Reitsport : Calle Cool – der Name täuscht

So sehen Sieger aus: Nisse Lüneburg und sein Wallach Calle Cool triumphierten beim 85. Deutschen Spring-Derby.
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So sehen Sieger aus: Nisse Lüneburg und sein Wallach Calle Cool triumphierten beim 85. Deutschen Spring-Derby.

Reiten: Nisse Lüneburg feiert den Derby-Sieg mit seinem 17 Jahre alten „nervösen und geräuschempfindlichen“ Wallach

shz.de von
03. Juni 2014, 16:00 Uhr

„Alles kann passieren“, hatte Nisse Lüneburg noch nach der zweiten Qualifikation zum Deutschen Spring-Derby zu Bedenken gegeben. Calle Cool habe sich zwar sehr gut angefühlt, cool sei der Wallach aber trotz seiner 17 Jahre nicht. „Er ist leicht nervös, geräuschempfindlich und sieht alles, was sich bewegt“, sagte der Hetlinger Berufsreiter. Als es jedoch Sonntag in Hamburg-Klein Flottbek ernst wurde, konnten den dunkelbraunen Holsteiner auch 25 000 Zuschauer nicht aus der Ruhe bringen. Er meisterte Normalumlauf und Stechparcours bravourös fehlerfrei und bescherte sich und seinem Reiter nach 2012 den zweiten Derbysieg.

Probleme mit Calle Cool bekam nur der Veranstalter. Der Siegerkranz, den sich Calle zwei Jahre zuvor nicht über den Kopf streifen ließ, sollte dem Wallach schon auf dem Abreiteplatz umgelegt werden. Doch während Chefsteward Franz-Peter Bockholt mit dem Kranz wartete, fehlte der Reiter, der dem Pferd das an einer Stelle offene Gebinde von hinten um den Hals legen sollte. Als der jedoch sein TV-Interview hinter sich hatte, lief alles wie geplant – bis zur Ehrenrunde. „Da habe ich den Kranz gelöst, das war im Sattel zu unbequem“, sagte Nisse Lüneburg.

Die erste Feier mit Familie, Freunden und Mitarbeitern fand am Weinstand statt. Abends ließ man den Tag in einem Restaurant ausklingen. Dabei feierten auch Jan und Karin Lüneburg einen Erfolg. Nisses Eltern sind Züchter des Holsteiners Chicassino, der im Speed-Derby unter Bereiter John Walther Fünfter wurde.

Groß war die Freude auch bei Calle Cool-Besitzer Michael Herz vom Holmer Moorhof. „Wir haben ein tolles Einvernehmen“, sagte Nisse Lüneburg, dem Calle 2009 vom Moorhof-„Chef“ Carsten-Otto Nagel zum Weiterreiten auf dem benachbarten Magdalenenhof überlassen wurde, wo Nisse für Herz-Bruder Wolf-gang als Bereiter arbeitet. Auch Nagel gehörte zu den ersten Gratulanten. Zumal er mit der Leistung seines Lex Lugar (3.), mit dem er 2010 siegte, total zufrieden war. „Wir sind ja noch jung“, kündigte der 51-Jährige mit dem 14-Jährigen Oldenburger einen weiteren Anlauf auf das Blaue Band an.

Sehr zufrieden mit den Derby-Tagen war auch Thomas Konle. Zwar verpasste der Chef des Springstalls beim Holsteiner Verband mit Chin Champ (8 Jahre) im Finale der Youngster-Tour knapp eine Platzierung. Die Manier bei den Nullrunden in den Quali-fikationen und Rang 5 in der zweiten Auslese begeisterten Konle: „Der Hengst hat viel Kampfgeist und wächst mit seinen Aufgaben."

Derweil denkt Nisse Lüneburg über Pfingsten nach. Eigentlich war das Turnier vor der Haustür auf dem Wedeler Catharinenhof fest geplant. Doch als Sieger des Derbys, der zweiten Etappe der Riders Tour, ist er auch für die dritte Teilprüfung im Schlosspark zu Wiesbaden qualifiziert – schön, wer so eine Wahl hat.


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