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Nur kurze Pause zu Weihnachten : „Wir machen so weiter wie bisher“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Interview mit Deutschlands Tennis-Trainer des Jahres Torben Beltz aus Itzehoe

von
erstellt am 24.Dez.2016 | 05:00 Uhr

Für die Familie bleibt nicht viel Zeit, doch Weihnachten feiert auch Marathon-Mann Torben Beltz natürlich zu Hause. Es ist aber nur eine kurze Stippvisite des Tennis-Erfolgstrainers in seiner Heimatstadt Itzehoe. Denn der 40-Jährige befindet sich mit der Weltranglisten-Ersten Angelique Kerber nach kurzen Urlaubswochen schon wieder im Aufbau-Training. Schließlich soll die nächste Saison ähnlich erfolgreich verlaufen wie die vergangene. Im Gespräch mit unseren Redakteuren Reiner Stöter und Michael Lemm gibt Beltz unter anderem Auskunft über seine ganz persönlichen Highlights des Jahres, die Hilflosigkeit eines Trainers während des Matches und seine persönlichen Weihnachts-Pläne.

Was waren für Sie persönlich die Highlights in diesem aufregenden Tennis-Jahr?
Wir hatten sehr viele Highlights in diesem Jahr. Das ging los in Australien. Der Sieg in Melbourne war für Angie wichtig, aber auch für das ganze Team. Dort hat sie Selbstvertrauen getankt für das gesamte Jahr. Gerade nach der ersten Runde, wo sie schon Matchball gegen sich hatte und dann im Finale gegen Serena Williams, die bis dahin als unschlagbar galt. Es kamen natürlich noch mehr dazu wie das Wimbledon-Finale, der Sieg bei den US-Open. Den Grand-Slam dort zu bestätigen war was ganz Großes. Für mich persönlich waren auch die Olympischen Spiele in Rio eine ganz große Sache, weil ich mir dort nicht nur Tennis, sondern auch viele andere Sportarten angeschaut habe. Turnen hat mich zum Beispiel sehr beeindruckt, das sind ganz tolle Athleten. Ein super Erlebnis war auch der Auftritt von Schwimmer Michael Phelps. Auch Tischtennis und Basketball habe ich mir angeschaut. Ich habe zwar nicht im Olympischen Dorf gewohnt, konnte aber jederzeit dort rein.


Sie sind vom Deutschen Tennisbund als Trainer des Jahres geehrt worden. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Es war für mich ein tolles Erlebnis, dass meine Arbeit als Trainer so nachdrücklich gewürdigt wurde. Das waren schöne Tage in Frankfurt. Ich hatte meine Kinder dabei und wir haben gemeinsam auch ein bisschen was von Frankfurt kennengelernt. Da habe ich auch viele alte Bekannte wie Frank Intert und andere Tennis-Funktionäre aus Schleswig-Holstein wiedergetroffen.


Arbeitet ihr gemeinsam eine Matchtaktik aus, oder entwickelt Angelique Kerber allein ihren Plan für das Spiel?
Es ist schon so, dass wir uns gemeinsam auf das Match vorbereiten. Wir schauen uns vorher die Spiele der möglichen Gegnerinnen an und reden über deren Stärken und Schwächen. Dann folgt darauf eine entsprechende Taktik, aber Angie ist natürlich diejenige, die das auf dem Platz umsetzen muss. Und das macht sie ganz gut zur Zeit.


Wie hilflos ist man als Trainer auf der Tribüne, wenn das Spiel des Schützlings in eine ungewollte Richtung läuft?
Mitunter schon sehr hilflos. Man versucht natürlich schon durch Körpersprache und Gesten im Rahmen des Erlaubten zu helfen. Bei den vier Grand Slams muss das reichen, bei kleineren Turnieren ist dann schon ein Coaching pro Satz erlaubt. Da kann man dann schon den einen oder anderen Tipp loswerden.


Wird Angelique Kerber bald auch häufiger mal von sich aus an’s Netz vorrücken?
Ihre große Stärke ist natürlich ihre überragende körperliche Verfassung. Das wird weiter so sein, daran arbeiten wir auch sehr hart. Gerade jetzt in der Off-Season, in der Vorbereitung auf Australien mit den Turnieren in Brisbane, Sydney und Melbourne nutzen wir natürlich auch die Chance, am Spiel zu feilen. Natürlich will sie aggressiv und vielleicht auch ein bisschen offensiver agieren. Wir arbeiten am gesamten Paket, alles muss besser werden, damit sie weiterhin erfolgreich spielen kann.


Wie läuft die Zusammenarbeit weiter?
Wir machen genau so weiter wie bisher, die Absprache gilt für die nächste Zeit, also für das nächste Jahr.


Gab es auch schon Coaching-Anfragen von anderen Spielern oder Spielerinnen?
Eigentlich erst mal nicht. Wir sind ein gutes Team. Das wissen auch alle auf der Tour. Sie sehen natürlich, wie gut es läuft und wir wollen alles dafür tun, damit es auch weiterhin so bleibt. Wichtig ist für uns, dass es keine Unruhe gibt. Deshalb ist das Thema tabu.


Wird über die Weihnachtstage ebenfalls trainiert?
Genau, da stecken wir im Moment gerade mittendrin. Wir trainieren hauptsächlich in Angies Akademie in Puszczykowo in der Nähe von Posen und zwar schon die letzten zwei Wochen. Das ist wirklich eine schweißtreibende harte Vorbereitung im körperlichen wie auch im spielerischen Bereich. Es bringt aber allen sehr viel Spaß und wir freuen uns schon sehr auf die nächsten Turniere in Australien. In Brisbane werden wir loslegen und wollen dort gut spielen. Dafür sind alle bereit.


Wie verbringen Sie die Weihnachtstage?
Wir trainieren noch die ganze Woche in Polen. Weihnachten komme ich dann nach Hause und feiere mit meiner Familie. Meine beiden Kinder Mathilda und Charlotte kommen am ersten Feiertag zu mir. Heiligabend werde ich wohl bei meinen Eltern und meinem Bruder Andre verbringen.

Gibt es auch einen eigenen Tannenbaum in ihrer Wohnung?

Nein leider nicht, weil ich ja nur kurz hier bin. Lange Ausruhen ist nicht drin, denn nach Weihnachten geht die Vorbereitung sofort weiter. Wir fliegen dann ja auch schon bald nach Australien. Den Tannenbaum werde ich bei der übrigen Familie bewundern.

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