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American Football : „Das Projekt wäre gescheitert“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Sylvia Nowak, Vorsitzende der Elmshorn Fighting Pirates, gewährt nach dem Aufstieg einen Blick in ihre Gefühlswelt.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2017 | 16:00 Uhr

„Ich liebe dieses Spiel.“ Dieses Bekenntnis zum American Football gibt Sylvia Nowak nicht zum ersten Mal ab, aber nach dem Aufstieg der Elmshorn Fighting Pirates in die German Football League 2 (2. Bundesliga) umso lieber. Im Interview spricht die Vorsitzende der EMTV-Sparte über die vergangene Saison und wagt einen Ausblick auf die nächste, in der nicht allein der Klassenerhalt im Mittelpunkt stehen soll.

Frage: Haben Sie nach dem Spiel schön gefeiert?

Sylvia Nowak: Wir haben am Sonntag gefeiert, aber es brauchte ein paar Tage, um überhaupt anzukommen. Ich konnte es zwischendurch gar nicht fassen.

Was braucht so lange?

Es war gefühlt eine nicht enden wollende Saison. Wir haben fast ziemlich genau vor einem Jahr gesagt: Wir gehen jetzt auf Leistung und starten das Projekt GFL-Aufstieg 2017 um jeden Preis. Nicht mal gucken, was passiert, sondern: Das ist unser Ziel. Im Grunde war es immer so, dass wir jedes Spiel gewinnen mussten. Es gab ja nicht viel Raum, um ein Spiel zu verlieren.

Sie haben das Ziel nicht nur sehr laut nach draußen getragen, sondern sind mit Gründung der Spielbetriebs-GmbH ja auch ordentlich in Vorleistung getreten. War das ein großes Risiko, das Sie da eingegangen sind?

Ein ganz großes, ja. Wir haben gesagt: Wenn wir aufsteigen in die GFL 2 – wovon wir alle ausgegangen sind –, dann brauchen wir die GmbH. Das Wagnis war, diese jetzt zu gründen. Aber wenn wir nicht aufgestiegen wären...

Was wäre dann gewesen?

Es bestand zumindest eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass es dann das gewesen wäre. Um nicht missverstanden zu werden: Die Pirates hätte es immer gegeben, die sind nicht abhängig von einem Jörn Maier oder einer Sylvia Nowak. Aber dieses Projekt wäre gescheitert.

Welche Aufgaben – fernab vom sportlichen Personal – liegen außerdem noch vor ihnen, um kommendes Jahr tatsächlich in der GFL 2 starten zu dürfen?

Für die Lizenzvergabe müssen wir nachweisen, dass wir es finanziell schaffen können. Was wir schon haben: Wir müssen zwei Jugendteams nachweisen und welche Plätze die in den vergangenen drei Jahren belegt haben. Aber wir haben eine super Jugendarbeit.

Sponsoring ist gefühlt bei Ihnen in diesem Jahr unheimlich stark geworden. Warum haben Sie in diesem Bereich Erfolg, während anderen Vereine oft über fehlende Sponsoren klagen?

Letzteres vermag ich nicht zu sagen, aber gefühlt ist es doch so: Fußball hat’s viel leichter. Überzeug mal einen Sponsor davon, warum es sinnvoll ist, American Football zu sponsern, wenn die keine Affinität dazu haben. Es ist immer noch eine Randsportart. Und ich glaube auch, in Elmshorn gibt es immer noch Menschen, die nicht wissen, dass es die Fighting Pirates gibt. Unser Weg war, mit ganz vielen Menschen zu sprechen. Wir haben unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Unsere Aktivitäten auf Facebook haben sich vertausendfacht. Wir haben die Sponsoren persönlich zu vielen Spielen eingeladen. Dadurch entsteht eine Bindung. Und dann ist es auch ein Event. Wenn viele Leute da sind, dann ist beim Football richtig was los. Da ist eine andere Stimmung als beim Fußball. Wir haben einen Zuschauerschnitt von über 1100 gehabt.

Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Hilft das auch der Mannschaft?

Was wir da zusammen mit unseren Fans auf die Beine stellen, ist schon etwas Besonderes. Das ist wirklich ein Aushängeschild der Pirates. Es ist nicht so, dass es in den anderen Stadien auch nur ansatzweise so ist. Und das Team kriegt das mit. Manche Spieler fordern das sogar richtig. Wenn der Headcoach hinterher sagt „Es war super, aber ich konnte meinem Team zwischendurch gar nicht mehr sagen, was ich will“, weil es so laut war, ist das eine geile Nummer. Das habe ich bis dahin auch nicht erlebt. Davon leben wir.

Man merkt, dass viel Aufwand betrieben wird, um die Leute ins Stadion zu locken. Ist es schwierig, immer so ein Beiprogramm auf die Beine zu stellen?

Es braucht ein paar kreative Köpfe. Wir haben eine tolle Marketing-Gruppe, wie wir sie nennen. Das ist ein kleiner Haufen und wir brauchen tatsächlich für die nächste Saison deutlich mehr Helfer. Wir haben vor, nächstes Jahr früher zu planen, was wir tun können. Zuletzt war das so zwischendurch entstanden, aber es macht Spaß zu überlegen, was bei den Leuten ankommt.

Die Planungen für die nächste Saison beginnen wann?

Die haben letzten Montag begonnen. Ich habe noch große Reden geschwungen, dass man erst einmal alles sacken lassen und den Erfolg genießen sollte, weil das wichtig ist, aber wir hatten Montag schon wieder eine lange To-do-Liste, denn wir müssen diesen Schwung mitnehmen.

Haben Sie sportlich schon die ersten personellen Pflöcke eingeschlagen?

Das ist eine Frage an den Headcoach.

Apropos Headcoach: Wie wird das Trainerteam nächstes Jahr aussehen?

Wir gehen in die GFL 2 mit dem Headcoach Jörn Maier. Er muss sehen, wen er im Team haben möchte – und zu welchen Bedingungen.

Ändern sich die Ansprüche der Spieler in der höheren Klasse?

Die meisten spielen, um Spaß zu haben. Es ist nicht mit Fußball vergleichbar, wo man, wie ich höre, schon relativ früh Geld kriegt. Das gibt’s bei uns nicht. Klar werden wir mit Import-Spielern in die GFL 2 gehen; das ist nicht anders möglich. Wir werden gucken, dass wir die Leistungsträger halten und Spieler hinzubekommen. Das ist in der GFL 2 natürlich deutlich attraktiver als in der Regionalliga.

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