsel zum VfL Pinneberg erstmals an die Wilhelmstraße zurück. Mit welchen Gefühlen?

Steffen Maaß: Ich hoffe, dass ich nicht aus Versehen falsch abbiege und in der Kabine der Heimmannschaft lande – quasi aus alter Gewohnheit (lacht). Aber mal im Ernst: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es ein Spiel wie jedes andere für mich ist. Es ist doch klar, dass man an alter Wirkungsstätte beweisen möchte, dass man zu Unrecht weggeschickt wurde.

Es war Elmshorns jetziger Trainer Achim Hollerieth, der in der vergangenen Saison nicht mehr auf Sie baute. Sie kamen nur zu sechs Einsätzen, dann kam der Wechsel zum VfL. Sie haben hier und jetzt die Möglichkeit, Herrn Hollerieth deutlich Ihre Meinung zu sagen.

Maaß (grinst):
Ich werde bestimmt nicht nachtreten, dafür bin ich zu lange im Fußballgeschäft dabei. Und meine Art ist das auch nicht. Das Kapitel Hollerieth ist für mich abgeschlossen. Wir haben ein professionelles Verhältnis zueinander, begrüßen uns höflich, mehr nicht. Ich habe im Sommer meine Konsequenzen gezogen und bin für meinen Teil gut damit gefahren.

Aber Sie müssen doch stocksauer gewesen sein, dass Sie unter Hollerieth wochenlang nur auf der Bank saßen.

Maaß: Stocksauer ist das falsche Wort. Ich war natürlich unzufrieden mit meiner Situation. Das ist schon frustrierend. Unter Hollerieths Vorgängern Bernd Gerulat und Bert Ehm war ich gesetzt, dann plötzlich nur Ersatz. Ich habe damals mehrfach das Gespräch mit Hollerieth gesucht.

Mit welchem Ergebnis?

Maaß: Dass ich aus seiner Sicht hintendran sei. Das kann bei solch einem starken Kader wie ihn der FCE damals hatte, ja auch passieren. Es hat mich nur gestört, dass ich immer das Gefühl hatte, dass ich nie eine faire Chance bekomme, mich zu beweisen. Und wie willst du dich beweisen, wenn du keine Einsatzzeiten bekommst? Ich denke, ich bin mindestens genauso gut, wie die anderen Außenverteidiger, die beim FCE spielen. Jetzt sieht man, so glaube ich, beim VfL ganz gut, dass ich nicht so blind bin, wie Hollerieth das gesehen hat.

Der Blick auf die Tabelle gibt Ihnen Recht. Sie stehen mit dem VfL vor Elmshorn, haben als einziger Pinneberger Akteur alle Vorrundenspiele über die volle Distanz absolviert. Spüren Sie Genugtuung?

Maaß: Das Gefühl der Genugtuung ist einfach menschlich. Natürlich schaut man auf die Tabelle und schmunzelt, wenn man sieht, dass man vor Hollerieth und dem FCE steht. Das ist normal. Übrigens geht es mir nicht als einzigem VfLer so. Tim Brüggemann, Flemming Lüneburg, Jan-Philipp Zimmermann und Thorben Reibe – sie alle wurden von Herrn Hollerieth für nicht gut genug befunden und aussortiert. Jetzt zeigen sie in Pinneberg, dass das wohl nicht so ganz sein kann (grinst).

Warum sind Sie im Sommer zum VfL gewechselt? Ihnen sollen noch andere Angebote vorgelegen haben.

Maaß:
VfL-Coach Michael Fischer hat sich schon sehr früh um mich bemüht. Bereits in der Winterpause der Saison 2012/13 hatten wir Kontakt und er sagte mir, dass ich einer seiner Wunschkandidaten für ein neu konzipiertes Team sei. Es war ihm damals auch egal, dass ich in Elmshorn kaum spielte. Er war von mir überzeugt. Dieses Vertrauen hat mir imponiert. Ich habe zwar nie an meinen Fähigkeiten gezweifelt, aber als die Anfrage kam, gab mir das schon einen Motivationsschub. Fortan war für mich klar, dass ich nach Pinneberg gehen werde und ich schlug andere Offerten aus.

