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Triumph über die Einsamkeit : Extremsportlerin aus Elmshorn durchschwimmt den Fehmarnbelt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Elmshorner Anke Tinnefeld schwimmt als fünfte Frau überhaupt durch den Fehmarnbelt von Puttgarden nach Rødby.

Elmshorn/Fehmarn | Bei ihrem ersten Ironman-Triathlon in Roth vor drei Jahren warteten im Ziel viele Zuschauer und Sportler mit Beifall auf Anke Tinnefeld. Als die heute 41-Jährige 2013 den Züricher See durchschwamm, gab es ebenfalls eine große Kulisse. Am Strand von Rødby auf der dänischen Seite des Fehmarnbelts aber wartete um 16.35 Uhr – niemand. Die einzigen Zeugen waren im sie begleitenden Boot ihre Freundin Anja Klawitter aus Österreich sowie die Bootsführer Wolfgang Schlosser und Roland Reinke.

Dabei hat Anke Tinnefeld in diesem Moment Außergewöhnliches geleistet. Die Elmshorner Extremsportlerin hat als fünfte Frau überhaupt den Fehmarnbelt zwischen Puttgarden auf der deutschen Ostseeinsel und Rødby durchschwommen. Für die auf geradem Weg 21 Kilometer lange Strecke benötigte sie 7:46 Stunden. „Unterwegs war ich laut meines Bootsführers aber 28 bis 30 Kilometer, da die Strömung uns immer wieder abgetrieben hat“, erzählt sie.

Die Einsamkeit hat Tinnefeld über fast acht Stunden begleitet. Das Puttgardener Ufer entschwand relativ schnell nach dem Start aus dem Blickfeld, die dänische Küste war unendlich weit weg, als sie sich um 8.49 Uhr in die 16,9 Grad kalte Ostsee begab. Nur ein Boot mit den beiden Skippern als offizielle Zeugen und Anja Klawitter als Vertraute, die ihr regelmäßig Getränke und energiereiche Nahrung reichte, nahmen davon Kenntnis. Mehr nicht. Allenfalls die Fähren der Vogelfluglinie, die zwischen den beiden Häfen verkehrten, waren am Horizont zu sehen. Keine euphorisierte Menge, die anfeuert, kein Trainer, der Tipps gibt.

Stolz präsentiert Anke Tinnefeld die Erinnerungsmedaille.
Stolz präsentiert Anke Tinnefeld die Erinnerungsmedaille.
 

„Da ist wirklich niemand. Man ist die ganze Zeit allein – und vom Boot aus kam auch nur die Ansage: Halt die Pausen kurz, sonst treiben wir zu weit ab“, erzählt Tinnefeld. „Das spielte aber keine Rolle, weil ich vom Kopf her unheimlich gut davor war.“ Mehr noch: „Ich hab’s genossen; es hat Spaß gemacht. Es gab auch mal harte Momente, das will ich nicht verharmlosen. Es war kein Spaziergang.“

Doch sowohl die körperliche als auch die mentale Vorbereitung stimmte. „Ich habe keinen Einbruch gehabt; auf den letzten drei Kilometern bin ich sogar wieder schneller geworden“, so die Steuerfachangestellte, die als Jugendliche mit Reitsport begonnen hatte, dann zum Triathlon wechselte und aus diesem Dreikampf nun Laufen sowie Rad fahren aus dem Repertoire strich.

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Gut ein Jahr hat sich Tinnefeld auf diese große Herausforderung eingestimmt. Den Trainingsumfang hat sie auf bis zu 30 Kilometer im Wasser pro Woche gesteigert. „Ich glaube, ich hätte ein Zelt im Freibad aufschlagen können“, sagt sie und lacht. Morgens vor der Arbeit, abends war sie wieder im Wettkampfbecken. In der Mittagspause hat sie in einem Uetersener Fitness-Studio, das unter dem Büro ihres Arbeitgebers liegt, noch eine kurze Einheit eingeschoben.

Viel Schlaf und eine ausgewogene Ernährung gehörten ebenfalls zur Vorbereitung. Disziplin war wichtig. „Mal eben spontan mit Freunden weggehen ging nicht. Da hat man Einbußen“, gibt sie zu.

Und warum das Ganze? „Ich wollte immer etwas Besonderes machen, was nicht viele schaffen“, erklärt sie ihre Beweggründe und bekräftigt: „Wenn man einen Traum hat, muss man auch mutig sein und das angehen. Ich möchte mir nie sagen müssen, dass ich nicht probiert hätte, was ich gern wollte.“ Die größte Herausforderung war vielleicht, sich auf die niedrige Wassertemperatur einzustellen, denn ein wärmender Neoprenanzug war nicht erlaubt. Tinnefeld schwamm in zwei übereinander angezogenen normalen Badeanzügen durch die Ostsee.

Die Crew des Begleitboots auf der Rückfahrt nach Puttgarden:  Wolfgang Schlosser (v. l.), Anja Klawitter, Tinnefeld und Roland Reinke.
Die Crew des Begleitboots auf der Rückfahrt nach Puttgarden: Wolfgang Schlosser (v. l.), Anja Klawitter, Tinnefeld und Roland Reinke.
 

Daher war sie beim Training in der Heimat ab und an auf das Horster Freibad ausgewichen, weil das Wasser dort kühler als in Elmshorn war. Entscheidend war aber eine Woche im Frühjahr auf Mallorca, wo sie im damals 14 bis 15 Grad kalten Mittelmeer zusammen mit Schwimmern, die den Ärmelkanal durchqueren wollen, trainiert hat. „Das hat unheimlich viel gebracht. Man lernt seinen Körper und seine mentale Verfassung kennen. Es geht alles, es ist eine absolute Kopfsache.“

Zu der Gruppe auf Mallorca gehörte auch Kevin Murphy, der schon 34-mal die 33 Kilometer von Frankreich nach England geschwommen ist. Der nahm in dieser Woche schon wieder Kontakt zu Tinnefeld auf, nachdem sich deren Fehmarnbeltquerung in der Szene herumgesprochen hatte. Tenor der E-Mail: „Du weißt schon, was nächstes Jahr ansteht.“ Doch die Elmshornerin winkt – bislang – ab. „Ich will ein Jahr Pause machen“, sagte sie und lacht.

Die Rücktour von Rødby nach Puttgarden hat Tinnefeld zusammen mit ihren Begleitern – „Eine echt tolle Crew!“ – mit der Fähre angetreten. Fahrtzeit: 45 Minuten.

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erstellt am 03.Sep.2015 | 15:57 Uhr

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