Fußball : Wilsteraner Erfolg auf breiter Linie

Die neue Wilsteraner Spontan-Disziplin ist die  Menschenpyramide.
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Die neue Wilsteraner Spontan-Disziplin ist die Menschenpyramide.

Alemannias Kicker haben allen Grund zum Feiern.

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06. Juni 2014, 05:01 Uhr

Aus dem Feiern kommen die Wilsteraner Fußballer derzeit gar nicht mehr raus: Nachdem die zweite Mannschaft der Alemannen schon am vorletzten Spieltag in der A-Klasse Titel und Direktaufstieg klar gemacht hatte, zog dann am letzten Spieltag die Liga-Mannschaft mit dem 4:0 gegen den TSV Heiligenstedten nach. Der direkte Wiederaufstieg in die Verbandsliga war schon vorher klar, aber nun rutschte man auch als Meister in die neue (alte) Spielklasse. So kannte der Jubel keine Grenzen: Erst auf dem Platz, dann in der Kabine und den Rest der Nacht in der Begegnungsstätte.

Neben der Produktion der mittlerweile obligatorischen T-Shirts war man sogar sprach-schöpferisch tätig geworden, um diesen ungewöhnlichen Erfolg begrifflich zu fassen: „Doppelaufstiegsmeister SVA“ skandierten alle Beteiligten ein ums andere Mal und wer sich an diesem Tag länger im Wilstermarsch-Stadion aufhielt, kam um einen einen lang anhaltenden Ohrwurm nicht herum. „Vom Ende her betrachtet war das natürlich das Größte, was wir uns überhaupt nur vorstellen konnten, und eine fast perfekt Saison“, sagt mit etwas Abstand der scheidende Obmann Frank Goede.

Dabei hatte es umittelbar nach dem Saisonstart noch nicht nach diesem Riesenerfolg ausgesehen. Nach dem Abstieg der „Ersten“ aus der Verbandsliga und dem damit verbundenen Zwangsabstieg der „Zweiten“ aus der Kreisliga hatten sich alle Beteiligten viel vorgenommen. Man wollte außerdem vom „Hauruck-Fußball“ (O-Ton Goede) wegkommen und die Teams spielerisch weiterentwickeln. Zudem setzten die Alemannen verstärkt auf die Integration von Eigengewächsen.

Aber nach zwei Spielen zierten beide Mannschaften jeweils ohne einen einzigen Punkt das Tabellenende – die Verantwortlichen wurden sehr nachdenklich. Zum Schlüsselspiel wurde dann das 7:1 der ersten Mannschaft bei der SG Geest. Der Schalter war nun umgelegt und mit jedem weiteren Sieg wuchs das Selbstvertrauen – und das parallel in beiden Teams.

Sie stabilisierten sich jeweils im Laufe der Hinrunde und schon nach der Hälfte aller Saisonspiele lagen sie mindestens auf Rang zwei. Genau so lief es dann auch in der Rückrunde weiter. Zudem wuchsen aufgrund der gemeinsamen Übungseinheiten die Mannschaften auch dank guter Trainingsbeteiligung weiter zusammen – über die Teamgrenze hinweg als zusammengeschweißte Einheit. Goede: „Die hohe Identifikation mit dem Verein ist deutlich spürbar.“ Auch einige Personalentscheidungen wurden zu Volltreffern wie das neue Innenverteidiger-Duo Hinrich Schröder/Jörn Beckmann im Liga-Team. In der zweiten Mannschaft brachten Sven Kolbe und Timo Behrens wichtige Routine in ein ansonsten sehr junges Team, das seit November ungeschlagen blieb.

Bei allem Erfolg wird sich jedoch auch einiges bei den Alemannen ändern. So vollzieht Liga-Coach Horst Schmidt nun seinen schon lange verkündeten Abschied aus dem Trainer-Amt und will künftig nur noch als Zuschauer auf dem Sportplatz sein. „Ich freue mich riesig, dass zum Ende hin das Ganze so gut zusammengepasst hat“, sagt Schmidt. „Wir waren ein großes Kollektiv mit viel Verständnis und Akzeptanz untereinander. Das war für mich der Schlüssel zum Erfolg.“

Schmidts direkte Nachfolge tritt Ulf Wesemann an, der seinen Stuhl als Coach der zweiten Mannschaft an den langjährigen Wilsteraner Liga-Spieler Dieter Feldmann weitergibt. Auch Frank Goede fungiert künftig nicht mehr als Obmann für die erste und zweite Herrenmannschaft. Er will sich unter anderem wieder verstärkt um den Jugendbereich sowie die Schiedsrichterei kümmern. Seine bisherigen Aufgaben teilen sich Ulf Wesemann, Sebastian Dethlefs und Rainer Böhmert.

Aus dem Transfer-Geschehen zur kommenden Saison wollen sich die Wilsteraner weitgehend heraushalten. „Wir schicken natürlich niemanden weg, der bei uns spielen will“, sagt der neue Liga-Coach Ulf Wesemann. „Aber wir verfügen derzeit über soviele junge Spieler mit Perspektive, dass wir niemanden von außen ansprechen müssen.“ Die Jungriege bekommt sogar noch Zulauf, denn aus der aktuellen A-Jugend sind Thilo Böhmert, Tim Driesel, Malte Storbeck, Janek Schmelzing, Jannek Reese, Hendrik Croppenstedt, Tule Becker, Christopher Laband, Leo Boll und Elias Engel für Wilster I und II avisiert. Nach einem kompletten Verletzungsjahr stoßen Christopher Katzki und Hauke Brokmann wieder dazu. Den Kader der beiden Teams verlassen lediglich Jonas Suhl (zu SW Elmschenhagen), sowie Michael Borowiak (beruflich nach Niedersachsen) und Andre Müller (zur SG Windbergen/Frestedt am Wohnort). In die gemeinsame Saison-Vorbereitung werden beide Meister-Teams bereits wieder ab dem 29. Juni gehen. Doch vorher wird vielleicht noch ein wenig gefeiert werden wie auf der Saisonabschlussfahrt nach Mallorca an diesem Wochenende.

Es gibt sogar Aussicht auf weitere feierliche und freudentrunkene Momente für die Wilsteraner Fußball-Gemeinde. So stehen die Frauen der SG Wilstermarsch nach dem souveränen Titelgewinn in der Kreisliga West vor dem Aufstieg in die Verbandsliga Süd. Dafür muss sich das Team von Trainer Stefan Geiger nach dem 1:1 im Hinspiel am Montag in Wewelsfleth noch gegen den FSC Kaltenkirchen durchsetzen. Auch für die A-Junioren der SG Wilstermarsch ist der Meistertitel in der Verbandsliga Süd bei zwei noch ausstehenden Heimspielen möglich.

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