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Leichtathletik : Der lange Kampf gegen Wind und Regen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die deutschen Meisterschaften im 100-km-Lauf in Husum waren ein voller Erfolg. Alle Nordlichter erreichten das Ziel, und Inge Brandts vom MTV Leck wurde deutsche Meisterin

Es war eine schwierige Aufgabe, und die äußeren Bedingungen machten daraus eine superharte Angelegenheit. Wer in Husum bei den deutschen Meisterschaften im 100-km-Lauf das Ziel erreichte, der hat es in den Kreis der körperlich und mental härtesten Ultraläufer geschafft. Mehr als 80 Athleten aus ganz Deutschland starteten am Husumer Dockkoog, um auf der längsten offiziellen Straßenlauf-Distanz ihre Meister zu ermitteln.

Insgesamt 20 Mal galt es, einen 5 km langen Pendelkurs am Nordseedeich zu absolvieren. Der Kampf gegen Müdigkeit, Monotonie, größere oder kleinere Wehwehchen in den arg strapazierten Beinen wurde bei den Titelkämpfen am Deich noch gewürzt durch einen heftigen Westwind, der insbesondere die Gäste aus den südlichen Bundesländern forderte. Jene Athleten, die länger als zehn Stunden für die gigantische Distanz benötigten, mussten in den letzten Stunden ihres langen Weges auch noch mit Dauerregen kämpfen. „Die Wetterverhältnisse können wir nicht beeinflussen, aber insgesamt sind wir mit dem Ablauf und den Rückmeldungen der Teilnehmer dennoch zufrieden“, resümierte Organisator Kai-Uwe Schmidt, der mit seinem Helferteam von der LAV Husum den weit gereisten Aktiven und auch den Zuschauern gern ein gemütlicheres Ambiente geboten hätte.

Der sportlichen Klasse am Deich taten die rauen Bedingungen keinen Abbruch. Mit imposanten Leistungen bestachen die beiden Gesamtsieger. Pamela Veith vom TSV Kusterdingen lief in beeindruckender Gleichmäßigkeit und erreichte nach 8:15:09 Stunden als schnellste Frau das Ziel. Barbara Mallmann (8:32:28 Std./Laufarena Allgäu) und Simone Stöppler (8:51:31 Std./SSC Hanau-Rodenbach) komplettierten das Podium.

Bei den Männern war es einer der jüngsten Starter, der am Ende mit fast noch jugendlicher Energie den Konkurrenten davon lief. Der 27-jährige Adam Zahoran von der LG Würzburg lief fast 75 km in einer vierköpfigen Führungsgruppe, ehe nach der ersten Tempoverschärfung der neunfache Meister Michael Sommer zurück fiel und das verbleibende Trio den Titelkampf unter sich auszumachen schien. Doch gerade die letzten 20 Kilometer eines 100-km-Laufs sind auch für die Asse der Ultralaufszene nicht kalkulierbar. Auch die Titelkämpfe in Husum zeigten, dass aus dem Spitzentrio nur Zahoran seine Kräfte richtig eingeschätzt hatte. Jan-Hendrik Hans verließen nur wenige Kilometer nach der Verschärfung die Kräfte, und der Wettenberger stieg aus. Tobias Hegmann (Kleinostheim) hatte auf den letzten Kilometern große Probleme, biss sich aber in 7:31:28 Stunden als Dritter ins Ziel.

Von den Schwierigkeiten der jüngeren Konkurrenten profitierte der deutsche Rekordmeister Michael Sommer als „lachender Zweiter“ in 7:15:56 Stunden. Der 50-Jährige hatte bei der Tempoverschärfung auf seine Routine gehört. „Ich wusste, dass ich nur eine Chance habe, wenn ich bei meinem Tempo bleibe und abwarte, was vorne passierte“, erklärte der erfahrene Schwabe seine Zurückhaltung, die am Ende belohnt wurde. Mit seinem zweiten Platz verfehlte er zwar den zehnten Titelgewinn, hielt aber auch bei der 20. Meisterschaftsteilnahme die Serie, stets in die Medaillenränge der Gesamtwertung zu laufen.