Dabei war Ihnen ja gar nicht klar, mit wem Sie zusammenspielen würden, da ein komplett neues Team zusammengeholt wurde.

Maaß: Das stimmt. Aber Michael Fischer versprach mir, eine charakterlich und fußballerisch starke Truppe zusammen zu holen. Und von Flemming Lüneburg und Jan-Philipp Zimmermann wusste ich bereits, was mich in Pinneberg erwarten würde. Anfangs war ich gespannt, ich merkte aber schnell im ersten Trainingslager, dass da etwas Gutes zusammenwächst.

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison saßen Sie beim FC Elmshorn auf der Bank und es ging ausgerechnet gegen den VfL, der einen Punkt für den Klassenerhalt benötigte. Wem haben Sie damals die Daumen gedrückt?

Maaß (lacht): Jetzt kann ich es ja zugeben: Ich habe in der Hosentasche meinem zukünftigem Klub die Daumen gedrückt. Da ich eh nicht gespielt habe, war das ja schon okay. Das Spiel endete 1:1, der VfL war gerettet und spielt jetzt mit mir immer noch Oberliga.

Sie sind fast 1, 90 Meter groß, eigentlich untypisch für einen Außenverteidiger. Würden Sie sich im Abwehrzentrum wohler fühlen?

Maaß:
Ganz ehrlich, nein. Aufgrund meiner Statur wird nicht selten suggeriert, dass ich ein Innenverteidiger sein müsste. Ich kann und habe diese Position auch schon des Öfteren gespielt, fühle mich rechts oder links aber wohler, weil diese Positionen meiner läuferischen Dynamik mehr entgegenkommen. Ich sage immer scherzhaft: Innen kann ich später auch noch spielen, wenn ich älter bin und nicht mehr so viel laufen kann. Unsere Innenverteidiger wissen aber, dass ich da nur Spaß mache (lacht).

Spaß beiseite. Morgen wird es ernst, Derby in Elmshorn. Umgekehrte Vorzeichen, plötzlich scheint der VfL der Favorit zu sein...

Maaß:
Nein, so eindeutig sehe ich das nicht. Der FCE steckt – zumindest was seine Ansprüche angeht – in einer Krise. Drei Niederlagen aus den letzten vier Partien. Bei uns ist es so, dass wir derzeit in der Offensive leichte Ladehemmungen haben. Mit großen Kampfansagen halten sich beide Teams wohl auch deshalb zurück. Ich sehe aber gute Chancen, dass der Knoten in unserer Offensive morgen in Elmshorn platzen wird.

Spielt die ganze Unruhe beim FCE eine große Rolle für die sportliche Krise?

Maaß: Das denke ich schon. Die ganze Nummer mit der Steuerfahndung, die Unruhe, der Nicht-Aufstieg in die Regionalliga – das alles geht auch an den Spielern nicht spurlos vorüber. Das ist ja auch nur menschlich. Dennoch bleibt eine enorme sportliche Qualität im Elmshorner Kader.

Aber?

Maaß: Aber ich denke, dass dem FCE der Teamgeist der letzten Saison abhanden gekommen ist. Sie haben gute Einzelspieler, aber keinen verschworenen Haufen mehr. Das liegt daran, dass Typen wie Dennis Gersdorf, Thorben Reibe oder Jan Lüneburg weg sind. Die haben für gute Stimmung gesorgt. Das Menschliche fehlt und Teamgeist kann am Ende die fehlenden zehn Prozent bringen, die man braucht, um ganz vorne zu stehen – das sieht man derzeit im positiven Sinne bei uns.

Apropos gute Stimmung. Sie selbst sorgen beim VfL nach Siegen für mächtig Atmosphäre, indem Sie das Siegeslied anstimmen. Ihr Vorgänger war Thorben Reibe, wie kam es dazu, dass Sie jetzt der Vorsänger sind?


Maaß:
Thorben stieß ja erst nach Saisonbeginn zu uns. Nach einem unserer ersten Siege habe ich das dann einfach mal spontan gemacht. Den Jungs hat es scheinbar gefallen und sie singen bis heute mit. Oder aber es traut sich keiner von ihnen dazwischen zu singen, weil ich einfach ein so extrem lautes Organ habe (lacht).

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