Vranjes plaudert aus der Schule

Illustre Runde: SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke, Kim Koltermann (Friedrichstädter Rudergesellschaft), Moderator Gerd Nielsen, CJ Schmidt-Geschäftsführer Peter Cohrs, Olaf Rogge und Ljubomir Vranjes (von links). Foto: usc
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Illustre Runde: SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke, Kim Koltermann (Friedrichstädter Rudergesellschaft), Moderator Gerd Nielsen, CJ Schmidt-Geschäftsführer Peter Cohrs, Olaf Rogge und Ljubomir Vranjes (von links). Foto: usc

Podiumsdiskussion: Trainer der SG Flensburg-Handewitt fordert von talentierten Jugendlichen mehr Trainingseifer

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09. März 2013, 03:59 Uhr

husum | "Vom Talent zum Spitzensportler" - so das Thema einer spannenden Gesprächsrunde in Husum, initiiert von der CJ Schmidt Jugendsportstiftung Nordfriesland (Juspo). Ljubomir Vranjes, Trainer der Bundesliga-Handballer der SG Flensburg-Handewitt, hielt zunächst einen Impulsvortrag.

Einstellung, Wille, harte Arbeit - das sind für den Schweden die entscheidenden Kriterien, um den Traum vom Profisport zu erfüllen. Er berichtete aus seiner eigenen Karriere, vom Glück und Pech mit Trainern, und seiner persönlichen Entwicklung. "Ich komme aus einem Problemviertel, habe gelernt, zu kämpfen", sagte er. Bei Wind und Wetter habe er auf der Straße mit einem Fuß- oder Tennisball gespielt. Als 16-Jähriger habe er frühmorgens Krafttraining gemacht, nach der Schule gelaufen und abends habe sich das Handball-Training angeschlossen.

Sein Talent sei erkannt und gefördert worden, auch heute als Trainer eines Profi-Teams wolle er auf junge Leute setzen. Geschenkt bekämen Talente aber nichts: "Ich werde nie einem Spieler was gratis geben. Er muss was zeigen." Er wolle junge Leute an die Hand nehmen, ihnen den "roten Faden" zeigen. Seiner Meinung nach trainierten Jugendliche heutzutage zu wenig. Vranjes provokant: "Es gibt viel zu wenige, die physisch bereit sind, in der 1. Liga zu spielen."

10 000 Stunden müsse man investieren, um an die Spitze zu kommen - das gelte sowohl für Sportler als auch für Menschen, die im Beruf erfolgreich sein wollten. Er nannte Apple-Gründer Steve Jobs und die Beatles als Beispiel. "In England hatten sie keine Chance, in Hamburg mussten sie jeden Abend alles geben."

Können talentierte Sportler in Zeiten der Ganztagsschule überhaupt mehr trainieren? Das war das Hauptthema der sich anschließenden Podiumsdiskussion. "Wir sind angehalten, uns was zu überlegen", sagte Olaf Rogge, Trainer der Handball-Frauen des Bredstedter TSV. Fehlende Übungsleiter, sinkende Sportförderung - nicht nur für Kim Koltermann, Vorsitzender der Friedrichstädter Rudergesellschaft, ein Problem. In Skandinavien gäbe es spezielle Sportschulen. "Aber leider sind wir in Deutschland", warf Rogge ein.

Sollte man Talente ins Ausland schicken, um ihnen bessere Förderung angedeihen zu lassen? Vranjes Antwort war klar: "Nein, das können wir selber machen." Aber wie? Das sei regional sehr schwer zu bewerkstelligen, so der Schwede. Für seine Forderung, das Schulsystem zu ändern, gab es Applaus aus dem Publikum.

"Wie bekommen Sie Talente ins Boot?" wollte Moderator Gerd Nielsen wissen. "Wir müssen in die Schulen", antworte Kim Koltermann, dessen Verein Ruder-Weltmeister und Olympiateilnehmer hervorgebracht hat. Harte Arbeit - das würde Lars Hartig, bei den Spielen 2012 in London Sechster im Doppelzweier, beherzigen. "Wenn er auf dem Ergometer sitzt, rudert er bis zur totalen Erschöpfung", wusste Koltermann zu berichten. Aber auch die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Hartig, derzeit Sportsoldat, habe das Glück gehabt, mit CJ Schmidt - dabei blickte Koltermann zu Geschäftsführer Peter Cohrs - einen Arbeitgeber mit viel Verständnis für sportliche Belange gehabt zu haben.

Sichtung, Stützpunkte, ausgebildete Sportlehrer an jeder Schule - weitere Themen einer spannenden Veranstaltung, die viele Denkanstöße gab und zu einer Wiederholung einlädt.

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