Kolumne : Eine lumpige Rote Karte

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shz.de von
02. Januar 2015, 16:00 Uhr

Mein Fußballhöhepunkt in 2014? Eindeutig meine Rote Karte im letzten Spiel vor der Winterpause in Eidelstedt! In über 20 Jahren Dilettantenfußball war das der erste glatte Platzverweis für mich. Ein paar Gelb-Rote hatte ich bis dato ja schon gesammelt, meistens wegen Spielverzögerungen, ganz normalem Trikot- oder Haareziehen und unangemessenem verbalem Verhalten gegenüber Gegenspielern und Unparteiischen. Aber „voll rot“ nie.
Selbst ein Fouler war ich nie. Zwar hab ich den einen oder anderen auch mal von den Beinen gehauen, aber das nie mit Absicht. Meist war ein schlechtes Timing, ein falsches Stellungsspiel oder einfach simple Trotteligkeit die Ursache dafür, dass ich anstatt Ball aus Versehen Bein, Bauch oder die Backen eines Gegners traf. Fußball hatte bei mir schon immer mit etwas Glück und sehr viel Pech zu tun. Und so war das Schicksal dann auch im letzten Kick gegen den SV Eidelstedt Wegbereiter zum vorzeitigen Ende meines Mitwirkens.

Da ich ja trotz meiner 40 Sommer immer noch recht flott zu Fuß unterwegs bin und meinen Gegenspielern oftmals meine Rückennummer zeigen kann, bevor die ihre Schwungmasse so recht in Bewegung gesetzt haben, kommt es schon öfter mal vor, dass mich Gegenspieler regelwidrig am Enteilen aus ihrem Wirkungskreis hindern. Beim Stande von 0:0 und nur noch zwei Minuten zu spielen bekam ich den Ball in der Nähe vom eigenen Strafraum und hatte vor, diesen recht eilig aus dem eigenen Krisengebiet zu schaffen. Was ich genau hätte machen wollen, wollte ich mir eigentlich erst überlegen, nachdem ich den ersten Gegenspieler ausgespielt haben würde. Zu viele Konjunktive! Ich war mit dem Ball praktisch schon an ihm vorbei, da erfasste mich hinterrücks noch gerade rechtzeitig sein Stollenschuh auf der Achillessehne. Ich geriet in die Vertikale.

Durch etliche zuvor erlittene Foulspiele und ein recht hitziges Spiel war ich rein nervlich wohl schon etwas angekratzt. Ich erhob mich, stürmte auf meinen Peiniger zu und schubste ihn seinerseits wenig spektakulär zu Boden. Kein Karatetritt, kein Fußfeger, kein „flying elbow“. Ich hab ihn nicht einmal beschimpft! Lief an dem Methusalem von Schiedsrichter während der gesamten Partie durchaus einiges vorbei, hat er das dann aber doch bemerkt. Ein Pfiff, ein Griff zur Karte und raus war ich. Ein einfacher Schubser ist dann doch etwas lumpig! Fürs nächste Mal lass ich mir aber was Tolles einfallen. Versprochen!

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