Fußball-Landesliga : „Wir wollen den Ball flach halten“

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07. Juni 2018, 04:39 Uhr

Nur einmal in sieben Jahren in der Fußball-Verbandsliga Süd-West seit der Saison 2009/10 und einmal in der SH-Liga-Saison 2015/16 war der FC Reher/Puls schlechter platziert, als im beendeten Spieljahr der Landesliga Holstein. Immerhin: Als Achter mit 40 Punkten auf dem Konto schließt der FC das Spieljahr als bester Steinburger Vertreter ab – trotz vier Niederlagen in Folge im Monat Mai und acht Zählern weniger in der zweiten Saisonhälfte als in der Hinrunde.

Im Interview zieht Trainer Carsten Hinrichsen (49) eine Bilanz, bewertet den personellen Engpass gegen Ende der Serie und wagt einen Ausblick in die Zukunft.


Herr Hinrichsen, wie fällt Ihr Saisonfazit aus ?
Vor der Saison war die Landesliga mit den Lübecker Vereinen Neuland für uns. Grundsätzlich galten diese Teams als spielstärker. Mir war klar, dass es schwer wird für uns zu bestehen. Letztlich war das Bestreben groß, gegen Teams aus unserem Kreis die nötigen Punkte zu holen, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Das Ziel, im gesicherten Mittelfeld zu landen, haben wir mit Platz acht erreicht. Wir hatten einen sehr guten Start und haben uns über die ganze Saison kontinuierlich im Mittelfeld bewegt.


Zuletzt waren die Leistungen im Monat Mai mit vier Niederlagen in Folge holprig und die Personallage sehr eng. Worauf führen Sie das zurück ?
Wir mussten teilweise auf 12, 13 Spieler aus unserem Kader verzichten. Durch die vielen Nachholspiele, die Feiertage und Ausfälle wegen Urlaub, Verletzung oder Arbeit sind wir schon auf dem „Zahnfleisch gekrochen“. Aber die jungen Leute aus der A-Jugend, der zweiten oder dritten Mannschaft, die in die Bresche sprangen, haben das toll gemacht. Die Niederlagen gegen Reinfeld oder Eichede II waren ja keine Klatschen. Wir haben da nur knapp verloren, und die Niederlagen waren nicht verwunderlich. Aber die Leistungen der Spieler, die aufgelaufen sind, waren okay. Die Jungs haben ihre Chance bekommen, sich zu bewähren, und ich habe Erkenntnisse gewonnen, die für die Zukunft weiterhelfen.


Mehrfach musste Christoph Rohweder als etatmäßiger Torhüter im Feld spielen.
Wenn der Kader so stark zusammenschmilzt, ist klar, dass wir irgendetwas aufbieten müssen. Was für uns überhaupt nicht in Frage kam, war Spiele absagen, weil wir nicht unseren besten Kader beisammen haben. Es war dann eine schwierige Aufgabe für unser Trainerteam, dafür zu sorgen, dass wir elf, zwölf Spieler an den Start bekommen.

Bei der Vielzahl an Nachholspielen an den Feiertagen muss man – wir sind schließlich keine Profis – auch mal akzeptieren, dass die Familien ihre Ansprüche anmelden.


Durch die knappe Personaldecke kamen in den letzten Wochen Spieler aus der zweiten Mannschaft zum Einsatz. Gibt es Perspektivspieler, die in Zukunft für die erste Mannschaft in Frage kommen ?
Das muss sich jetzt zeigen. Wie gesagt, wir haben unsere Erkenntnisse gewonnen. Janick Vehrs aus der A-Jugend hat in Kisdorf zuletzt einen längeren Einsatz gehabt. Zuvor hatte er gegen Eichede schon mal 90 Minuten gespielt. Er hat gute Ansätze für einen 18-jährigen gezeigt. Aber auch Philipp Wulff hatte regelmäßig Einsätze. Auch er hat seine Sache sehr gut gemacht. Wir haben in der Hinterhand sechs A-Jugendliche, die im Sommer in den Herrenbereich wechseln. Diese Nachwuchsspieler wollen wir weiter heranführen und ausbilden. Dann kommen Steffen Maas und Jelto Hoffmann aus Australien zurück. Beides noch sehr junge Spieler, die die Kaderbreite bei uns auf jeden Fall verbessern können.


Durchgesickert ist inzwischen, dass Mirco Göttsche und Joshua Seider vom VfL Kellinghusen zum FC wechseln. Zwei interessante, erfahrene Akteure.
Auf jeden Fall. Mirco ist ja auch Kapitän beim VfL gewesen. Er ist mit Spielern aus unserem Kader befreundet. Er wollte weiterhin Landesliga spielen und gemeinsam mit Timo und Andre Albers die Fußballschuhe schnüren. Für uns ist es natürlich gut, dass er als Kellinghusener Urgestein noch mal was anderes vorhatte und den Weg zu uns gefunden hat. Ich wollte ihn schon länger haben. Was Joshua Seider kann, das weiß jeder. Allein mit seiner Torjägerqualität und seiner Art, Fußball zu spielen. Vor dem gegnerischen Tor bringt er alles mit, was ein Stürmer braucht. Auch ihn wollten wir schon länger haben.


Gibt es weitere Neuzugänge für die kommende Saison?
Der dritte Neuzugang, der perfekt ist, ist Thieß Michaelis, 27-jähriger Mittelfeldspieler vom Verbandsligisten TuS Bargstedt. Weitere Gespräche laufen. Es kann sein, dass noch der eine oder andere weitere Spieler hinzukommen wird.

Der achte Platz in diesem Jahr ist erstmal gemessen am Saisonverlauf ein akzeptables Ergebnis. Aber für die Zukunft hat der FC doch sicher einen höheren Anspruch – oder?
Man muss die Saison immer wieder aufs Neue angehen. Es kann ja sein, dass wir in der nächsten Saison in der Nordstaffel spielen, dann gilt das Gleiche wie jetzt. Da können wir das Leistungsvermögen vieler Teams auch nicht einschätzen. Wir wollen den Ball flach halten, mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Erst wenn das erreicht ist und wir noch viele Spiele vor uns haben, setzen wir uns neue Ziele.


Wo möchten Sie ab August mit Ihrer Mannschaft denn lieber spielen: Landesliga Holstein oder Schleswig?
In der Landesliga Holstein hätten wir den Vorteil, die meisten Gegner schon zu kennen. Auf der anderen Seite hätten wir in der anderen Staffel kurze Auswärts-Fahrten (Jevenstedt, Büdelsdorf, Osterrönfeld) und mögliche Derbys vielleicht sogar mit 500 Zuschauern gegen Hohenwestedt. Das wäre auch mal interessant. Wirtschaftlich wäre die Landesliga Schleswig wahrscheinlich für uns die bessere Klasse. Aber wie gesagt, beide Ligen haben Vor- und Nachteile. Unterm Strich muss man es so hinnehmen, wie es entschieden wird.



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