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FC Elmshorn : Die schwärzeste Stunde des Vereins ist abgehakt

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vor einem Jahr hat der FC Elmshorn die Oberligamannschaft abgemeldet. Der Verein ist aber noch nicht über den Berg.

shz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Es war heute vor einem Jahr, als eine kurze Pressemitteilung des FC Elmshorn die Oberliga Hamburg ins Beben brachte. Der Inhalt der von Vereinspräsident Michael Homburg unterzeichneten Erklärung: Der Club zieht mit sofortiger Wirkung seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb zurück. Es war das erste Mal in der Geschichte der Oberliga, dass ein Verein mitten in der Saison die Reißleine zieht.

Auch mit dem Abstand von 365 Tagen sagt Homburg heute: „Die Entscheidung war richtig und unabwendbar“ und betont, dass keineswegs die sportlich desaströse Hinrunde der Grund war. Auch der vierte Trainer der laufenden Saison, Florian Gossow, hatte nicht das geschafft, was zuvor schon Bernhard Schwarz und Bernd Ruhser nicht gelungen war: Struktur in die zusammengeklaubte Elf zu bringen.

Für Homburg, der ein halbes Jahr zuvor den schillernden Helge Melzer als Präsident abgelöst hatte, ging es schlichtweg um die Existenz des FC Elmshorn. „Wir hätten’s finanziell nicht überlebt“, so Homburg, der schon deshalb keinen Vergleich mit der aktuellen Situation des SV Lurup ziehen will.

Der Hamburger Traditionsklub ist nach dem Rückzug seines Hauptsponsors nur mit einer Truppe im Oberhaus angetreten, die nach einhelliger Expertenmeinung selbst zwei Klassen tiefer kaum bestehen würde. Der noch sieglose SVL will trotz einer Bilanz von 90 Gegentoren in 15 Partien die Saison zu Ende spielen.

Die Folgen in Elmshorn waren gravierend – und auch wieder nicht. Die damalige Zweite schaffte bekanntlich auch sportlich den Erhalt der Landesligazugehörigkeit, obwohl der FCE als Zwangsabsteiger aus der Oberliga einen Platz in dieser Staffel ohnehin sicher hatte. Aktuell hat die Elf von Trainer Dennis Gersdorf eine Serie von nun sieben Partien ohne Niederlage hingelegt und sich in der Tabelle auf Rang sechs vorgemogelt. Eine neue Zweite ist seit dem Sommer am Start und belegt trotz personeller Sorgen und Ärger um den Einsatz von älteren A-Jugendlichen in der Kreisklasse 4 einen Mittelfeldplatz. Mit Ausnahme der A-Jugend sind alle Nachwuchs-Altersklassen besetzt (15 Jungenteams- und eine Mädchenmannschaft).

In der Außendarstellung aber war der Schritt vom 11. Dezember 2014 natürlich ein Desaster. Das Medienecho fiel – besonders im Hamburger Bereich – verheerend aus. „Das muss man aushalten“, sagte Homburg heute über die Schlagzeilen des vergangenen Jahres. „Es ging nicht darum, eine populäre Entscheidung, sondern darum, eine richtige Entscheidung zu treffen.“

Zudem beendete der damalige Hauptsponsor Albertinen mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit; alle Werbebanden an der Wilhelmstraße mussten abgebaut werden, die Werbung von den Trikots verschwinden. Ärgerlich, aber: „Das ist alles sauber gelaufen“, sagt Michael Homburg. Dem Vereinspräsidenten ist in diesem Zusammenhang viel wichtiger, das lokale Partner aus der Wirtschaft dem Club die Treue gehalten haben. „Die denken auch über die soziale Verantwortung und die Jugend nach“, so Homburg.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Partner hatte Homburg in der Öffentlichkeit auch nie wirklich schlecht über seinen Amtsvorgänger Melzer gesprochen – auch auf Kosten des Preises, selbst als Buhmann dazustehen. „Es bringt überhaupt nichts, wenn man sich in der Öffentlichkeit prügelt. Ich wüsste nicht, was dafür hätte gewonnen werden können“, so Homburg. Lediglich gegen den Vorwurf, als Jugendwart gewisse Entscheidungen die damalige Oberligamannschaft betreffend mitgetragen zu haben, verwahrt er sich. „Das Thema finanzielle Situation war gar nicht transparent“, sagte er.

Heute geht man offener mit Zahlen um. Für die Jahre 2012 und 2013 erwartet der Verein nach den gerade fertig gestellten Steuererklärungen Nachzahlungen im fünfstelligen Eurobereich. Homburg: „Der Verein ist nicht überm Berg, aber wir stehen so da, dass ich ruhig schlafen kann.“

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