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Reitsport : Der Züchter des Derby-Siegers

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Erfolgsstute Zera ist im Kollmaraner Ortsteil Langenhals auf dem Hof von Harm Thormählen groß geworden

Harm Thormählen (72) hat im Laufe seines Lebens schon viele Glücksmomente miterlebt – in jüngeren Jahren zunächst als aktiver Reiter, später dann als bekannter Züchter von Holsteiner Pferden. Sein jüngster Erfolg ist erst wenige Tage alt, denn der Slowene Pato Muente ritt als Sieger der 88. Auflage des Deutschen Springderbys von Hamburg Klein Flottbek auf der von Harm Thormählen gezogenen und jetzt zehn Jahre alten Stute Zera. Sowohl im Umlauf als auch im Stechen gegen Gilbert Tillmann auf Claus Dieter und den Hetlinger Nisse Lüneburg auf Cordillo blieb das Paar fehlerfrei.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bezeichnet Harm Thormählen den Sieg des Slowenen mit argentinischen Wurzeln beim wohl schwersten Springen der Welt als „fantastisch“. Der Erfolg kam für den Kollmaraner aber keineswegs überraschend: „Pato Muente reitet Zera seit drei Jahren und hat das Pferd mit viel Liebe und Feingefühl aufgebaut. Bereits im vergangenen Jahr wurde er als stilistisch bester Springreiter des Turniers ausgezeichnet.“

Dass der Sieger auch in diesem Jahr die Fachwelt beeindruckte, machte der frühere Manager des Derbys und eine Ikone im Reitsport deutlich. Paul Schockemöhle sagte nach den beiden Runden: „Heute hat der Richtige gewonnen. Da war kein Glück dabei.“ Dieser Aussage schließt sich Harm Thormählen vorbehaltlos an.

Beurteilen kann der Züchter die Geschehnisse deshalb, weil er während des Derbys als Manager von Pato Muente fungierte und dicht an dessen Seite war – zum Beispiel beim Abschreiten des Parcours oder wenn es darum ging, die Nerven des Reiters zu beruhigen. Dass die bevorstehende Situation für Reiter und Pferd nicht einfach war, bestätigte Harm Thormählen so: „Der Parcours beim Derby ist sehr schwer und sehr speziell und mit seinen vielen Naturhindernissen nicht leicht zu reiten. Es hat in der langen Geschichte des Turniers bisher nur wenige Paare gegeben, die darauf fehlerlos geblieben sind.“ Mit Muente und Zera sind es nun 154.

Trotz aller Anspannung sei Muente aber bereits vor der entscheidenden Prüfung von Klein Flottbek siegessicher gewesen. Nach der zweiten Qualifikation habe er zu Thormählen gesagt: „Sonntag werde ich gewinnen, aber du musst mir helfen.“ Dieser Aufforderung kam der Züchter gern nach und stellte sich auf dem Turniergelände in den Dienst des Slowenen.

Dass Harm Thormählen die Voraussetzungen hat, erfolgreiche Springpferde zu züchten, sei seinem Vater Rheder Thormählen zu verdanken. Der habe vor 60 Jahren die Stute Gera als Handelspferd gekauft. Aus ihrer Linie seien Vierbeiner hervorgegangen, die international höchsten Ansprüchen gerecht geworden sind. Darunter befand sich auch die Großmutter von Zera“, Fine Cera, die 2002 im spanischen Jerez de la Frontera nach vier fehlerfreien Ritten im Finale um den Weltmeisterschaftstitel erfolgreichstes Pferd des Turniers war und als „Weltmeister der Pferde“ geehrt wurde. Zwei Jahre später holte Fine Cera unter dem US-Amerikaner Peter Wylde olympisches Mannschaftsgold. Diese außergewöhnliche Stute steht heute wieder auf den Wiesen von Harm Thormählen und genießt dort ihre Rente.

Mit Blick auf Gera, die 1964 auch der damals sehr erfolgreiche Dressurreiter Josef Neckermann in Besitz nehmen wollte, sagte Harm Thormählen: „Wenn mein Vater sie nicht behalten hätte, wäre die Erfolgsschiene nicht eingetreten. Es gibt keine Familie, die so klein ist und so hohe Welterfolge hatte.“ Er selbst könne sich an Gera noch gut erinnern. 1964 ritt er die Stute in der Wingst bei einem Turnier und teilte sich auf der anderen Elbseite den Sieg dort beim Rekord-Hochspringen über zwei Meter mit den Olympiasiegern, Alwin Schockemöhle (1960/ Rom) und Kurt Jarasinski (1964/Tokio).

Eine gute Hand habe sein Vater auch beim Kauf von Retina Mitte der 1960er-Jahre gehabt. Mit dem Pferd, das unter dem legendären Fritz Thiedemann das Derby 1959 in Klein Flottbek gewonnen hatte, züchtete Harm Thormählen später fünf Fohlen. Eines davon war der Zuchthengst Capitol, Vater von vielen hervorragenden Sportpferden. Darunter war auch Dobel’s Cento, mit dem Otto Becker im Jahre 2000 das CHIO in Aachen gewonnen hatte. „Die alte Retina ist über 50 Prozent in der Genetik aller Holsteiner Hengste vorhanden, weil sie Großmutter auf der Vaterseite von Capitol ist“, bezieht sich Harm Thormählen auf neueste wissenschaftliche Untersuchungen. Bezogen auf den Flecken Langenhals im Bereich Kollmar mit gerade einmal 100 Einwohnern habe sich die Feststellung von Rheder Thormählen vor 60 Jahren bestätigt: „Es gibt keinen Platz der Welt, in dessen Umkreis so viele Hochleistungssportler geboren sind.“

Dass sich Harm Thormählen nach dem Erfolg von Pato Muente und Zera beim Deutschen Springderby zur Ruhe setzen könnte, schließt er aus: „Ich züchte weiter. Es ist mit weiteren guten Springpferden aus Langenhals zu rechnen.“

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