Fussball : Ein Elmshorner für die Bundesliga

Seinen Eltern blieb die Bierdusche erspart, sich selbst gönnte Hanno Behrens (links) nach dem Aufstieg eine Abkühlung.
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Seinen Eltern blieb die Bierdusche erspart, sich selbst gönnte Hanno Behrens (links) nach dem Aufstieg eine Abkühlung.

Profi Hanno Behrens erlebt mit Darmstadt 98 ein Fußball-Märchen und trägt sich in die Geschichtsbücher der Krückaustadt ein

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28. Mai 2015, 12:00 Uhr

Elmshorn | Die langjährigen Elmshorner Fußballfans werden sich nur zu gern erinnern. An die guten alten Zeiten. An die großen Elmshorner Talente, die es von den Amateurplätzen der Krückaustadt direkt in die großen Profi-Stadien schafften.

An Ausnahmekönner wie Stürmer Herbert Liedtke etwa, der in den frühen 70er Jahren von Rasensport Elmshorn über den FC St. Pauli in die Bundesliga nach Oberhausen gelangte. Oder auch an den glorreichen Keeper von Holsatia Elmshorn, Dieter Wöbcke, der zur Saison 1974/75 zum großen HSV wechselte, dort aber nicht an Torwart-Legende Rudi Kargus vorbeikam.


Auserwählter Kreis


In jüngerer Vergangenheit gelang mit Collin Benjamin (Im Jahr 2000 zum HSV) und Hauke Brückner (2001, FC St. Pauli) zwei Raspo-Talenten der Weg in den bezahlten Fußball. Große Namen. Ein auserwählter Kreis – dem seit dem vergangenen Sonntag ein weiterer Elmshorner Fußballer angehört: Hanno Behrens.

Der gebürtige Krückaustädter lebt in Hessen seinen Fußballtraum. Mit dem SV Darmstadt 98 marschierte der 25-Jährige binnen drei Jahren von der 3. Liga bis ins Oberhaus des deutschen Fußballs. Am Sonntag sicherten sich die „Lilien“ gegen den FC St. Pauli Platz zwei in der 2. Liga (1:0), machten als Aufsteiger den erneuten Aufstieg perfekt.

Ein Elmshorner für die Bundesliga. „Das ist schon ein Fußballmärchen, so richtig fassen kann ich es noch gar nicht“, gibt Behrens einen kurzen Einblick in seine Gefühlswelt. Aktuell feiert der ehemalige Bismarckschüler auf Mallorca mit seinen Teamkollegen ausgiebig die Fußball-Sensation.

In seiner Heimatstadt Elmshorn freuen sich derweil Familienangehörige sowie ehemalige Wegbegleiter gleichermaßen über den sportlichen Erfolg des sympathischen Blondschopfes.


Völlig losgelöst vor Glück


Vater Udo Behrens war am Pfingstsonntag in Darmstadt live bei der Aufstiegsfeier dabei, fieberte von der Tribüne aus mit. „Wir sind alle unheimlich stolz. Wir haben Hanno nach dem Spiel in der Kabine besucht, ihn gedrückt und beglückwünscht. Die Jungs waren natürlich völlig losgelöst vor Glück. Eine Bierdusche blieb uns aber erspart, während die Trainer und Betreuer allesamt nass wurden, hatten die Jungs vor uns Eltern dann doch noch genügend Respekt“, lacht der Anwalt aus Elmshorn, der nur zu gut weiß, welchen schweren Weg sein Sohn bis zu diesem Triumph gehen musste.

2005 wechselte Hanno aus der B-Jugend des FC Elmshorn in die Juniorenabteilung des Hamburger SV. Über die U17 und die U19 der Rothosen spielte sich der 1,87 Meter große defensive Mittelfeldspieler bis in die U23 hoch – und kratzte an der Tür zum Profikader, der damals von Trainer Michael Oenning geführt wurde. Ganz dicht dran an der Bundesliga setzte dann aber eine Schambeinentzündung Hannos Bundesliga-Ambitionen ein vorläufiges Ende. Behrens entschied sich 2012 für den „Umweg“ über den damaligen Drittligisten Darmstadt 98. Keine leichte Entscheidung für den bodenständigen Familienmenschen. „Da meine Nichte aber ein Lokal in Darmstadt hat und wir auch Familienanhang in Frankfurt haben, fiel Hanno die Eingewöhnung in Hessen damals leichter“, erinnert sich sein fußballbegeisterter Vater.

Hanno biss sich durch, lernte viel und arbeitete an sich – „Eigenschaften, die ihn schon als Juniorenfußballer auszeichneten“, erinnert sich sein letzter Trainer in Elmshorn, Frank Pagenkopf, der Behrens in der C-Leistungsklasse und in der B-Sonderklasse des FC Elmshorn betreute (zusammen mit dem heutigen Regionalliga-Stürmer Jan Lüneburg/Norderstedt).


Spielverständnis und Wissbegierde


„Hanno war damals körperlich schon weiter als andere Jugendliche. Was ihn aber besonders auszeichnete, war sein Spielverständnis und seine Wissbegierde. Er hat immer aufmerksam zugehört, war lernfähig und ehrgeizig“ – Zutaten, die einen Profi ausmachen. „Er war schon damals mein Kapitän“, erinnert sich Pagenkopf an die letzte gemeinsame Serie 2004/05 zurück und ergänzt: „Ich dachte schon damals, als ich ihn in die Hamburger Auswahl vermittelte: Der Junge kann es in die Regional- oder Zweite Liga schaffen.“ Dass es dann einmal die Bundesliga wird, das hatte damals selbst Pagenkopf nicht geahnt. „Irgendwann möchte ich wieder im Norden Fußball spielen“, sagte Hanno Behrens im Interview mit dieser Zeitung vor gut einem Jahr nach dem Aufstieg in Liga 2. Ob der Hobby-Surfer, der die Küste und das Meer liebt, am Böllenfalltor in Darmstadt weitermacht, steht in den Sternen. Sein Vertrag ist ausgelaufen. Er wird mit dem 1. FC Kaiserslautern, dem 1. FC Nürnberg und auch seinem Ex-Klub, dem HSV, in Verbindung gebracht.

Wohin die Reise gehen wird, ist noch offen. Fest steht: Mit dem Aufstieg in die 1. Liga hat sich Hanno Behrens einen festen Platz in der Fußballhistorie seiner Heimatstadt Elmshorn gesichert. 

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