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Fussball Kreisliga : Diskriminierung statt Gerechtigkeit?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach Gerichtsurteil des Fußballverbandes gegen Gencler Birligi: Verein gibt Fehler zu, fühlt sich aber von Richtern unfair abgestraft

Tatort Stadion – Sportzentrum Ziegenweg in Quickborn am 10. Oktober. Elfter Spieltag der Hamburger Kreisliga 8. Der Gastgeber 1. FC Quickborn empfängt die Herren von Gencler Birligi aus Elmshorn. Nach Tumulten auf dem Platz und zehn Gelben sowie drei Roten Karten für die Elmshorner gerät die Partie aus dem Ruder und Schiedsrichter Andre Busch bricht die Begegnung nach 96 Minuten Spielzeit ab. Der Abbruch hatte ein Nachspiel vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV). Die Richter verurteilten Verein sowie Spieler zu – aus Sicht der Elmshorner – drakonischen Strafen. Gencler fühlt sich zu unrecht abgestraft – spricht von Diskriminierung auf dem Platz und der Wahrheit vor Gericht beraubt.

1250 Euro Geldstrafe, zwei Gencler-Akteure sind für drei, einer für vier und ein weiterer, von dem sich der Schiedsrichter kurz vor dem Abpfiff massiv bedroht fühlte, für zehn Wochen gesperrt. „Das Urteil ist definitiv überzogen. Eigentlich habe ich aber nichts Anderes erwartet“, sagt Gencler Birligis Vorsitzender Mehmet Karakavak. Schon auf dem Platz habe sich ein Distanz des Schiedsrichtergespanss zu den Elmshornern aufgebaut. Es sei mit zweierlei Maaß gepfiffen, die Elmshorner wie Hunde kommandiert und so dafür gesorgt worden, dass den Gencler-Akteuren das Temperament durchging. Von einer vor Gericht vorgeworfenen Bedrohung könn bei aller Sportlichkeit aber nicht die Rede sein. Dieses Vorgehen und das Verhalten auf dem Platz grenze an Diskriminierung.

„Wir haben Fehler gemacht. Ja“, gibt Karakavak zu. Aber die Aussagen des Schiedrichters wurden in keinster Weise auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft, aber als wahr empfunden, so Karakavak weiter. „Und uns schenkt man am Ende keinen Glauben. Wir haben halt im Verband keine Lobby“, sagt er. „Ich kann es deshalb leider nicht anders formulieren, aber der Verband hat gegen uns fehlerhaft entschieden.“

Außerdem: Karakavak habe seit gearumer Zeit das beunruhigende Gefühl, dass Mannschaften, in denen zumeist Menschen mit Migrationshintergrund spielen, von vornherein mit einem Nachteil in eine Begegnung starten. Vermehrt sei eine Art Willkür von Regelauslegungen zu Ungunsten dieser Teams zu spüren. „Man darf uns doch nicht von vornherein als Gewalttäter abstempeln“, sagt er.

„Unser größter Wunsch ist es, in dem Land, in dem wir leben, gerecht behandelt zu werden, alles andere ist schmerzhaft, wie das Beispiel des Hamburger Sportgerichtes gegen uns aktuell zeigt“, so Karakavak. Deshalb prüft der Veien, ob eine Berufung gegen den Schuldspruch (muss bis kommenden Mittwoch eingereicht werden) Sinn mache. Die Begleichung der Geldstrafe sei aus Vereinsmitteln aktuell nicht möglich. Nur mit Spenden von Spielern und Freunden sei dies machbar.

Dennoch: Die Vorfälle bewegen Gencler dazu, Pysychologen zu Rate zu holen, so Karakavak, um in Zukunft solchen Situationen wie in Quickborn abgeklärt entgegentreten zu können. In einer Krisensitzung werde dies mit der Mannschaft unverzüglich besprochen werden. Die Spieler müssen keine Konsequenzen befürchten.

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