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Fußball : Fünf Maßnahmen, drei Punkte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

VfL Pinneberg gewinnt zerfahrenes Derby in Rugenbergen mit 2:1 – Frost markiert Siegtreffer gegen seinen Ex-Klub.

Pinneberg | Als hauptberuflicher Lehrer an der Schule Förderzentrum in Pinneberg ist Michael Fischer im Umgang mit jungen Menschen nicht selten als Psychologe gefragt. Als Trainer der Oberliga-Fußballer des VfL Pinneberg kommen ihm die im Hauptberuf erworbenen Psychologie-Kenntnisse nicht selten zugute. So griff Fischer auch vor dem 2:1-Derbysieg seiner Elf beim SV Rugenbergen tief in die Trickkiste. Aufgrund von Verletzungssorgen kündigte der 46-Jährige eine Notelf an, um damit Druck und Favoritenrolle gleichermaßen an die Bönningstedter zu übergeben.

„Darauf fallen wir aber nicht rein“, gab sich Fischers Pendant Ralf Palapies kämpferisch. Die Rugenbergener hatten den Braten gerochen – und dennoch fanden sie nicht ins Spiel. Lag es daran, dass Fischer sie zwar nicht mit seinen Psychotricks, aber dafür mit seinen taktischen Maßnahmen überraschte?

Maßnahme Nummer eins etwa: das Comeback von Hendrik Boesten? Der Stürmer, der nach einer Verletzung bislang nur in der VfL-Zweiten (Landesliga) zum Einsatz gekommen war, traf zum 1:0 (43.). Oder Maßnahme Nummer zwei: Der gelernte Stürmer Thorben Reibe half im defensiven Mittelfeld aus – und ließ die SVR-Spielmacher Jan Melich sowie Dennis von Bastian kaum zur Entfaltung kommen. Maßnahme Nummer drei: Der als verletzt angekündigte Sascha Richert spielte nach einer Behandlung mit Stromstößen, Eisbeuteln und Tape-Bändern am lädierten Knöchel doch – und bereitete den 2:1-Siegtreffer durch Artur Frost vor (62.), nachdem Sebastian Munzel zwischenzeitlich das 1:1 per sehenswertem Distanzschuss aus 20 Metern gelungen war (53., nach zu kurzer Kopfballabwehr Tim Vollmers). Maßnahme Nummer vier: Stürmer Artur Frost agierte in Halbzweit zwei als alleinige echte Spitze, erlief bei Kontern fast jeden Ball.

Und schließlich Maßnahme Nummer fünf: die Einwechslung des als verletzt angekündigten Steffen Maaß. Der „opferte“ sich in Minute 79 für die Mannschaft, indem er den möglichen Ausgleich durch Milos Ljubisavljevic mit einer Notbremse (glatt Rot) verhinderte und den VfL damit auf der Siegerstraße hielt.

Fünf Maßnahmen, drei Punkte? „Exakt so planen kann man das zwar nicht, aber richtig ist, dass unsere Taktik aufging und wir mit unserer kompakten Spielweise Rugenbergen entnervt und verunsichert haben“, so Fischer.

Wie verunsichert die Heimelf war, sah man vor allem bei den beiden Gegentoren: Vorm 0:1 köpfte Viktor Streib den Ball unbedrängt zum Gegner, vor dem entscheidenden 1:2 unterschätzte Tolga Güvenir (von der Sonne geblendet?) die Flanke Richerts so dermaßen, dass sich der schnelle Frost in seinem Rücken mit dem Ball auf und davon stehlen konnte. „Hier bei meinem Ex-Klub in Rugenbergen gibt es immer noch Leute, die mir nicht die Hand schütteln, da trifft man natürlich besonders gern“, so Frost nach der Partie mit einem Augenzwinkern.

Sein Teamkollege Jan-Philipp Zimmermann erklärte den Sieg wie folgt: „Bei uns waren viele verletzt, aber man sieht, dass wir eine Gemeinschaft sind. Wenn einer ausfällt, sind die anderen – wie etwa Henk Boesten oder Flo Holstein da. Unser Kader ist klein, aber oho. Das war ein Sieg der Leidenschaft.“

Fischers taktische Maßnahmen waren das eine, das über weite Strecken zerfahrene Spiel das andere. Drei Platzverweise (Maaß, Güvenir, Brameier), unzählige Unterbrechungen und Diskussionen durchzogen das Derby, das Schiedsrichter Voß nur selten im Griff hatte. „Auch deshalb haben wir kaum in unseren Rhythmus gefunden, die Nettospielzeit betrug höchstens 60 Minuten, ansonsten wurde nur lamentiert“, so Palapies verärgert, dessen Team zwar mehr Spielanteile hatte, jedoch kein Mittel fand, um gegen tiefstehende Pinneberger das 2:2 zu erzielen. Da half auch ein letzter Rugenbergener Psychotrick nicht mehr: Der Gastgebers hatte in der 89. Minute zum Unmut der Gäste einfach mal die Uhr auf der Anzeigetafel angehalten – in der Hoffnung, der Unparteiische würde darauf reinfallen? Sechs Minuten Nachspielzeit und viel Aufregung gab es, jedoch keine Punkte mehr.

In den kommenden Tagen ist nun der Psychologe Palapies gefragt, seine Spieler vor dem Pokal-Spiel am Freitag in Finkenwerder wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

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erstellt am 29.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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