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Kolumne : Ein schnelllebiges Geschäft – jetzt also Senioren

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ich glaub, es geht schon wieder los. Es riecht nach Finalgon, Voltaren und diversen Rheumasalben. Aus den großen Sporttaschen werden Kompressionsverbände geholt, Fußgelenkbandagen und Knieschoner. Während draußen noch die letzten Hibbelköppe nervös eine sportliche Zigarette wegsaugen, ächzen sich drinnen in der Umkleidekabine bereits die Ersten von uns in die enge Montur, die während der Sommerpause schon wieder um mindestens eine Nummer kleiner geworden ist.

Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, das konnte ich unlängst wieder einmal feststellen. Als gefühlter Berufsjugendlicher war es für mich und mein rotbäckiges Gemüt schon eine krasse Umstellung in der Vorsaison auf einmal unter dem Aushängeschild „Alte Herren“ zu kicken. Also, das hat ja nun jetzt nichts mit dem Alter zu tun, aber hat diese Bezeichnung doch mehr was von kopfkahlen Männern in den (angeblich) besten Jahren, die sonnengegerbt mit Goldkettchen und knapper Badehose ihr kugeliges Frikadellengrab vor sich herschiebend an den Sandstränden Mallorcas herum tapern und Frauen im Alter ihrer Töchter nachpfeifen. Nun gut, das ist ja nicht weiter verwerflich und hätte ich eine Tochter und könnte pfeifen, würde ich es wohl ebenso tun.

Haben wir uns im vergangenen Jahr zwar mit allem Möglichen bekleckert, aber bestimmt nicht mit Ruhm, so versuchen wir es wieder, solang man Träume noch leben und vor allem sich bücken kann, um die Schuhe zu zubinden. Im Herzen immer noch ein junger Löwe, im Kopf keine 20, aber Rest des schlaffen Bierkörpers verhält sich ganz anders. Man ist ja schließlich keine 40 mehr. Na, zumindest die meisten von uns sind es nicht.

Tja meine lieben und alten Herren, ab sofort steht „Senior“ auf unserer fußballerischen Visitenkarte. Wenn es schon mit dem sportlichen Aufstieg nicht geklappt hat (war ja wirklich knapp – hö, hö), dann wechseln wir halt einfach in die nächsthöhere Altersklasse. Außerdem hat dieses „Senioren“ so was exquisit Erlauchtes. Das klingt nach Vorstandsposten oder Aufsichtsrat, nach teure Zigarren rauchen und Cognac schwenken. Dieses „Alte Herren“ klingt doch nur nach Hüftschmerzen, erigiblen Dysfunktionen und Haarausfall. Als Senioren sind wir doch über diese Leiden erhaben.

Also, denkt immer dran: Ein Spiel dauert 70 Minuten, der nächste Sprint könnte der letzte sein und der Erste mit künstlicher Hüfte spielt Links- und Rechtsaußen. Gleichzeitig!

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