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Fussball-Oberliga : Einflüsse aus drei Kicker-Kulturen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Seine Heimat Iran, Deutschland und Dänemark haben den neuen FCE-Trainer Reza Khosravinejad geprägt.

Eine Szene aus dem Training auf dem holprigen und schlecht ausgeleuchteten Platz zwei an der Wilhelmstraße: Reza Khosravinejad nimmt den total ausgepumpten Patrick Ziller, dem er zehn ruhende Bälle plus die gleiche Anzahl an flachen Zuspielen von der Grundlinie aus aufs Tor ballern ließ, nach der sprintintensiven Übung kurz in den Arm. Danke und Trost zugleich – eine typische Szene.

Aber der neue Trainer des FC Elmshorn lässt nicht nur machen, er macht auch selbst. Als er die meisten seiner Akteure bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schon unter die Dusche geschickt hat, lässt er sich die gleiche Anzahl an Bällen auflegen, die er Ole Springer um die Ohren ballert. Der 36-Jährige ist eben immer noch fit, auch wenn die Herzfrequenz kurzzeitig in den deutlich höheren Bereich stieg.

„Vom Kopf bin ich Deutscher, vom Herzen her Perser“, sagt der in der zentral-iranischen Industriestadt Arak geborene B-Lizenz-Inhaber. Soll heißen: Er geht herzlich und offen auf alle zu, aber macht besonders in der Vorbereitung auch genaue Ansagen. „Ich bin nicht diktatorisch, aber Disziplin ist Basis des Erfolges“, so Khosravinejad. „Respekt ist wichtig, und ich will diesen Respekt: Meckern ist auch für mich verboten.“

Genau genommen hat der Nachfolger des Anfang Januar an der Wilhelmstraße beurlaubten Achim Hollerieth sogar drei Quellen, aus denen er sein fußballerisches Wissen schöpft: Sein Geburtsland Iran steht für Technik und Emotionen, Deutschland für Disziplin und Zweikampftaktik, Dänemark für Kondition und Härte. Wobei er es beim FC Fredericia in der ersten dänischen Liga nur ein halbes Jahr ausgehalten hat.

Im Jahr 2001 war Khosravinejad erstmals nach Norddeutschland gekommen. Ein Spielerberater hatte dem beidfüßigen Mittelfeldspieler Probetrainings beim VfL Wolfsburg und dem FC St. Pauli – beide damals in der 1. Bundesliga – sowie bei Holstein Kiel unter Gerd-Volker Schock in der damaligen Regionalliga vermittelt. Ein Engagement kam nicht zu Stande. Stattdessen spielte er weiter im Iran beim FC Nassaj Mezandaran und Persepolis FC vor bis zu 100 000 Zuschauern, auch wenn er bei Persepolis gegen die vielen Nationalspieler nur zu vergleichsweise wenigen Einsätzen kam. Im Sommer 2004 folgte der nächste Versuch in Deutschland. Je ein halbes Jahr beim VfL Pinneberg und SC Victoria stehen in seiner Transferhistorie, anschließend die gleiche Zeit FC Fredericia (Dänemark) und nochmals ein eineinhalbjähriges Engagement in seiner Geburtsstadt beim Hamyari Arak.

Zurück in Deutschland schlug er die Trainerlaufbahn ein, war beim Heider SV und bei Anker Wismar im Jugendbereich tätig, ehe er zu Beginn dieser Saison beim Elmshorner Oberligakonkurrenten SV Halstenbek-Rellingen als Co-Trainer von Thomas Bliemeister anheuerte. Bis zur B-Lizenz hat Khosravinejad es inzwischen gebracht. Für die Klausur brauchte er drei Anläufe – der deutschen Sprache wegen, da er des Schriftdeutsch lange Zeit nicht mächtig war. Als diese Hürde überwunden war, Stand eine Durchschnittsnote von 1,4 unter dem Bogen. Bei der Prüfung erreichte er acht von zehn Punkten. Besonders dem Hamburger Verbandssportlehrer Uwe Jahn sei er zu großem Dank verpflichtet, sagt Khosravinejad, der in fünf Jahren die Ausbildung zum Fußballlehrer abgeschlossen haben möchte.

Im Moment aber gilt die Aufmerksamkeit einzig und allein dem FC Elmshorn. Es ist seine erste Station als Cheftrainer. Kein Wagnis, wenn man Helge Melzer glaubt. Bei der Vorstellung vor fünf Wochen hatte der FCE-Präsident Helge Melzer darauf verwiesen, dass er in Daniel Jurgeleit (beim VfR Horst) und in Achim Hollerieth bereits zwei erfolgreiche Trainer-Debütanten zu von ihm geführten Klubs geholt hatte.Als „höflich, lernfähig, ehrgeizig und talentiert“, beschreibt er nach 23 Einheiten seine Eindrücke von den Kickern, die den FCE nach sieben Niederlagen in Folgen nun den Aufschwung des FCE in der Oberliga schaffen sollen.

Die Unruhe über den Abgang von Milos Ljubisavljevic zum SV Rugenbergen und den bereits für Sommer angekündigten Wechsel von Kim Helmer in Richtung Altona 93 („Kim macht mich traurig, ich würde gern weiter mit ihm zusammen arbeiten.“) wischt er beiseite. Er sei ein emotionaler Mensch, aber manchmal müsse man im Fußballgeschäft eben hart sein. An der Qualität lässt er ohnehin keinen Zweifel zu. „Diese Mannschaft wird kein angenehmer Gegner für andere Oberligisten sein.“ Auf sein Liga-Debüt muss Khosravinejad jedoch noch warten. Die für morgen angesetzte Begegnung gegen den SV Rugenbergen wurde abgesagt.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 16:09 Uhr

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