Fussball-Oberliga : „Das ist keine Werbung für die Liga“

Kaum zu fassen: Rugenbergens Coach Ralf Palapies macht sich Sorgen um den Ruf und die Zukunft der höchsten Hamburger Spielklasse.
Kaum zu fassen: Rugenbergens Coach Ralf Palapies macht sich Sorgen um den Ruf und die Zukunft der höchsten Hamburger Spielklasse.

shz.de von
15. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Vorerst kein Oberliga-Fußball mehr in Elmshorn. Die Nachricht, dass der FC Elmshorn seine erste Herrenmannschaft mitten in der Saison aufgrund finanzieller Engpässe aus dem Spielbetrieb der höchsten Hamburger Spielklasse abgemeldet hat (wir berichteten), schlug am vergangenen Donnerstag ein wie eine Bombe – und sie schlug hohe Wellen. In der gesamten Hamburger Amateurfußballszene. Und vor allem im Kreis Pinneberg.

Die hiesigen Amateurkicker diskutierten in Internetforen und auf den Plätzen den Rückzug der Elmshorner. Warum musste es soweit kommen? Wohin wechseln die Spieler (siehe auch Artikel unten links)? Und wer ist schuld an der Misere? Die Reaktionen der Pinneberger Fußballgrößen fallen unterschiedlich aus. Die Enttäuschung, zukünftig auf Duelle mit einem Kreisrivalen verzichten zu müssen, überwiegt. Diskutiert wird aber auch, ob die Aufgabe des FCE früher hätte erfolgen müssen, ob sie eine Wettbewerbsverzerrung nach sich zieht und ob Vereine zukünftig eine Lizenz erhalten müssen.

Detlef Kebbe, Manager des Tabellenführers SV Halstenbek-Rellingen und im Pinneberger sowie Hamburger Fußball bestens vernetzt, sagt zum FCE-Rückzug: „Aus meiner Sicht bringt die Abmeldung eine Art Wettbewerbsverzerrung mit sich. Hätte man vor der Saison seriös kalkuliert, hätte man sehen können, ob eine Oberliga-Saison finanziell realisierbar ist oder nicht. Schließlich hat man auch eine Verantwortung gegenüber den Spielern, dem Umfeld und den Fans. Gleichwohl finde ich es persönlich schade, dass der FCE abgemeldet hat. Der Verein und die Spielstätte sind Kult.“

Auch Hans Jürgen Stammer, Präsident des Halstenbeker Klubs und einstiger Manager des FCE-Vorgängervereins Rasensport Elmshorn, prangert das verzerrte Tabellenbild an, schließlich werden nun alle bisher vom FCE absolvierten Spiele aus der Wertung genommen; die Mannschaft gilt laut Spielordnung des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV) als erster Absteiger der noch jungen Serie: „Für die anderen Teilnehmer an der Oberliga ist es natürlich sportlich schade, dass jetzt das Tabellenbild ein völlig anderes ist“, betont Stammer, und ergänzt: „Das ist eine traurige Nachricht für den Elmshorner Fußball und für all die treuen Fans, die ich noch aus Raspo-Zeiten kenne und die auch zum FCE stets ihren Obolus getragen haben. Auch zu Raspo-Zeiten, als ich verantwortlich war, hatten wir so unsere Unebenheiten, aber so drastisch war es nie. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass es gefährlich ist, sich finanziell von ein oder zwei Leuten abhängig zu machen.“

Der Fall des FCE ist kein Einzelfall. Dass Klubs noch vor Beendigung einer Saison vom Spielbetrieb abmelden müssen, begleitet die Oberliga bereits seit Jahren. Gegen Ende der vergangenen Serie meldete der Oststeinbeker SV unter dubiosen Umständen ab, spielt nun in der Kreisliga 3. Im Jahr zuvor strich der Traditionsverein FC Bergedorf 85 (jetzt Bezirksliga Ost) die Segel. Eine Etage tiefer, in der Landesliga, verabschiedete sich jüngst der VfL 93 Hamburg. Jedes Mal fehlte das Geld, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können.

Anlass genug, für Ralf Palapies, Trainer des SV Rugenbergen und einstiger Spieler von Raspo Elmshorn, grundsätzliche Fragen zu stellen: „Ich kenne die Interna des FC Elmshorn nicht, insofern ist es schwer, sich dazu zu äußern. Aber offenkundig hat man sich arg verkalkuliert. Klubs müssen lernen, nachhaltig zu wirtschaften. Man sollte daher beim Verband ernsthaft darüber nachdenken, zu Saisonbeginn ein Lizenzierungsverfahren für die Oberliga einzuführen. Das, was nun mit dem FCE passiert ist, macht mich nachdenklich und ist ein Armutszeugnis für die Liga. Wenn Vereine vorzeitig aufgeben, es bereits nach 19 Spieltagen Absteiger gibt, keiner aufsteigen will und dann auch noch ein Wettskandal in Umlauf ist, fragt man sich langsam, was das Ganze noch soll?“ Ähnlich wie Palapies sieht es Michael Fischer, Trainer des VfL Pinneberg, ebenfalls mit Raspo-Vergangenheit: „Ich finde, dass die Bombe schon sehr lange getickt hat – und jetzt ist sie geplatzt. Eigentlich sollte man ja aus Fehlern lernen, aber das passiert nicht. Auch wir beim VfL Pinneberg müssen nächstes Jahr den Gürtel enger schnallen. Wenn man das langfristig plant, ist das eine andere Sache als wenn man das Ding von heute auf morgen an die Wand fährt wie in Elmshorn. Das Ganze ist sicher keine Werbung für die Liga.“

Der Rückzug des FC Elmshorn hat eine große Debatte angestoßen, die die Amateurfußballer – nicht nur im Kreis Pinneberg – noch eine Weile beschäftigen wird.  

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