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Hallenfussball : Aufatmen beim VfL Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Trotz aktueller Futsal-Diskussion: Hallenturnier um den Bert-Meyer-Cup nicht in Gefahr – Zukunft des Hallenmasters hingegen offen

Am Donnerstagabend stecken sie beim Fußball-Oberligisten VfL Pinneberg die Köpfe zusammen. „Das nennt man neu-deutsch Brainstorming“, sagt Manfred Kirsch aus dem Fußball-Vorstand der Pinneberger.

Gemeinsam mit Vorstandskollege Konrad Kosmalla, VfL-Urgestein Roland Lange und vielen Ehrenamtlichen trifft sich Kirsch, um die Nachbereitung des Hallenturniers des VfL, den Bert Meyer-Cup, vorzunehmen, der zu Beginn des Jahres ausgetragen wurde. „Da besprechen wir dann im Team, was gut gelaufen ist und was wir im nächsten Jahr noch verbessern können. Insofern ist diese alljährliche Nachbereitung auch gleichzeitig wieder eine Vorbereitung für das kommende Jahr“, erklärt Kirsch.

Dass die VfL-Verantwortlichen rund um Kirsch überhaupt wieder für das nächste Jahr planen können, ist dabei nicht selbstverständlich. Denn ob es eine weitere Auflage des Turniers (insgesamt die 19.) geben würde, war zuletzt fraglich.

Der Grund: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will schon ab 2016 im Herrenbereich Futsal, den offiziellen Hallenfußball des Weltverbandes FIFA, mit seinen eigenen Regeln (u.  a. kleinerer, schwererer Ball; keine Banden; Handballtore) als offizielle Hallensportart spielen lassen. Seine Landesverbände, so auch der Hamburger Fußball-Verband (HFV), dürfen dann nur noch Futsal-Turniere in der Halle austragen lassen. „Da wir auch den Bert Meyer-Cup, die inoffizielle Kreis-Hallenmeisterschaft mit 28 teilnehmenden Teams, beim Verband offiziell anmelden und der Verband uns für das Turnier die Schiedsrichter stellt, mussten wir also annehmen, dass wir den Bert Meyer-Cup ab 2016 auch nach Futsal-Regeln hätten austragen lassen müssen, das wäre aber nicht durchführbar gewesen“, sagt Kirsch deutlich. Denn: Die Futsal-Regeln seien nicht allen unterklassigen Spielern bekannt, die Halle in Pinneberg hätte nach Futsal-Regeln umgebaut werden müssen – zu teuer. Schon im Vorfeld der letzten Auflage hatte der Verein erhebliche Mehrkosten durch Sicherheitsauflagen des Ordnungsamtes Pinneberg verkraften müssen, u.  a. mussten die Banden mit Türen als Fluchtwege versehen werden.

„Als Problem hätten wir auch die Futsal-Spielzeit gesehen. Da soll zweimal 20 Minuten pro Spiel gespielt werden. Beim Hallenfußball werden pro Spiel aber in der Regel zehn bis fünfzehn Minuten angesetzt. Spielen Sie mal ein Turnier mit 28 Teams, bei dem eine Partie 40 Minuten dauert, das geht gar nicht, da würden wir eine Woche lang durchspielen“, stellt Kirsch klar.

Alternativ hätte der VfL das Turnier ohne Anmeldung beim Verband laufen lassen können. „Aber das wäre mit einem hohen Risiko behaftet gewesen, da dann kein Versicherungsschutz für die Spieler über den Verband bestanden hätte“, erklärt Kirsch, der seit Jahresbeginn alle Szenarien durchgespielt hat. „Auch eines, in dem der Bert Meyer-Cup nicht mehr hätte stattfinden können“, gibt er zu.

Doch seit Wochenbeginn können Kirsch und seine Mitstreiter aufatmen. Denn: Verbandssprecher Carsten Byernetzki stellte erstmals klar: „Die Futsal-Regel betrifft nur die Turniere, die vom Verband selbst ausgetragen werden, etwa die Hallenmeisterschaft, nicht aber alle Turniere, die beim Verband offiziell angemeldet werden. Die können weiterhin so ausgetragen werden, wie es die Vereine wollen.“

Heißt: Der Bert Meyer-Cup kann auch in 2016 in seiner traditionellen Form – also nach Hallenfußballregeln – stattfinden. Stellt sich für den VfL aktuell nur die Frage, ob er an einer Verbands-Hallenmeisterschaft teilnehmen würde, die nach Futsal-Regeln ausgetragen wird (Voraussetzung: die Qualifikation)? „Jein“, sagt Kirsch, „wir sind noch unentschieden, allerdings mit der Tendenz, dann abzusagen.“ Mit seiner Haltung ist der VfL nicht alleine – das ergab eine Umfrage des Verbandes unter allen seinen 18 Oberligisten, die er jüngst startete. Fünf Klubs sind – wie der VfL – unentschieden, ganze zehn (darunter auch der aktuelle Hallenmeister SV Rugenbergen und die SV Halstenbek-Rellingen) würden erst gar nicht an einer Hallenmeisterschaft unter Futsal-Regeln teilnehmen. Eine Lösung könnte es sein, eine private Agentur das Masters anstelle des Verbandes austragen zu lassen (wie etwa in Schleswig-Holstein). „Die Zukunft des Hallenmasters ist also offen“, sagt Byernetzki deutlich und ergänzt: „Wir sind momentan noch in der Entscheidungsphase. Es geht uns keineswegs darum, dass wir Futsal generell ablehnen. Ganz im Gegenteil, wir vom HFV fördern den Futsal in der Jugend und stellen den aktuellen Norddeutschen Meister. Aber solange die Vereine weiter in ihrer Mehrzahl nach den herkömmlichen Hallenfußballregeln spielen wollen, muss man auch als Verband abwägen, ob ein Futsal-Zwang Sinn ergibt oder ob es sinnvoller ist, dass sich Futsal aus der Jugend heraus entwickelt, bis er sich gegebenenfalls in der Zukunft von selbst als offizielle Hallensportart etabliert.“

Der Bert Meyer-Cup in Pinneberg kann also wie gewohnt stattfinden, die Zukunft des Hallenmasters in seiner bisherigen Form ist jedoch offen.  

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erstellt am 12.Feb.2015 | 16:00 Uhr

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