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Tennis : „Wetten motivieren Angie sehr“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Gespräch: Torben Beltz (39), Trainer der Australian-Open-Siegerin und Weltranglistenzweiten Angelique Kerber.

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erstellt am 08.Feb.2016 | 10:41 Uhr

Er ist der Mann hinter dem großen Triumph von Tennisstar Angelique Kerber: Torben Beltz, 39 Jahre alt, hat die Kielerin als Trainer zum Sieg bei den Australian Open geführt. Anlässlich eines Redaktionsbesuchs spricht der Itzehoer im Interview mit unserer Zeitung über den Überraschungscoup von Melbourne, teaminterne Wetten und die zeitintensive Arbeit mit dem frischgebackenen Grand-Slam-Champion.

Torben Beltz, ist bei Ihnen inzwischen ein wenig Ruhe eingekehrt, oder herrscht immer noch Trubel?

In Melbourne war das Ganze natürlich sehr emotional. Auf dem Flug hatte ich während der 20 Stunden dann aber viel Zeit, über das Geschehene nachzudenken. So langsam werde ich ein bisschen ruhiger – auch, weil ich jetzt meine Kinder bei mir zu Hause habe.

Kerber und die vier Grand-Slam-Turniere – das war zuvor nicht wirklich eine Erfolgsgeschichte. Was hat sie diesmal besser gemacht?

Wir hatten eine gute Vorbereitung im November und Dezember. Sie hat ab dem Turnierbeginn an sich geglaubt. Und ganz wichtig für ihr Selbstvertrauen war, dass sie im ersten Spiel einen Matchball abgewehrt und das Spiel gedreht hat. Dann wurde sie von Runde zu Runde immer stärker – mit den Highlights gegen Victoria Asarenka und Serena Williams. Um solche Topspielerinnen zu schlagen, musst du dein bestes Tennis spielen.

Welche Möglichkeiten der Einflussnahme haben Sie im Turnierverlauf, aber auch während eines Spiels?

Angie hat in Australien ja nur Einzel gespielt und hatte deshalb immer einen Tag Pause. Das gibt Zeit, um sich gezielt vorzubereiten. Dabei richten wir das Training auf Stärken und Schwächen der Gegnerinnen aus. Im Match versuche ich, durch Anfeuern zu pushen, obwohl ich natürlich nicht richtig helfen darf, denn das Coachen ist ja verboten.

Gibt es Motivationstricks?

Die Wetten, die wir immer laufen haben, kennt man ja mittlerweile. Die Wette auf den Grand-Slam-Sieg war der gemeinsame Fallschirmsprung, das wird im Sommer eingelöst. Für den Finaleinzug sind wir in den Yarra River gesprungen. So etwas motiviert Angie sehr, deshalb suchen wir immer nach ein paar Sachen, um das Ganze aufzulockern.

Wie zum Beispiel einen Tanzkurs .  .  .

Genau, auch das war eine Wette. Ich bin kein großer Tänzer, aber da muss ich jetzt durch. Wir machen den Tanzkurs zu dritt, der Konditionstrainer Dominik Labonte ist auch dabei. Wir beide kämpfen dann um die Tanzpartnerin Angie – mal sehen, wer den Zuschlag bekommt.

Der Australian-Open-Sieg ist der bisher größte Erfolg ihres Schützlings. Was empfindet der Trainer dabei?

Auch für mich ist das ein Riesenerfolg, denn der Grand-Slam-Sieg fehlte mir auch noch. Angie hat ja schon das Halbfinale in Wimbledon gespielt, aber das war jetzt das I-Tüpfelchen.

Was macht die Beziehung zwischen dem Trainer Beltz und der Spielerin Kerber aus?

Wir sind ein gutes Gespann. Wir respektieren uns gegenseitig sehr. Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, ist der Spaß mit dem Team abseits des Tennisplatzes aber ebenfalls sehr wichtig. Wir waren zum Beispiel in Melbourne im Musical, wir gehen abends öfter essen, spielen Backgammon oder Kniffel.

Welche Bedeutung hat ein intaktes Umfeld für Ihren Schützling?

Angie ist ein Teamplayer, sie braucht ein gutes Umfeld. Dazu gehört neben mir, dem Konditionstrainer und dem Physio Simon Iden auch die Mutter, die sehr viel von zu Hause aus macht, zum Beispiel die Flug- und Hotelbuchungen. In Angies eigener Tennisakademie im polnischen Posen haben wir drei Wochen lang sehr viel trainiert. Statt in die Sonne zu fahren, wollte sie diese Phase lieber in einem familiären Umfeld verbringen, in dem sie sich wohlfühlt.

Hat eine Weltklassespielerin wie Kerber eigentlich auch Schwächen?

Man versucht täglich, im Training an Details zu arbeiten. Sie ist mit 28 Jahren schon eine sehr komplette Spielerin, trotzdem gibt es kleine Stellschrauben, an denen man drehen kann. Der Aufschlag ist immer ein Thema, ein offensives, aggressives Spiel ist sehr wichtig für sie. Wir versuchen das weiterzuentwickeln. Man muss sie übrigens nicht groß motivieren. Sie hat einfach Lust zu arbeiten.

Was sind die weiteren Ziele für das Tennisjahr 2016?

Das erste Ziel war, bei den Grand-Slam-Turnieren gut zu spielen – der Anfang ist also gemacht. Jetzt ist Angie beim Fed-Cup in Lepizig, danach geht es nach Dubai und Doha. Darauf müssen wir den Fokus legen, aber das wird nicht einfach. Es hat sich viel verändert durch die große öffentliche Aufmerksamkeit.

Die WTA-Tour ist auch für den Trainer sehr zeitraubend. Wieviel Raum bleibt für Ihr Privatleben?

Ich bin in der Tat viele Wochen im Jahr unterwegs und mache das auch sehr gern. Wenn ich zu Hause bin, gehört meine Zeit aber meinen Töchtern Charlotte und Mathilda. Ich wohne nun auch wieder in Itzehoe, denn das ist meine Heimatstadt.

Zur Person: Torben Beltz

Geboren: 21. November 1976 in Itzehoe

Stationen als Spieler: Itzehoer TV, TC Friedrichsgabe, TC Alsterquelle, College-Tennis USA

Stationen als Trainer: Itzehoer TV, RW Wahlstedt, Honorartrainer Tennisverband Schleswig-Holstein, Marner TC, Angelique Kerber (2012 bis August 2013), Carina Witthöft (Febr./März 2014), Angelique Kerber (seit März 2015)

Ausbildung: A-Trainer-Lizenz

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