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Handball : Die Mission geht weiter

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Handball: Ellerbeks Trainer Michael Bollhöfer hofft auf verbesserte Rahmenbedingungen / Die dritte Liga bleibt langfristig das Ziel

Michael Bollhöfer muss schmunzeln. Einige Presseartikel aus Rendsburg erklärten das gute Abschneiden des TSV Ellerbek als Dritter in der Handball-Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein mit den finanziellen Möglichkeiten des Vereins. „Zu uns kommen Spieler, weil sie sportlichen Erfolg wollen“, sagt der Trainer. „Wir zahlen nicht einmal Aufwandsentschädigungen.“

Dass man unter diesen Rah-menbedingungen an einen Aufstieg in die dritte Liga nicht denken kann, weiß Bollhöfer natürlich. Insofern kam dem Coach die zweite Saison am Rugenberger Mühlenweg zustatten. Im Schatten der überragenden SG Flensburg/Handewitt II, die als Talentreservoir des Champions-League-Teilnehmers als hoher Favorit in die Saison ging, konnte der Coach seine Mannschaft in Ruhe weiterentwickeln. Sein Ziel, unter die besten drei zu kommen, erwies sich dabei keineswegs als überhöht. Im Gegenteil: Noch am letzten Spieltag war die Vizemeisterschaft möglich.

Obwohl der TSV Ellerbek die Saison mit 0:6 Punkten beendete, ist Michael Bollhöfer stolz auf seinen Kader. „Ich habe in meiner Trainerlaufbahn noch keine andere Mannschaft erlebt, die charakterlich so stark ist, so viel Kraft aus dem Teamgeist zieht und im Trai-ning immer an die Grenzen geht“, lobte der 45-Jährige. Die
Entscheidung, in Ellerbek weiter zu machen, fiel „Bolle“ insofern leicht, seine Mission geht weiter. Doch mittelfristig braucht auch Bollhöfer eine neue Perspektive.

So wie der Lehrer Michael Bollhöfer, der am Gymnasium Blankenese Sport, Geschichte, Politik und Philosophie unter-richtet, über einen Schulwech-sel nachdenkt, sucht auch der ambitionierte Handballtrainer nach neuen Herausforderungen. Dass die sich auch beim TSV Ellerbek bieten könnten, dafür will Bastian Blietz sorgen. Der ehemalige TSV-Kreisläufer, der noch die letzte Regionalliga-Saison 2009/10 erlebte, als Ellerbek den Sprung in die damals neu geschaffene 3. Liga verpasste, kümmert sich um Marketing und Sponsoring.

Doch die Zeiten sind schwie-rig. Die Marke „TSV Ellerbek“, die nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord 1997 ihre größte Reichweite erlebte, hat in der Oberliga Hamburg/
Schleswig-Holstein offensichtlich an Attraktivität eingebüßt. Zwar sind die Asse von damals, Kay Germann und Ingo Ahrens, als regelmäßige Zuschauer auf der Tribüne dabei und voll des Lobes über die Leistung der Mannschaft. Die regionale Wirtschaft hält sich jedoch mit Fördergeldern zu-rück. „Wir sind froh, dass un-serem ’Club der 100 ’ neue Mitglieder beigetreten sind“, sagte Blietz. „Die Lücke, die der Rückzug von drei großen Unternehmen riss, ist aber noch nicht geschlossen.“

Sollten Blietz’ Bemühungen um weitere Zuwendungen aber erfolgreich sein, werden diese Mittel zu großen Teilen in die Jugendarbeit fließen. „Legionäre sind beim TSV Ellerbek nicht gewollt“, wendet sich Michael Bollhöfer strikt gegen eine Bezahlung der Spieler. „Aber sie sollen nicht für ihren Sport auch noch Geld mitbringen müssen.“

So oder so will sich Bollhöfer um eine Intensivierung der Jugendarbeit bemühen und die zweite Mannschaft (Hamburg-Liga) enger mit der ersten verzahnen. Zusammen mit Trainerin Kathrin Herzberg will er eine höhere „Durchlässigkeit“ erreichen. „Der Verein muss in Kauf nehmen, mit der Zweiten nicht im Spitzenfeld mitzuspielen“, plädiert der Coach für die Verkleinerung und Verjüngung des Kaders, um guten A-Jugendlichen vermehrt die Chance zu geben, sich früh bei den Erwachsenen zu bewähren.

Die Ausbildung von Perspektivspielern müsse in Ellerbek in der zweiten Mannschaft erfolgen, weil die Zeit in der Ersten für individuelle Arbeit nicht ausreiche, schildert Coach Bollhöfer das Hallen-Dilemma. „Der Verein macht zwar aus der Mangelsituation das beste für uns, wir haben einen Kraftraum und Laufstrecken“, sagte der Trainer. „Aber drei Einheiten in der Halle, davon zwei nur in der halben, setzen Grenzen.“ Dass sich die Mannschaft in der jüngsten Saison dennoch steigerte, die Abwehr zeitweise zu einem Bollwerk wurde und der Angriff trotz verletzungsbedingter Ausfälle zentraler Rückraumspieler (Till Krügel, Christopher Behre) solide Klasse bot, spricht für den besonderen Zusammenhalt im Team. Zwar verlassen mit Torwart Florian Knust (SV Beckdorf/3. Liga) und Rechtsaußen Laurids von der Lancken (Studium) zwei Stammkräfte den Kader und Kreisläufer Niklas Weller entschwindet bis Weihnachten für ein halbes Jahr nach Australien. Doch ist Trainer Bollhöfer sicher, auch für die Saison 2014/15 eine schlagkräftige Truppe zusammen zu bekommen.

Als erster Neuzugang wurde Torwart Tobias Laupichler (2. Mannschaft) vermeldet. Mit weiteren jungen Talenten steht Bollhöfer in Kontakt. „Die Mannschaft hat mit gutem Handball für sich geworben und hat das Potenzial im nächsten Jahr um den Aufstieg mitzuspielen“, sagte er. Ob es eine finanzielle Basis für die höheren Kosten (besonders für Fahrten) gibt, wird die Zukunft zeigen.

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