Faustball : Weltmeister aus Kellinghusen

Wurden für ihren Weltmeistertitel im Faustball von der Stadt Kellinghusen geehrt und im offenen Wagen durch die Stadt gefahren: die vier Faustball-Jugendweltmeister (von links) Jacqueline Böhmker, Nadja Zühlke, Lisa Maas und Rouven Kadgien.
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Wurden für ihren Weltmeistertitel im Faustball von der Stadt Kellinghusen geehrt und im offenen Wagen durch die Stadt gefahren: die vier Faustball-Jugendweltmeister (von links) Jacqueline Böhmker, Nadja Zühlke, Lisa Maas und Rouven Kadgien.

Die Nachwuchs Faustballer des VfL Kellinghusen hatten es den DFB-Kickern in Brasilien vorgemacht – vier VfLer blicken zurück.

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21. Juli 2014, 05:02 Uhr

Sie hatten den Fußballern vorgemacht, wie man in Brasilien den WM-Titel holt: Die deutschen Faustball-Juniorenteams haben zwei Monate zuvor bereits zwei Weltmeisterschaften errungen – mit den Kellinghusenerinnen Lisa Maas, Jacqueline Böhmker und Nadja Zühlke sowie Junior Rouven Kadgien.

Als Lisa Maas (17) den Weltmeisterpokal in den Händen hielt, den sie mit der deutschen Jugend-Nationalmannschaft in Brasilien errungen hatte, wusste sie, dass das nicht das letzte Mal war, denn: „Jede Spielerin darf den Pokal bis zur nächsten WM einmal mit nach Hause nehmen und herum zeigen“, erzählt die 17-jährige Gymnasiastin der Jürgen-Fuhlendorf-Schule Bad Bramstedt. Im Fußball wäre so etwas undenkbar. Lisa Maas war ebenso wie Jacqueline Böhmker und Nadja Zühlke (beide 16, Schülerinnen der Gemeinschaftsschule Kellinghusen) und Rouven Kadgien (16, Theodor-Heuss-Gymnasium Pinneberg) am Doppelerfolg der männlichen und weiblichen U18-Teams bei der Faustball-Weltmeisterschaft beteiligt – und dafür von der Stadt Kellinghusen geehrt und im offenen Wagen durch die Straßen gefahren worden (wir berichteten).

Beide Teams waren als Vize-Europameister in Brasilien angereist – diesen Titel hatten sie im Sommer 2013 in Österreich geholt, wo sie im Finale noch gegen die Schweiz unterlegen waren. „Als wir in Pomerode gelandet waren, „mussten wir uns erst einmal an das Klima gewöhnen“, erzählt Rouven Kadgien, der als Linkshänder in seiner Mannschaft als Jüngster vorne rechts im Angriff spielte.

„Es war nicht nur viel wärmer, sondern vor allem stickiger als hier. Am Flughafen war es am schlimmsten. Da hatten wir schon richtig Angst, denn wir mussten uns erst einmal akklimatisieren.“, erzählt er. „Aber wir waren schon drei Tage vor Beginn da. Wenn man dann erst mal im Spiel war, hat man das gar nicht mehr gemerkt.“

Das Turnier sei „top organisiert“ gewesen, nur die Plätze waren „gewöhnungsbedürftig“, weil es eigentlich Fußballplätze waren. „Das brasilianisches Gras war sehr stumpf, da ist der Ball überhaupt nicht aufgetippt. Der war wie Wackelpudding.“ Als sie ihn noch einmal gemäht hatten, ging es besser. „Erst nach zwei Tagen war er langsam eingespielt, aber den besten Eindruck machte er erst zum Finale.“

Während die Mädchen ihre Partien allesamt klar gewannen, verliefen die Spiele der Jungen – außer gegen Argentinien und Chile – knapp und waren heiß umkämpft. „Einige haben mit allen Tricks gearbeitet“, so Rouven. „Die Österreicher haben den Ball an ihrem nassen Trikots feucht gemacht, damit er weg flutscht, und sie haben viel reingerufen, um uns zu irritieren. Aber wir haben uns nicht beeinflussen lassen, sondern das mit den Trainern geklärt.“

Bei den Mädchen lief es sportlich noch besser. Lisa Maas (17). „Wir trafen auf dieselben Mannschaften mit derselben Besetzung wie bei der Europameisterschaft, hatten uns ausgerechnet, wenn wir konzentriert wären, in den oberen Rängen mitzuspielen“, erzählt sie. Das gelang: „Wir haben immer besser zusammen gespielt.“ Und im Endspiel hatte die Mädchen schießlich gegen die Schweizerinnen den Spieß umgedreht.

Feierlich war es vor den beiden Endspielen, als die Nationalhymne gespielt wurden. Da waren endlich auch viele Zuschauer da. Einige Teams hatten ganze Fanblocks aus Angehörigen und Geschwistern mit, so auch die deutsche Mannschaft, die mit Fahnen und Gesängen unterstützt wurde. „Im Endspiel der Jungen mussten wir gegen ganz Brasilien anschreien“, erzählt eine Kellinghusener Mutter. Denn selbst die Fans aus Österreich und der Schweiz waren zu den Brasilianerinnen übergelaufen, weil sie nicht wollten, dass zwei Mannschaften aus demselben Land gewinnen – vergeblich. Die Jungs um Rouven Kadgien zeigten sich ähnlich nerven und kampfstark wie die deutschen Fußballer am Sonntag im Maracana.

„Die Umgebung haben wir erst in der zweiten Woche bemerkt“, erzählt Lisa Maas, „als wir nach Florianopolis gefahren sind.“ In dem Küstenort hatten sie noch vier Tage lang Urlaub gemacht, direkt an der Küste mit Privatstrand, mit Rafting und stundenlangem Wandern durch den Dschungel mit giftigsten Spinnen. „Das war noch mal sehr anstrengend.“

Mittlerweile haben alle bereits die nächsten Erfolge eingesammelt: die Mädchen um Lisa Maas, Nadja Zühlke und Jacqueline Böhmker haben die Regionalmeisterschaft Ost souverän gewonnen und die Jungen um Rouven Kadgien haben sich mit dem zweiten Platz bei den Ostdeutschen Meisterschaften für die deutschen Titelkämpfe qualifiziert. Kadgien will auch bei der nächsten Europameisterschaft wieder mit dabei sein, die dann in Kellinghusen stattfindet. Auch die nächste WM hat er anvisiert und möchte danach in den U21-Kader kommen. Lisa Maas hat ebenso hohe Ziele: „Ich will beim Europapokal mitmischen, Deutscher Meister werden, mit der Auswahl die Siege wiederholen und in die erste Liga im Feld aufsteigen.“ Die Kellinghusener Faustballer haben also noch viel vor.

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