Fussball : „Das Unglück schläft nicht“

Unglück Nummer zwei: Nikolas Maksimovic brach sich am 10. Januar beim Hallenmasters das Wadenbein.
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Unglück Nummer zwei: Nikolas Maksimovic brach sich am 10. Januar beim Hallenmasters das Wadenbein.

HR-Trainer Bliemeister muss nach Verletzungsmisere umbauen, verbreitet aber Optimismus / Neuzugang nicht ausgeschlossen

shz.de von
30. Januar 2015, 16:00 Uhr

Jeder tickt anders. Wenn es um Hallenturniere geht, haben die Trainer der hiesigen Fußball-Oberligisten unterschiedliche Meinungen. Spektakel für die Zuschauer und eine willkommene Abwechslung für die eigenen Spieler in der tristen Winterpause sagen die einen. Veranstaltungen mit hohem Verletzungsrisiko und eine unnötige Belastung die anderen.

Die engen Plätze, die Bande und das hohe Tempo sorgen für mehr Zweikämpfe und auch für mehr Fouls und Verletzungen, so die einhellige Meinung der Kritiker des Budenzaubers. Der Oberligist Altona 93 und der Regionalligist Eintracht Norderstedt hatten die Teilnahme ihrer Teams an sämtlichen Hallenturnieren auch aus diesem Grund abgesagt.

Auch Thomas Bliemeister, Trainer des aktuellen Oberliga-Tabellenführers SV Halstenbek-Rellingen, hat seine Meinung zum Hallenfußball: „Ginge es nach mir, würde ich mein Team nicht freiwillig bei Hallenturnieren melden. Aber der Verein hat Verpflichtungen, will ein eigenes Turnier austragen und wurde auch von anderen Vereinen eingeladen. Da besteht dann auch eine Art Verpflichtung dabei sein zu müssen“, sagt er.

Dass Bliemeister dem Kick auf dem Parkett leicht kritisch gegenübersteht verwundert kaum. Denn kein anderes Team aus der höchsten Hamburger Spielklasse traf es in diesem Winter härter als seins.
Beim Hallenmasters brach sich Spielmacher Nikola Maksimovic das Wadenbein, beim eigenen Hallenturnier um den Sottmann-Cup erlitt dann Flügelflitzer Niklas Siebert einen Kreuzbandriss (wir berichteten). Beide werden den Baumschulern in der anstehenden Rückrunde fehlen, beide waren Schlüsselspiel im taktischen Konzept Bliemeisters.

„Das Unglück schläft nicht“, sagt der erfahrene Coach ernüchtert, stellt aber auch klar, dass das Verletzungspech seiner Mannschaft nicht zwangsläufig mit dem Hallenfußball zusammenhängt: „Das kann auch auf dem Feld während der Freiluftsaison passieren. Unser Abwehrspieler Jan Rottstedt beispielsweise zog sich während der Hinrunde einen Kreuzbandriss zu.“

Maksimovic, Siebert, Rottstedt – drei schmerzhafte Ausfälle für die Baumschuler, für die nun die Frage im Raum steht, ob eine mögliche Meisterschaft angesichts des Aderlasses in weiter Ferne gerückt ist. „Wir müssen unsere Saisonziele sicherlich neu überdenken“, sagte noch vor Kurzem HR-Manager Detlef Kebbe. Trainer Bliemeister aber verbreitet Optimismus: „Mir tut es in erster Linie für die Spieler leid, weil es so komplizierte, langwierige Verletzungen sind. Aber wir haben einen großen und guten Kader, werden das auffangen können.“

Und zum Thema Meisterschaft sagt der 58-Jährige: „Die Meisterschaft wurde nie als Ziel ausgegeben, insofern kann sie jetzt auch nicht vorzeitig futsch sein. Der Favorit auf den Titel ist für mich ganz klar der SC Victoria. Dennoch wollen wir weiterhin jedes Spiel gewinnen, haben keine Angst vor Niederlagen, das wird sich auch nach den Verletzungen nicht ändern.“

Schon jetzt bastelt Bliemeister fleißig an einer Umstellung des Teams. Die Rolle von Spielmacher Maksimovic könnte Ümit Karakaya übernehmen. Bliemeister überlegt, den offensiven Mittelfeldspieler zurück ins defensive Mittelfeld zu ziehen. Auch Yannick Bräuer oder Yannick Sottorf wären Kandidaten. Auf Linksaußen soll Serhat Ercek seinen Kumpel Siebert ersetzen, auch Patrick Hoppe und Timo Wieckhoff (eigentlich Rechtsaußen) kämen infrage. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass Manager Kebbe noch einmal auf dem Wintertransfermarkt zuschlägt. „Möglich ist alles“, unkt Bliemeister und fügt an: „Es bringt nichts zu jammern, wir haben einen ausgewogenen Kader, jetzt müssen die einspringen, die in der Hinserie noch etwas hinten dran waren.“

Ob Ercek, Hoppe und Co bereits am Sonntag (13 Uhr) beim Pokal-Nachholspiel gegen den SC Victoria in die Bresche springen müssen, ist offen. Schnee und Regen haben dem Platz am Lütten Hall zuletzt schwer zugesetzt. Am heutigen Freitag will HR-Präsident Hans-Jürgen Stammer zusammen mit Wilfred Diekert vom Verbandsschiedsrichter-Ausschuss klären, ob der Rasen bespielbar ist. Bliemeister jedenfalls nimmt’s wie es kommt: „Der Zeitpunkt für so ein schweres Spiel ist nie der richtige. Hätten wir gewusst, dass sich so viele wichtige Spieler verletzen würden, hätten wir vermutlich noch im Dezember darauf gedrängt, dass trotz schlechter Bedingungen gespielt wird.“

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