Die größte Freude herrschte beim neuen deutschen Meister Adam Zahoran, der nach 7:09:03 Stunden förmlich über die Ziellinie stürmte. Auch auf den letzten Runden war dem Würzburger nicht anzusehen, dass er schon so viele Kilometer in den Beinen hatte. Mit kraftvollen Schritten rannte er Runde um Runde dem Ziel entgegen, wusste innerlich stets aber auch um die Unwägbarkeiten der Ultradistanz. „Es lief zwar gut, aber ein Krampf kann ganz plötzlich kommen. Richtig sicher war ich erst 200 Meter vor dem Ziel“, sagte der neue Meister, der schon in frühen Jahren mit dem Ultralauf begann und nun für ein Novum in der deutschen Ultralaufszene sorgte. Vor fünf Jahren war Zahoran bereits in seiner ungarischen Heimat Meister geworden. Nun gewann der Diplom-Geologe zwei Jahre nach seinem Umzug nach Deutschland erstmals den DLV-Titel.

Ähnlich glücklich wie der neue Meister waren am Ende auch die drei nordfriesischen Starter, die nach einem langen Tag mit ganz unterschiedlichen Emotionen alle glücklich das Ziel erreichten. Inge Brandts vom MTV Leck knüpfte da an, wo sie vor 13 Jahren aufgehört hatte, als sie in Neuwittenbek als deutsche Altersklassenmeisterin der W 45 den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert hatte. Runde um Runde sammelte die 60-jährige Leckerin nun am Deich ihre Kilometer und lief schließlich nach 10:15:41 Stunden als beste Schleswig-Holsteinerin und neue deutsche Meisterin der Klasse W 60 ins Ziel. „Zum Schluss war es schon happig. Nochmal mitgemacht habe ich nur, weil die Meisterschaften direkt vor der Tür waren“, erklärte die Dauerläuferin aus Südtondern.

Albert Bölke vom SV Enge-Sande präsentierte sich zehn Stunden lang als Gute-Laune-Garant und ließ sich auch auf den letzten Runden keinerlei Anstrengung ansehen. Zwei Wochen nach seiner erfolgreichen Teilnahme am 216 km langen Hexenstieg-Ultralauf schien der „Hunderter“ von Husum nur ein lockeres Auslaufen für den 55-jährigen vom SV Enge-Sande. „Ich bin ganz locker durchgelaufen“, grinste Bölke, kurz nachdem er nach 10:04:13 Stunden als Gesamt-40. (5. M 55) und drittbester Schleswig-Holsteiner den Zielstrich am Dockkoog überquert hatte.

Nicht ganz so leicht fiel der Lauf Jens-Uwe Gilgen vom MTV Leck. Der 51-jährige Triathlet brachte zwar die Erfahrungen von sechs Triathlon-Langdistanzen und zahlreichen Radmarathons mit, bekam aber zu spüren, dass der 100-km-Lauf eigene Anforderungen hat. „So wie hier bin ich noch bei keinem IronMan eingegangen“, stöhnte Gilgen, ließ aber trotz zahlreicher Gehpausen nie Zweifel an seinem Durchhaltewillen aufkommen und „finishte“ nach immer noch respektablen 11:24:10 Stunden.

In den Rahmenwettbewerben gab es weitere nordfriesische Gewinner. Über die 42,195 km lange Marathondistanz gewann Monika Schulze vom TSV Ladelund in 4:03:18 Stunden die Frauen-Gesamtwertung. Beim 10-x-10-km-Staffellauf rannten die Friesenbiker nach 7:45:11 Stunden als schnellste Staffel ins Ziel. In einem spannenden Zweikampf mit dem Borener SV retteten die laufenden Radsportfreunde aus Nordfriesland einen Vorsprung von 22 Sekunden über die Ziellinie.

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