Derby in der Fußball-Oberliga : Bestätigte Weisheiten

HR kassierte zwei Platzverweise.
HR kassierte zwei Platzverweise.

Viele Emotionen, zweimal Rot, wenig Fußball und keine Tore: Das Duell zwischen dem VfL Pinneberg und HR geriet aus dem Ruder.

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18. November 2013, 16:00 Uhr

Fußball-Weisheiten sind so alt wie der Sport mit dem runden Leder selbst. Etwa diese: Ein Lokalderby hat seine eigenen Gesetze. Oder: Gegen zehn Gegner ist es nicht selten schwerer als gegen elf.

Dass diese Weisheiten sich so hartnäckig halten, hat auch damit zu tun, dass sie sich in regelmäßigen Abständen immer wieder bewahrheiten. Dass ein Derby durchaus ein besonderes Spiel ist, zeigte sich auch zwischen den Oberliga-Kreisrivalen VfL Pinneberg und Halstenbek-Rellingen: Noch Minuten nach dem Schlusspfiff des 45. Aufeinandertreffens waren die Gemüter erhitzt. Und wie. Spieler beider Teams diskutierten wild die Szenen, die sich in den 90 Minuten zuvor auf dem tiefen Rasen im Stadion I abgespielt hatten. Vor allem in Durchgang zwei. Halbzeit eins hatte fußballerisch nur wenig zu bieten, dafür aber einen Aufreger: HRs Sinan Demirci wurde in einem Duell mit Flemming Lüneburg unabsichtlich von dessen Schuh im Gesicht getroffen, was ihn dazu veranlasste, auszuholen und im Liegen nach Lüneburg zu treten. Demirci traf ihn nicht, aber Schiedsrichter Teuscher bestrafte allein den Versuch mit Rot (33.). „Eine Undisziplinierteit, die völlig unnötig ist“, so Demircis Coach Thomas Bliemeister. Alles andere als undiszipliniert präsentierte sich Bliemeisters Team in Unterzahl während der zweiten 45 Minuten. Taktisch geschickt stand HR gut gestaffelt und setzte über Konter immer wieder Nadelstiche.

Einer saß tief: Ein Kopfball von Stürmer Mladen Tunjic rauschte ins VfL-Netz. Tunjic drehte jubelnd ab, Richtung HR-Bank. Aber Teuscher, der den Treffer zunächst geben wollte, ließ sich von seinem Assistenten an der Linie überstimmen. Der wiederum hatte einen Rempler Tunjic’ an VfL-Keeper Norman Baese im Fünfmeterraum gesehen (64.). „Ich bin vor ihm mit dem Kopf am Ball, erst danach berührten wir uns, das war ein klares Tor“, erzählte Tunjic später enttäuscht aber unaufgeregt. Unaufgeregt blieben einige seiner Mitspieler im Anschluss an den aberkannten Treffer keineswegs. Frust beim Gast. Bei Innenverteidiger Jan Rottstedt sogar viel davon: Im hohen Tempo holte er Pinnebergs Rechtsaußen Fabian Knottnerus per Grätsche brutal von den Beinen – der zweite Platzverweis (89.), der die Emotionen überkochen ließ.

Ein zuvor intensives, aber weitgehend faires Derby geriet aus dem Ruder, viel Zorn, inklusive verbaler Entgleisungen einiger Akteure und Verantwortlicher unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf dem Platz.

„Einige Sachen, die uns VfL-Verantwortlichen von zwei HR-Spielern nach der Partie an den Kopf geworfen wurden überschreiten auch die Grenzen eines Derbys“, zeigte sich VfL-Trainer Michael Fischer, der bei seinem Team den letzten Willen zum Torerfolg vermisste, nachdenklich, während sein Pendant Bliemeister zu beschwichtigen versuchte: „Die zweite Rote Karte geschah im Affekt, das Foul war sicher nicht vorsätzlich. Emotionen gehören zu Derbys einfach dazu, deshalb kommen die Fans ins Stadion.“ 450 waren es diesmal.

„Eine tolle Kulisse, leider haben wir den Fans keinen Heimsieg schenken können“, so VfL-Spielmacher Benjamin Brameier, „gegen Teams in Unterzahl tun wir uns in dieser Saison besonders schwer“ – womit auch die zweite, oft bemühte Fußball-Weisheit am gestrigen Sonntag bestätigt wurde.

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