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Dichter am Ball : Arbeitsdienst – wenn der Dackel Mumps hat

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Fast so beliebt wie die Steuererklärung unter Zeitdruck, das Fußnägel schneiden des Partners am Frühstückstisch oder nachts bei Regen mit dem Köter zum Abkoten raus zu müssen, ist die Teilnahme an notwendigen Arbeitsdiensten beim Sportverein. Das selbstlose Opfern von Freizeit für tatkräftigen Körpereinsatz bei ungeliebten Maßnahmen wie Platzarbeiten, Aufräumen oder Reparieren von Dingen rangiert in Sachen Zuspruch noch unter dem freiwilligen Anstecken mit Grippeviren oder sich mit der Dachlatte selbst eine zu zimmern.

Als verantwortlicher Spartenleiter oder Vereinspräsident kann man machen was man will – es passt dem Fußvolk zeitlich einfach nie. Egal ob man Arbeitsdienste spontan für den nächsten Vormittag anberaumt oder langfristig ein halbes Jahr im Voraus ansetzt – keiner hat Zeit. Stets fallen Arbeitsdienste auffallend oft mit runden Geburtstagen im engsten Familienkreis, lang geplanten Krankenbesuchen in entfernten Städten und Gemeinden und unaufschiebbaren Fahrten zu IKEA mit der Frau oder Freundin zusammen. Manchmal sind auch unvermittelt die Kinder krank und müssen beaufsichtigt werden, der Dackel hat Mumps oder der Abwesenheitsgrund ist die lang geplante Reinigung der Dachrinne vom Vogelhäuschen oder das ebenso dringende Abseifen der Waschbetonplatten vor der Garage verlangt die unbedingte Anwesenheit zu Hause. Manche sagen auch, sie müssten zur Arbeit. Tja, ich weiß nicht. Was ist denn nun bitte wichtiger?

Es ist also fast so wie beim Umzug. Die paar Volllinkshänder und Allround-Laien, die man da hat, sehen nicht mal ansatzweise, was zu tun ist und fragen stets Enddämliches wie „Was soll ich jetzt machen?“, „Soll das hier etwa auch mit?“ oder sagen „Wieso, ist doch schon alles fertig hier.  .  .  “ Solche Scheiterhaufen, die nicht wissen, wo beim Besen unten ist, sind nicht einmal zum Holen oder Festhalten zu gebrauchen.

Nicht nur auf dem Fußballplatz, im Grunde überall, wo es eine Sportanlage zu pflegen gilt, irgendetwas in Schuss oder einfach sauber zu halten, sind Arbeitsdienste schon aus reiner Tradition schlecht besucht. Und die Leute, die eine Dreiviertelstunde nach der Zeit und mit den Händen in den Hosentaschen, tatsächlich angeschissen kommen, sind dann selten wirkliche Hilfe. Es sei denn, man braucht unbedingt noch einen, der im Weg steht.

So, morgen hab ich selber Arbeitsdienst. Ich geh aber nicht hin, ich hab nämlich keine Lust.

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