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„Das ist eine große Ehre für mich“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Interview Jörg Freyher gehört bei den Junioren-Europameisterschaften zum Trainerstab des Deutschen Schwimm-Verbandes

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 15:56 Uhr

Damit, den Namen der ungarischen Stadt Hodmezovasarhely unfallfrei richtig auszusprechen, tut sich Jörg Freyher etwas schwer. Der Cheftrainer des Swim-Teams Stadtwerke Elmshorn begleitet von Sonntag an die deutsche Mannschaft als einer von mehreren Trainern zu den Junioren-Europameisterschaften (JEM). Auch beim dreiwöchigen Vorbereitungstrainingslager in Heidelberg war Freyher dabei. Zum Team im Wasser gehören die Langstreckenspezialisten Lea Boy (16) und Thore Bermel (18), die sich unlängst bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften bereits in bestechender Form präsentiert haben, während Schmetterling-Sprinterin Thea Brandauer das Ticket nach Ungarn im Gegensatz zum vergangenen Jahr knapp verpasste.

Was bedeutet es für Sie als Trainer, vom DSV für eine Jugend-EM nominiert zu werden?
Jörg Freyher: Es ist natürlich eine große Ehre, dass man dabei sein darf. Gerade als kleinerer Verein – im Umfeld sind wir zwar recht groß, aber gegen Offenbach und solche Klubs ist die Einwohnerzahl von Elmshorn gering – ist es eine tolle Geschichte, da der DSV in den letzten Jahren immer mehr auf die Stützpunkte zugegriffen hat. Nun hat er wieder mehr Leute aus den Vereinen geholt. Dazu gibt es noch eine witzige Nebengeschichte: Ich war 2001 das erste Mal offiziell dabei, und danach ging der Bundestrainer in Rente. Jetzt bin ich 2016 dabei und der Bundestrainer, der 2001 angefangen hat, geht nun am 30. September in Rente. Also: Wenn einer gehen darf, darf ich dabei sein.

Wie kommt man dazu? Was mag den Ausschlag dafür gegeben haben, dass der DSV an Elmshorn und Sie gedacht hat? Es ist ja nicht das erste Mal, dass mehr als ein Schwimmer des STE zur JEM fährt.
Im Freiwasser war ich schon häufiger dabei, aber jetzt seit langem das erste Mal wieder im Becken. Ausschlaggebend sind ganz klar die Leistungen der Sportler gewesen, also von Lea und Thore. Die haben so gute Leistungen gebracht, dass man hoffen kann, dass sie auch bei der JEM vorne mitschwimmen können. Ob es für eine Medaille reicht? Hoffen wir mal.

Wie bereiten Sie sich auf so eine JEM vor und auch auf das Trainingslager in den vergangenen vier Wochen?
Es ist schon so, dass es vieler Absprachen bedarf, etwa mit den anderen Trainern, die ihre Sportler dorthin schicken. Im Endeffekt haben wir die Trainingspläne geschrieben, aber klar sind auch die Wünsche der Heimtrainer mit eingeflossen.

Das heißt, es ist schon im Vorwege eine Menge Kontaktarbeit nötig?
Ganz genau. Beim ersten Vorbereitungstreffen in Heidelberg konnte ich nicht dabei sein, aber wir haben vieles über die Telefon- und elektronische Kommunikationsschiene geregelt. Ich habe jetzt vier Sportler betreut. Die sogenannte Long-go-Truppe, also die Langstrecken-Gruppe mit Thore und Lea sowie Celine Rieder aus Saarbrücken und Moritz Brandt aus Essen. Die vier haben immer zusammen trainiert. Aber auch da war es so, dass der eine mal 65 Kilometer in der Woche gemacht hat, der andere 75 Kilometer. Es gab also immer Schwankungen. Man sollte ja auch nicht vier Wochen vor der JEM auf einmal ein neues Konzept anfangen.

Welchen Eindruck haben Sie speziell von diesem Quartett im Trainingslager gewonnen?
Das Trainingslager war schon sehr, sehr hart. Drei Wochen sind eine lange Zeit, aber ich denke, dass es noch einmal viel gebracht hat und dass wir gut gearbeitet haben. Der letzte Test mit der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft lief sehr, sehr gut. Ich hoffe, dass sie die gute Form – es sind alle schon im Bereich der Bestzeit geschwommen – mitnehmen können und sich in Ungarn nochmals steigern oder diese Zeiten zumindest bestätigen können.

Hat es während der Trainingsarbeit in Heidelberg einen Unterschied gemacht, dass Sie Lea und Thore natürlich in- und auswendig kennen, die beiden anderen aber nicht?
Na klar. Es gab, wie es normal ist im Trainingslager, ein Auf und Ab. Gerade wenn es mal nicht so lief, wurden Wünsche von außen zu uns hereingetragen. Da wurde viel kommuniziert, aber wir haben unseren Weg gehalten. Wir haben wirklich zu 100 Prozent durchgezogen, was wir uns vorgenommen haben. Ich hoffe, dass wir auch diese Woche gut über die Runden kommen. Wir haben vor Ort zwei Tage zur Eingewöhnung bevor der Wettkampf beginnt. Und ich hoffe, dass wir das Programm genau so gut schwimmen wie in Berlin.


Gibt es seitens des DSV Vorgaben oder eine bestimmte Erwartungshaltung?
Sicherlich wird’s immer vom DOSB welche geben. Die JEM ist dieses Jahr der höchste Wettkampf für diese Altersgruppe. Genaue Zahlen kenne ich aber nicht. Priorität haben ganz klar die Olympischen Spiele.

Bei der langen Abwesenheit Ihrer Person in den vergangenen Wochen bleibt natürlich die Frage: Wie wird das Training in Elmshorn während dieser Zeit geregelt?
Dass es funktionieren kann, haben ja die Deutschen Meisterschaften jetzt gezeigt. Ich habe die Pläne geschrieben, umgesetzt hat dies hier schwerpunktmäßig Anne (Borinski, die Red.), unterstützt in wenigen Ausnahmen von Bjarne (Thoms, die Red.), Christa (Harms, die Red.) und Claudia (Schunk, die Red.), die auch mal Training gegeben haben. Dass dies so geklappt hat, war wirklich eine Sache, auf die ich sehr stolz bin. Es hat bei den Leistungen während der Deutschen und der Norddeutschen Meisterschaften keinen Einbruch gegeben. Von daher ist die Saison perfekt weiter gelaufen.

Die Jungs und Mädels haben Sie in Berlin auch wieder erkannt?
Ja, ich war schon zu den Norddeutschen Meisterschaften nach Braunschweig gefahren. Also mussten sie nur zwei Wochen rumkriegen. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, aber wenn man hier jetzt auch die Kleinen im Wasser schwimmen sieht, ist es eine tolle Geschichte, wieder nach Hause zu kommen.

Es ist ja großer Aufwand, den Sie betreiben. Rentiert sich so etwas?
Ich bin ja ganz normal über den EMTV beim STE angestellt. Davon lebe ich gut. Sicherlich kann man davon nicht reich werden, aber man nagt auch nicht am Hungertuch.

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