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grundgesetz kontra spielordnung : Punktabzug: Ein Fall für die Juristen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Fußball-Verbandsligist SV Frisia 03 Risum-Lindholm hat die Punkte wegen zu weniger Schiedsrichter zurück bekommen. Jetzt befassen sich die Juristen mit dem Fall. Paragraph 9 der SHFV-Spielordnung wird überprüft

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2013 | 07:30 Uhr

Die erste Herrenmannschaft des Fußball-Verbandsligisten SV Frisia 03 Risum-Lindholm hat die zu Saisonbeginn abgezogenen drei Punkte wieder (wir berichteten). Daran wird sich auch nichts ändern, weil das Urteil des Kreisgerichts, das sich mit der Beschwerde des Vereins befasste, „unanfechtbar“ ist, so der Schlusssatz des vom Vorsitzenden Herbert Christiansen (Husum) unterzeichneten Schreibens. Das freut Frisia – doch ausgestanden ist das Ganze noch nicht. Denn die Urteilsbegründung wirft grundsätzliche Fragen auf, die weit über den Rahmen der Spielordnung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes hinausgehen.

Dazu heißt es im Urteil: „Die Regelung des Paragraphen 9 Ziffer 2 d) letzter Absatz der Spielordnung, wonach bei gleicher Spielklasse der höchsten Frauen- und Herrenmannschaft der Punktabzug zu Lasten der Herrenmannschaft erfolgt, verstößt gegen das Diskriminierungsverbot des Artikels 3 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz (GG).“

In besagtem Spielordnungs-Paragraphen ist festgelegt, dass der Herren-Mannschaft im Fall einer nicht ausreichenden Anzahl von Schiedsrichtern die Punkte abgezogen werden, wenn der Verein in der betreffenden Spielklasse (hier der Verbandsliga) sowohl eine Herren- als auch eine Frauenmannschaft gemeldet hat. Frisias Frauen sind derzeit Tabellenführer der Verbandsliga Nord.

Kurz gefasst: Das Grundgesetz (GG) steht über der SHFV-Spielordnung. Und in Artikel 3 heißt es, dass Männer und Frauen gleich sind und niemand wegen seines Geschlechtes benachteiligt werden darf. Und deshalb stellt das Kreisgericht fest: „Paragraph 9 Ziffer 2 d) letzter Absatz der Spielordnung verstößt gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung von Mann und Frau, ohne dass hierfür eine sachliche Rechtfertigung ersichtlich ist.“ Von „(indirektem) Eingriff in das geschlechterspezifische Diskriminierungsverbot“ ist die Rede.

Jetzt sind die Juristen am Zug. „Das Präsidium hat das Verbandsgericht um ein Rechtsgutachten gebeten“, sagte SHFV-Geschäftsführer Jörn Felchner unserer Zeitung. Möglicherweise muss der Paragraph 9 der Spielordnung geändert werden.

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