zur Navigation springen

Interview : „Ganz ohne Fußball geht es nicht“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kurz vor seinem Karriereende darf Mark Müller den VfL Pinneberg im Derby gegen HR als Kapitän auf den Platz führen.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Eigentlich wollte er seine Fußballschuhe bereits im vergangenen Sommer an den Nagel hängen. Doch dann entschied sich Mark Müller, doch noch ein Jahr Oberliga-Fußball beim VfL Pinneberg dranzuhängen – trotz zeitaufwendigem Job als Geschäftsführer des Elmshorner MTV und trotz der Gründung einer jungen Familie um Ehefrau Svenja und Söhnchen Vincent (neun Monate). Seit 2002 – mit einem Jahr studienbedingter Unterbrechung in Böblingen (Baden-Württemberg) – spielt der 32-Jährige für den VfL. Eine Vereinstreue, die es auch im Amateurfußball immer seltener gibt. Elf Jahre VfL, nach der aktuellen Spielzeit soll jetzt aber endgültig Schluss sein. Als Anerkennung seiner Leistung und als Dankeschön für seine Treue soll Müller den VfL am Sonntag (14 Uhr) im Derby gegen die SV Halstenbek-Rellingen als Kapitän aufs Feld führen – und dass, obwohl oder gerade weil er in dieser Spielzeit kaum zu Einsätzen kam. Vor dem letzten Kreis-Derby seiner Karriere spricht der Elmshorner über seine Zeit beim VfL, sein schönstes Derby und ein Leben nach dem Leistungsfußball.

Mark, elf Jahre VfL. Können Sie sich ein Leben ohne Fußball eigentlich vorstellen?
Es ist schwer vorstellbar. Es gibt Leute, die behaupten, ich sehe unseren Trainer Michael Fischer öfters in der Woche als meine Frau (lacht). Aber mal im Ernst: Ich befasse mich ja schon länger mit dem Karriereende, war in dieser Saison nur noch Spieler auf Abruf, um im Notfall einzuspringen und die jungen Spieler außerhalb des Platzes zu führen. Darüber hinaus habe ich nicht zuletzt durch die Geburt meines Sohnes gelernt, dass es noch anderes, wichtigeres im Leben gibt als den Fußball.

Also nie wieder Fußball?
Nein, so ist es nun auch nicht. Ich bin Vollblut-Fußballer, ganz ohne geht es auch nicht. Ich werde noch bei den alten Herren von Holsatia weiterspielen, dann auch gegen HR mit meinem ehemaligen VfL-Mitspieler Frank Rückert.

Apropos HR: Sonntag werden Sie Ihr letztes Derby spielen. Nervös?
Nein, nervös nicht. Dafür habe ich schon zu viele Derbys bestritten. Aber es ist in zweifacher Hinsicht ein wichtiges Spiel für mich. Zum einen sind Derbys immer besonders und zum anderen habe ich in dieser Saison wenig trainiert und gespielt. Ich bin aber fit und traue mir eine gute Partie zu.

Sie haben viele Derbys gespielt. Welches war Ihr schönstes?
Ich erinnere mich gerne an unser Oberliga-Derby in der Saison 2011/12 nach dem Aufstieg. Wir gewannen bei HR mit 3:0 und ich habe nach Vorlage von Tugay Hayran das dritte Tor erzielt. So viele Derby-Tore habe ich nicht gemacht, weshalb ich mich sehr gut daran erinnere. Zudem hängt im Container am Platz im Stadion I ein Zeitungsartikel über das Spiel, den ich vor wichtigen Derbys immer lese, um mich zu motivieren.

Haben Sie sich vorgenommen, bei Ihrem letzten Derby wieder zu treffen?
Schön wäre es, aber mir ist am Ende wichtig, dass wir gewinnen, egal, wer die Tore erzielt. Bei Ecken werde ich mich aber mit nach vorne schleichen (grinst).

Die jetzigen HR-Verantwortlichen Detlef Kebbe (Manager) und Thomas Bliemeister (Trainer) haben Sie 2002 aus Lurup zum VfL geholt. Sind beide so etwas wie Ihre Ziehväter?
Nein, das würde zu weit gehen, aber ich habe ihnen sehr viel zu verdanken. Es war damals eine phantastische Zeit mit Mitspielern wie Rückert, Paul Janke, „Freddie“ Krause oder Jan Hansen. Unter Bliemeister konnte ich im Herrenfußball richtig Fuß fassen, noch heute habe ich zu ihm ein hervorragendes Verhältnis.

Das auch durch die Rivalität beider Klubs nicht getrübt wurde?
Nein, ich gehöre noch zu den Spielern, die auf dem Platz alles für ihr Team geben, nach dem Schlusspfiff aber auch die Rivalität Rivalität sein lassen können.

Sie haben in dieser Saison kaum gespielt (5 Einsätze), wann haben Sie erfahren, dass Sie als „Abschiedsgeschenk“ einen Einsatz im prestigeträchtigen Derby erhalten werden?
Das hat Michael Fischer mir bereits im April nach dem Spiel gegen Altona 93 (2:4) erzählt. Eine wirklich tolle Geste, die ich sehr zu schätzen weiß. Ich bin stolz, den VfL noch einmal als Kapitän aufs Feld führen zu dürfen. Das zeigt den großen Teamgeist beim VfL, der vom Trainer an die Spieler weitergegeben wird.

Ist dieser Teamgeist auch der Grund dafür, dass Sie elf Jahre beim VfL geblieben sind?
Beim VfL kann man sich als Fußballer nur wohlfühlen. Die Rahmenbedingungen sind optimal. Aber nicht immer war der Teamgeist gut, wir hatten auch schwere Zeiten, wie in der zurückliegenden Saison, als wir fast abgestiegen sind. Der Aufstieg in die Oberliga 2011 mit tollen Spielertypen wie Thorben Reibe, Heiko Barthel, Christopher Dobirr oder Dirk Hellmann war hingegen super. Und auch in diesem Jahr spüre ich wieder, dass der Teamgeist stimmt. Da fällt es mir auch leichter, loszulassen und zu gehen, da ich weiß, dass das junge Team gut zusammenpasst und gerüstet ist für die Zukunft.

Was werden Sie nach Ihrem letzten Derby tun?
Ich werde nichts anders machen als die Jahre zuvor. Ich werde mit dem Team zusammensitzen und einfach die Zeit im Kreise der Mannschaft genießen – hoffentlich nach einem Derbysieg.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen