Fußball-Oberliga : Ausgleichende Gerechtigkeit

Er kam, sah und parierte: HR-Keeper Adrian Matthäi schlug auf Anhieb ein.
Er kam, sah und parierte: HR-Keeper Adrian Matthäi schlug auf Anhieb ein.

HR ist sein Torhüterproblem endgültig los, das Spiel des VfL Pinneberg droht auszufallen und Rugenbergen verspricht Spektakel.

shz.de von
08. November 2013, 16:00 Uhr

Sie telefonieren noch immer regelmäßig miteinander. Um sich auszutauschen oder einfach nur nett zu plaudern. Über Privates. Und über Fußball natürlich. Thomas Bliemeister, Trainer des hiesigen Fußball-Oberligisten SV Halstenbek-Rellingen und Ex-Bundesliga-Keeper Claus Reitmaier (u.a. Karlsruher SC, Mönchengladbach) verbindet eine Männerfreundschaft, die so gut ist, dass Reitmaier Bliemeister nach seinem Unfall beim Spiel im Rahmen des „Tags der Legenden“ am Millerntor im September (Nasenbeinbruch) sogar anrief, und ihn darum bat, ihn ins nächstgelegene Krankenhaus zu fahren. Am 20. November sehen sich beide wieder, wenn Bliemeister alle Spieler der HSV-Altliga in Hamburg zur Musical-Premiere von „Phantom der Oper“ einlädt. „Da begehen wir dann unsere Weihnachtsfeier und ich freue mich, Claus wiederzusehen“, sagt er.

Freundschaftlich war auch die Geste, die Reitmaier zeigte, als Bliemeister in der zurückliegenden Spielzeit 2012/13 plötzlich die Torhüter ausgingen. Torwarttalent Maximilian Rohrbach verließ den Verein überraschend kurz vor dem Saisonstart und Stammkeeper André Alves Lopes verletzte sich nach dem achten Spieltag schwer. Ohne zu zögern sprang Reitmaier, damals Torwarttrainer am Lütten Hall, mit 48 Jahren ein – und hielt überragend. Mittlerweile ist Reitmaier Torwarttrainer beim Zweitligisten SC Paderborn – und Bliemeister alle seine Torhüter-Sorgen los.

Noch besser: Er hat drei gleichstarke Keeper in seinem Kader, was den erfahrenen Coach erstmalig in seiner langen Trainerkarriere nun dazu bewog, auf der Torhüterposition zu rotieren. Zwar ist Alves Lopes erneut verletzt (Rippenbruch beim 5:0 gegen SCALA), doch mit Kevin Tittel und Adrian Matthäi stehen HR noch zwei weitere starke Keeper zur Verfügung.

„Beide überzeugen im Training und durch ihre hervorragende Einstellung, deshalb bin ich dazu übergegangen, sie im Wechsel spielen zu lassen“, begründet der HR-Coach.

Als sich der erst 19-jährige Tittel kurz nach der Verletzung von Alves Lopes auf Klassenreise nach Frankreich begab, ließ HR-Manager Detlef Kebbe seine Kontakte spielen und verpflichtete kurzerhand Matthäi, der in Halstenbek wohnt, vereinssuchend war und zuvor beim VfB Oldenburg II zwischen den Pfosten stand. „Das nennt man ausgleichende Gerechtigkeit“, schmunzelt Bliemeister, „in der vergangenen Saison sind uns die Keeper allesamt abhanden gekommen, in dieser hatten wir Riesenglück, dass wir noch zwei gute verpflichten konnten.“ Ein Notruf bei Freund Reitmaier ist also nicht mehr nötig.

Und wer steht morgen (14 Uhr) gegen den Meiendorfer SV im Kasten? „Wir wechseln wieder, also spielt Matthäi“, verrät Bliemeister, der den Gegner bereits fünfmal in der Saison beobachtet hat. „Zu Beginn der Saison denkt man immer, die kriegen keine 13 Spieler zusammen und plötzlich entwickeln sich die vielen Talente zu einer schlagkräftigen Truppe. Sicher ein Verdienst von Trainer Matthias Stuhlmacher. Auf Spieler wie den jungen Franzosen Kevin Trenel, Fabian Facklam oder Felix Rehr müssen wir verflixt aufpassen“, warnt Bliemeister.

VfL will im Rhythmus bleiben
 

Aufpassen muss man auch beim VfL Pinneberg – und zwar, dass es nicht noch weiter regnet und das Spiel am Sonntag gegen den Niendorfer TSV (14 Uhr) ausfallen muss. „Wenn es weiter so gießt, ist das denkbar. Aber wir wollen spielen, da die Euphorie derzeit riesengroß ist“, sagt VfL-Coach Michael Fischer. Am Dienstagabend holte sich der Übungsleiter von seinem Spieler Sascha Richert noch einige taktische Tipps. Richert war in der vergangenen Saison Spieler unter Niendorfs jetzigem Coach Vahid Hashemian bei HR. „Sie haben zusammen mit Dassendorf die beste Abwehr der Liga (nur 11 Gegentore, d. Red.), aber auch den drittschlechtesten Angriff (15), stehen hinten stets kompakt, um dann zu kontern“, weiß Fischer, der auf Thomas Koster (Bänderriss) und Flemming Lüneburg (Hochzeitsfeier der Cousine auf Mallorca) verzichten muss, während Sören Badermann, Christian Dirksen und Flo Holstein wieder zum Team stoßen werden. Beim Niendorfer TSV wird hingegen Außenstürmer Serhat Yapici fehlen (Rotsperre).

Derweil kämpft der SV Rugenbergen nach dem jüngsten 0:4 gegen Buchholz erneut mit seiner Unbeständigkeit. Der SVR ist das einzige Team der Liga, das noch nicht remis gespielt hat (8 Siege, 6 Pleiten). „Entweder gewinnen wir hoch oder wir verlieren hoch, manchmal wäre es vielleicht besser, auch einmal ein Spiel mit einem Remis über die Zeit zu retten, aber wo wir sind, da ist eben Spektakel“, scherzt Coach Ralf Palapies vor dem heutigen Spiel beim Letzten SV Blankenese (19.30 Uhr), wobei er das SVR-Torverhältnis von 31:27 schon als „abenteuerlich“ erachtet. Abenteuerlich wird auch die Ausfahrt des Teams nach dem Spiel in die Niederlanden, wo es einem Spiel des Erstligisten SC Heracles Almelo beiwohnen wird. Dessen Manager ist der ehemalige HSV-Profi Nico-Jan Hoogma, der mit Rugenbergens Manager Andi Lätsch freundschaftlich verbunden ist – fast so wie Bliemeister mit Reitmaier.

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