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Fussball-Kolumne : Der falsche Kellner von der Ersatzbank

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Mai ist ja bekanntlich der Monat der sportlichen Feierlichkeiten. Die Fußballsaison geht zu Ende; die Meister-, Aufstiegs- oder Nicht-Abstiegsfeierlichkeiten direkt nach dem letzten Schlusspfiff stehen auf dem Programm. Seit etlichen Jahren schon steckt allerdings genau dieses Prozedere so einer Schlusspfiff-Soiree in einer wirklich tiefen kreativen Krise. Aber so was von!

Egal, in welches Stadion man blickt, immer die ewig gleiche abgespackte Szene: Der Schiri pfeift ab und Sekundenbruchteile später rennt die erste Ersatzflöte wie von der Tarantel gestochen mit einem überdimensionalen Bierglas (randvoll inklusive Schaumkrone) auf das Spielfeld. Statt seinen Mitspielern einen kühlen Schluck zu kredenzen, ihnen nach getaner Arbeit eine feuchte Erfrischung zu servieren, kippt der falsche Kellner das Bier dem nächstbesten Typen aus seinem Verein in den Nacken. Das alleine ist ja nun schon komplett rattenasig genug, doch lacht sich das Servier-Frettchen auch noch vollkommen darüber schlapp, als wäre er der Allererste, der jemals einem anderen fünf Liter Bier in den Kragen gekippt hat. Auf jedem normalen Polterabend in Schleswig-Holstein geschieht so etwas. Mehrmals. Ich fordere hier entschieden den Videobeweis.

Im Handumdrehen sind weitere XXL-Biere auf dem Spielfeld und die Jagd auf weitere Opfer beginnt. An so einem Tag fällt sogar die Autorität eines jeden Trainers und früher oder später wird auch der samt seines überteuerten Lagerfeld-Anzugs eingenässt. Ich frag mich ernsthaft, ob sich ein Bayernspieler das auch bei Feuerkopp Matthias Sammer traut. Zwar wird bei dem das Bier sofort zischend verdampfen, sobald es dessen Kopfhaut erreicht, dennoch geht der doch bestimmt hoch wie eine Rakete an Silvester.

Wenn alle irgendwann dann bierschweißig genug sind, wird sich das gesponserte „Meister 2014“-Shirt (gääähn) übergezogen und Arm in Arm vor der Fankurve das unvermeidliche, abgenudelte „We are the champions“ von Queen mitgegrölt, was seit einer Viertelstunde in Endlosschleife durch die Stadionlautsprecher quakt. Freddy Mercury rotiert stets weißglühend in seinem Grab, wenn er hört, wie musikalisch hochgradig unbegabte Berufsfußballer dilettantenhaft und bierschwanger seine allzeitgrüne Hymne schänden.

Also, bitte! Denkt Euch mal was Neues aus, ihr Flitzpiepen! Sinnlos mit Bier rumsauen und olle Popschlager leiern, kann ja wohl des Einfallsreichtums letzter Schluss sein.

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