WM-Fieber : Der Fußballverrückte aus Wedel

Das Motschall-WM-Mobil zeigt bereits seit zwei Monaten jedem in Wedel: Hier kommt ein wahrhaft Fußball-Verrückter.
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Das Motschall-WM-Mobil zeigt bereits seit zwei Monaten jedem in Wedel: Hier kommt ein wahrhaft Fußball-Verrückter.

Waldemar Motschall hat sowohl sein Auto als auch seinen Minigolfplatz in eine Kultstätte umgewandelt

shz.de von
24. Juni 2014, 14:00 Uhr

„Hier ist der Fußballverrückteste aus Wedel”: Während Waldemar „Waldi“ Motschall diese Worte sagt, drückt er einen Knopf an dem schwarz-rot-goldenen überdimensionalen Zylinder auf seinem Kopf, auf dem es daraufhin schunkelt und jubiliert. Der 62-Jährige spricht aus, was die Menschen denken, die ihn in seinem VW vorfahren sehen: 17 Deutschland-Fahnen flattern im Fahrtwind, 20 Schwarz-Rot-Gold-Magnettafeln lassen kaum Platz für weitere. „Schade, hier geht’s nicht. Kunststoff“, sagt Motschall mit Blick auf die Stoßstange. Dafür gibt’s Außenspiegel- und Tankdeckel-Überzug, Polster und Sitz-Kissen mit dem Fußball-Bekenntnis.

Kein Zweifel: Motschall ist schwer vom WM-Fieber gepackt. Früh hat er sich infiziert, bereits acht Wochen vor dem ersten Anpfiff fing er an, sein Auto zu dekorieren. Teils sind die Fahnen schon vergilbt. Fußballverrückt – so kennt seine Frau Monika ihren Mann in WM- und EM-Zeiten. „Aber diesmal“, sagt sogar sie, „habe ich einen hier oben”, grinst Motschall über sich selbst. Denn das Auto ist das eine – sein Minigolfplatz in der Parnaßstraße ein anderes Symptom für die Diagnose: WM-Euphorie in fortgeschrittenem Stadium. Keiner, der nicht stehen bleibt und ungläubig schaut auf die kleine Freizeit-Anlage, die Motschall von der Stadt Wedel gepachtet – und in diesem Jahr in eine wahre Kultstätte umgewandelt hat. Mindestens alle zwei Zaunmeter Fahnen. Dazu Tischdecken, Sitzpolster, Sonnenschirm, selbst die Aschenbecher: wo es geht, der dreigestreifte Deutschland-Look. Die Ausnahme bildet das Flaggenband, das sich quer über den Platz zieht: „Alle teilnehmenden Nationen“, sagt Motschall.

Seine neueste Errungenschaft sorgt dafür, dass auch nachts klar wird: Hier ist Fußball schwerst angesagt. Mit Leuchtschläuchen hat der Wedeler meterhoch „WM“ geformt. „Bei Dunkelheit blinken die.“ Ein paar Meter weiter an seinem Service-Häuschen ein Tor in leuchtendem Blau – „mein Blue Goal“. Der Minigolfplatz ist auch der Ort, wo Motschall seine Tradition weiter pflegen möchte, die er vor fast vier Jahrzehnten gegründet hat. Gewonnenes Deutschland-Spiel, das heißt Auto-Korso durch Wedel, Motschall vorneweg. Einst auf dem Kleintransporter, den ihm sein Arbeitgeber, die Tiefbau-Firma Simon Nagel, zur Verfügung gestellt hat. Für die Jubel-Meute auf der Ladefläche hat Motschall selbst gesorgt. Erinnerungen vergangener Berufsjahre.

Heute führt das Motschall-WM-Mobil den Tross an – die Einladung für Donnerstag nach der USA-Partie steht. Denn der 62-Jährige ist sicher: „Deutschland gewinnt“. Und wenn nicht? Wenn die Elf ausscheidet? „Dann fahre ich zum Blumenladen und kaufe einen Kranz mit Trauerflor. Der hängt dann bis zum WM-Ende an der Anlage.“ Und wie geht denn nun eigentlich die WM aus, Herr Motschall? „Deutschland gewinnt“, lacht er – „gegen Holland im Endspiel“.

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