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Fussball : Die Rückkehr der „Fußball-Brüder“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Elmshorner Ümit Karakaya und Niklas Siebert spielen heute mit Halstenbek-Rellingen in ihrer eigentlichen Fußball-Heimat.

Auf den ersten Blick wirken sie ganz unterschiedlich. Der eine, Ümit Karakaya, ist groß, schlank, dunkelhaarig. Der andere, Niklas Siebert, kleiner, kräftig und blond. Trotz dieser auffälligen Unterschiede kann man Karakaya und Siebert jedoch gut und gerne als Brüder bezeichnen – als „Fußball-Brüder“. Denn die beiden verbindet mehr, als der erste Eindruck vermuten lässt. Da ist zum einen die gemeinsame Liebe zum Sport. Und zum anderen die gemeinsame sportliche Herkunft. Denn Siebert und Karakaya entstammen beide der Fußball-Jugend von Holsatia Elmshorn. Seit ihrem sechsten Lebensjahr jagen die beiden heute 19-jährigen Elmshorner gemeinsam der runden Kugel hinterher. Kein Wunder also, dass sie sich auf dem Platz nahezu blind verstehen.

„Wir kannten uns eigentlich schon bevor wir mit dem Fußballspielen begonnen haben“, berichtet Siebert beim Interviewtermin, zu dem beide – selbstverständlich – gemeinsam erscheinen. Bereits ihre Eltern haben zusammen Fußball gespielt: die Väter Süleyman Karakaya und Thorsten Siebert in der Saison 1993/94 bei Holsatia in der Bezirksliga, die Mütter Nuray Karakaya (geborene Öncan) und Claudia Siebert (geb. Reimers) seit Beginn der 90er-Jahre im gleichen Klub in der Verbands- und Landesliga.

Es erscheint daher normal, dass Niklas Siebert und Ümit Karakaya am heutigen Freitagabend eine große Anhängerschaft mobilisieren werden, wenn sie in ihrer Heimatstadt gegen den Ball treten werden.

„Wenn wir heute Abend an der Wilhelmstraße auflaufen, werden viele von meiner Familie zuschauen, zudem habe ich all meinen Freunden Bescheid gesagt. Ich denke, es werden über 20 Leute aus meinem Bekanntenkreis kommen“, verrät Karakaya, während Linksaußen Siebert aus seinem Umfeld „mindestens 25 Fans“ verspricht – in diesem Punkt sind sich die beiden Kumpels ausnahmsweise einmal nicht einig.

Viele werden heute Abend (19.30 Uhr) zur Fußballstätte des Oberligisten FC Elmshorn pilgern, um die beiden Elmshorner Jungs kicken zu sehen. Und dabei feststellen müssen, dass sie dies nicht für den Heimverein aus der Krückaustadt tun. Denn Siebert und Karakaya (genauso wie Serhat Ercek, ein weiterer Elmshorner) werden mit dem Kreisrivalen SV Halstenbek-Rellingen an der Wilhelmstraße zu Gast sein. Für den FCE spielten sie (bis auf Ercek) nie.

„Es gab vor knapp zwei Jahren mal eine Anfrage, als wir noch gemeinsam für die A-Junioren von Eintracht Norderstedt (A-Regionalliga, d. Red.) spielten“, verrät Karakaya, den sie aufgrund seiner Position im offensiven, zentralen Mittelfeld und seiner eleganten Spielweise im Team von HR „Mesut“ rufen – in Anlehnung an den deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, Mesut Özil. Und er ergänzt: „Wirklich ernsthaft um uns bemüht hat man sich nie. Zudem wollten wir damals noch ein weiteres Jahr in der A-Jugend spielen und hatten Bedenken, dass wir in Elmshorn als junge Spieler kaum Spielpraxis bekommen hätten.“ Heute bedauert dies FCE-Trainer Florian Gossow, der Siebert bei HR’s 2:2 in Altona eine „echt starke“ Leistung attestierte. „Das ist ärgerlich, weil ich einer bin, der gerne mit jungen Leuten arbeitet“, sagt er.

In der Norderstedter Jugend genossen Siebert, der in einem Jahr in Kiel ein Sportstudium aufnehmen will, und Karakaya – nach Umwegen über den SC Concordia und den FC St. Pauli – eine hervorragende fußballerische Ausbildung. „Die Rahmenbedingungen waren super, es war nahezu professionell“, erzählt Siebert. Dass die Interessenten Schlange standen, als beide Talente auf dem Sprung in den Herrenbereich waren, ist nachvollziehbar. „Altona 93 hat angefragt, andere Oberligisten ebenso“, verrät Siebert. Und doch entschieden sich beide für die vergleichsweise kleine Spielvereinigung aus Halstenbek, mit der sie aktuell die Liga aufmischen (ungeschlagen auf Platz eins). „Das Konzept hat uns einfach überzeugt“, so Karakaya, „es gibt bekanntlich eine Kooperation von HR mit dem Regionalligisten Eintracht Norderstedt, wir haben die Option, nach einem Jahr HR zu Norderstedt zurückzukehren und Regionalliga zu spielen. Und bei HR bekommen wir viel Spielpraxis, da der Verein auf den Nachwuchs setzt.“

Und dann ist da natürlich die Nähe zu Elmshorn. „Na klar, das ist für uns optimal. Ümit, Serhat und ich haben eine kleine Fahrgemeinschaft“, erklärt Siebert, dem zumeist die Rolle des Fahrers zu Teil wird, da Karakaya noch an seinem Führerschein arbeitetet. „Wenn die Jungs auf dem Spielfeld mal einen blöden Spruch bringen, drohe ich schon mal damit, sie auf der Autobahn, am Rantzauer Forst auszusetzen“, scherzt Siebert.

Apropos Sprüche: Wie haben es die beiden Talente geschafft, so schnell im Herrenfußball Fuß zu fassen? „Es gibt schon mal zu Beginn des Spiels ein rüdes Foul oder einen Spruch, zudem ist alles viel taktischer geprägt als im Juniorenfußball. Aber in punkto Sprüchen können wir schon ganz gut mithalten“, frotzelt Siebert.

Fußballerisch auch. HR kommt heute als Favorit in die Krückaustadt – und könnte Elmshorn für einige Stunden auf den letzten Tabellenplatz schießen. „Sollte der FCE absteigen, wäre das für mich nicht traurig. Ich bin zwar Elmshorner, habe aber keinerlei Beziehungen zu diesem Klub“, gibt Karakaya, dessen Vater einst für nur zehn Tage als Trainer beim FCE war, zu.

Ein Auswärtssieg heute wäre für Karakaya und Siebert also gleichermaßen ein Heimsieg – den sie gemeinsam feiern werden. Wie Fußball-Brüder das eben so tun.

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erstellt am 07.Nov.2014 | 16:00 Uhr

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