Fußball-Regionalliga : Ein Stürmer wird sesshaft

Abgehoben, aber auf dem Boden geblieben: Jan Lüneburg will für Eintracht Norderstedt in der dritten Saison zweistellig treffen.
Abgehoben, aber auf dem Boden geblieben: Jan Lüneburg will für Eintracht Norderstedt in der dritten Saison zweistellig treffen.

Jan Lüneburg startet morgen mit Eintracht Norderstedt bei Aufsteiger Schilksee.

shz.de von
23. Juli 2015, 16:00 Uhr

Gerade hat Jan Lüneburg zusammen mit seiner Lebensgefährtin in Klein Nordende ein Haus gekauft, gar nicht weit weg vom Waldstadion. Viel Zeit für unvermeidliche kleinere Renovierungstätigkeiten oder gar Gartenarbeit hat der 24-Jährige indes zuletzt nicht gehabt. Morgen, Freitag, hat er mit Eintracht Norderstedt das zweite Jahr in Folge die Ehre, die Fußball-Regionalligasaison zu eröffnen. Die Eintracht darf zu Aufsteiger TSV Schilksee.

„Dazu gehört immer eine kleine Zeremonie, bei der der Meisterpokal präsentiert wird. Das ist ein schönes Erlebnis“, weiß Lüneburg, der noch aus einem anderen Grund darauf brennt, dass der Ball endlich im Ligabetrieb rollt: „Die Vorbereitung ist ja immer mit ein bisschen Quälerei verbunden“, sagte der 1,84 Meter große Goalgetter, der seinen Körper gut einzusetzen weiß. Bei sechs bis sieben Trainingseinheiten pro Woche waren die Tage zuletzt genau durchgetaktet: Von 8 bis 16.30 oder 17 Uhr Arbeit, anschließend direkt in Richtung Norderstedter Sportzentrum um sich beim Physio die malträtierten Muskeln weich kneten zu lassen.

Die medizinische Abteilung war wie die sportliche Leitung um Trainer Thomas Seeliger erfolgreich. „Ich fühle mich gut. Es kann losgehen“, verkündet Lüneburg. Und im dritten Regionalliga-Jahr hat er auch das Selbstbewusstsein, gegen einen Aufsteiger wie den TSV Schilksee mit breiter Brust aufzutreten: „Wir gehen in die Partie mit dem Ziel, dass wir das Spiel gewinnen wollen.“

22 Tore hat der in der Saison 2012/2013 beim FC Elmshorn in der Oberliga aktive Stürmer in den 59 Regionalligaeinsätzen der beiden vergangenen Spielzeiten für EN erzielt. Das hat zwischenzeitlich auch das Interesse anderer Klubs geweckt. Auch Zweitligaaufsteiger Holstein Kiel soll Interesse an einer Verpflichtung Lüneburgs gehabt haben. „Ich habe davon aber auch nur von der Presse gehört. Konkret wurde es nie“, sagt der Mann, dessen Marktwert das Internetportal transfermarkt.de auf 125  000 Euro taxiert.

Und überhaupt: „Ich fühle mich in Norderstedt wohl. Auf Hamburger Amateurebene ist es das Nonplustultra“, bekräftigt er. Und das mit dem Amateur meint er wirklich so. Alle Norderstedter Akteure würden einem geregelten Hauptjob nachgehen oder studieren. Anders als zum Beispiel beim VfL Wolfsburg II, der für Lüneburg der heißeste Anwärter auf den Aufstieg in die 3. Liga ist.

„Das wir mit diesem Kader Sechster geworden sind, ist eigentlich nicht hoch genug anzusehen“, sagt Lüneburg, der auch in der kommenden Spielzeit am liebsten zweistellig treffen will. Dafür braucht er ein vertrautes Umfeld wie in Norderstedt. Seinen Vertrag hat er unlängst für zwei Jahre bis 2017 verlängert.

Der Kontakt in die tieferen Regionen des Hamburger Amateurfußballs ist nicht zuletzt auch wegen der Abmeldung des FC Elmshorn aus der höchsten Hamburger Spielklasse ein wenig abgerissen. Wenn er mehr als nur den Tabellenstand über die Oberliga erfahren will, kann er sich von seinem jüngeren Bruder Flemming, Spieler in Diensten des VfL Pinneberg, berichten lassen – vielleicht bei einem Kaltgetränkt auf der Terrasse des neuen Eigenheims.

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