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DHB-Bundesgericht bestätigt: HSG Nord-NF muss in die Landesliga : Urteil mit fadem Beigeschmack

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Gang durch alle sportrechtlichen Instanzen blieb erfolglos. Das Bundesgericht des Deutschen Handball-Bundes bestätigte den Punktabzug für die HSG Nord-NF, die damit in der neuen Serie statt in der SH-Liga nun in der Landesliga Nord spielen muss.

Es bleibt dabei. Die HSG Nord-NF muss in der Handball-Saison 2015/16 in der Landesliga Nord der Männer spielen. Das Bundesgericht des Deutschen Handball-Bundes (DHB) hat in letzter Instanz den Einspruch der Nordfriesen gegen einen Punktabzug von zehn Zählern wegen des fehlenden Doppelspielrechts für den A-Jugendlichen Patrick Jensen aus der vergangenen Spielzeit abgewiesen und damit den Abstieg aus der SH-Liga bestätigt.

Was war geschehen? In ihre Personalplanung für die Saison 2014/15 der SH-Liga hatte die HSG vier A-Jugendliche einbezogen und für sie bei der spielleitenden Stelle Doppelspielrecht beantragt. Für drei der vier Spieler wurde dem Antrag entsprochen und im Spielerpass ein entsprechender Vermerk eingetragen. Für den vierten, Patrick Jensen, fehlte jedoch der Freigabevermerk im Pass. Der Antrag für ihn galt als „nicht gestellt“, weil im Antragsformular das Häkchen in dem entsprechenden Kästchen gefehlt hatte. Aus Versehen, wie sich ergab. Der junge Däne kam in fünf (gewonnenen) Spielen zum Einsatz, ohne formell spielberechtigt zu sein. Der fehlende Vermerk war niemandem gleich aufgefallen – weder den Verantwortlichen der HSG noch den Schiedsrichtern, die das beim Vergleich des Eintrags im Spielbericht mit dem im Spielerpass hätten bemerken müssen. Und auch nicht der spielleitenden Stelle. Nur die HSG Tarp-Wanderup war beim Geburtsjahr 1997 stutzig geworden. Sie ersuchte die spielleitende Stelle um Überprüfung. Diese wertete die fünf gewonnenen Spiele um, die HSG bekam zehn Punkte abgezogen und musste in die Landesliga.

Bei näherer Betrachtung dieses Vorfalls wird deutlich: Bei Beachtung einfachster Regeln hätte er für die HSG nicht so eklatante Folgen angenommen. Und bei früherer Entdeckung wäre die Sache durch einen Anruf ohne größeren Schaden aus der Welt zu schaffen gewesen. Rechtsanwalt Dr. Klaus-Günter Otzen, juristischer Beistand der HSG in diesem Fall und früher selbst Handballer, ist in höchstem Maße deprimiert. „Das sind Fälle, in denen ich meinen Beruf ätzend finde. Auch bei den Sportgerichten ist man offensichtlich wie auf hoher See in Gottes Hand“, sagt der Jurist und fügt sarkastisch hinzu: „Vereine sollen im Falle von ihnen entdeckter Verstöße die spielleitende Stelle nicht sofort, sondern erst gegen Ende der Saison verständigen. Dann kann man die gesamte Saison am grünen Tisch auf den Kopf stellen.“

Die HSG legte gegen den Bescheid ein, den die nächsthöhere Instanz, das Verbandsgericht, jedoch zurückwies. Die HSG beantragte beim DHB-Bundesgericht eine Revision. Das befand aber: „Die Revision hat keinen Erfolg. Sie ist unbegründet.“

Die Entscheidungsgründe des DHB-Bundesgerichts enthalten für den Bredstedter Rechtsanwalt einige Merkwürdigkeiten und sind für ihn nicht nachvollziehbar. Dr. Otzen argwöhnt, dass der DHB spielleitende Stellen stärken und Prozesse verhindern möchte.

• Auf das Ersuchen der HSG, zwischen ihren Fehlern und denen der Passstelle abzuwägen, erfolgte keine Reaktion des Bundesgerichts.

• Das Gericht sagt, der Antrag sei zwar gestellt, nicht aber der Doppelspielrecht, weil das ominöse Häkchen nicht angekreuzt wurde – statt der HSG einen Fehler zuzugestehen, was durchaus mal passieren kann.

• Zudem sagt das Gericht, die Passstelle habe nicht davon ausgehen müssen, dass trotz des fehlenden Häkchens das Doppelspielrecht beantragt werde. Und es sagt auch, die Passstelle sei nicht verpflichtet gewesen nachzufragen.

• Außerdem seien Spielberichte nur zu prüfen, wenn sich aus ihnen offensichtliche Vergehen ergeben – wobei das Gericht den Begriff „offensichtlich“ nicht verständlich eingrenzt. Ein Schiri habe nur die Identität des Spielers zu prüfen, nicht dessen Spielberechtigung.

• In diesem Fall kommt das Bundesgericht zu dem Schluss: Der HSG hätte auffallen müssen, dass die beantragte Doppelspielberechtigung im Pass nicht eingetragen war.

Womit man wieder am Anfang der leidigen Geschichte ist, deren Folgen einzig und allein auf die Schusseligkeit des Antragstellers zurückzuführen ist. Einfach ausgedrückt: Die HSG hat etwas beantragt, dabei aber vergessen zu sagen, was sie beantragt. „So etwas ist mir in meiner 30-jährigen Tätigkeit als Männerspielwart noch nicht untergekommen“, sagt Wilfried Tetens. Er bedauert die Konsequenzen für die HSG und regt an, solche Anträge künftig schriftlich zu formulieren statt nur mit einem Häkchen. Hans-Peter Feddersen, Vorsitzender des MTV Leck, sieht die Schiedsrichter in der Pflicht einer Überprüfung der Spielberichte und Spielerpässe. Was hier passiert sei, habe mit sportlicher Fairness nichts zu tun. Das Ganze sei beschämend – und nichts anderes als „Korinthen-Kackerei“.

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erstellt am 26.Aug.2015 | 06:00 Uhr

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