zur Navigation springen

Handball : Vorbild mit Führungsqualität

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Torfrau Mareike Struck gehört schon seit vielen Jahren zu den Erfolgsgaranten der Herzhorner Handballerinnen.

Ein guter Torhüter ist schon mal die halbe Miete, sagen viele Handballer. Wie wichtig eine konstant gute Leistung zwischen den Pfosten tatsächlich ist, zeigte jüngst der EM-Triumph der deutschen DHB-Männer in Polen. Diesbezüglich verfügen aber auch die Handball-Frauen des MTV Herzhorn über eine feste Größe: Schon seit vielen Jahren ist Mareike Struck aus dem Kasten der Blau-Gelben nicht wegzudenken. Nun will sie mit ihrem Team durch einen Heimsieg gegen Konkurrent Lauenburg die Chance auf den Oberliga-Aufstieg wahren (Vorbericht siehe rechts).

Schon mit 14 Jahren war die Frau mit der Nummer eins auf dem Rücken von Fortuna Glückstadt zum Nachbarn in Herzhorn gewechselt. „Bei Fortuna hatte ich mit zehn Jahren angefangen und kam schon nach wenigen Wochen ins Tor. Die Torfrau war ausgefallen und da habe ich mir gedacht: Das kann ich ja mal ausprobieren.“ Sie blieb dabei, doch irgendwann sah sie in der Handball-Hochburg Herzhorn die bessere Perspektive. Dort durchlief sie die Jugendteams, half mit 16 Jahren aber auch schon in der ersten und zweiten Frauen-Mannschaft aus. Offiziell absolvierte sie das erste Senioren-Jahr noch als Torfrau der zweiten Damen. Seitdem hat sie in bisher elf Spielzeiten alle Höhen und Tiefen mit dem MTV erlebt und von Regionalliga bis SH-Liga alles mitgenommen. Übrigens immer mit Maike Langenberg an ihrer Seite im selben Team.

Mittlerweile zählt die Architektin, die bei „Brunsbüttel Ports“ beschäftigt ist, mit 30 Jahren zu den Erfahrenen in der Mannschaft und gehört wie auch die Rückraumspielerin Langenberg zu denen, auf die andere hören. So sieht Mareike Struck auch ihre eigene Rolle. „Sicher habe ich schon so eine gewisse Vorbildfunktion, schließlich weiß ich mittlerweile ja auch ganz genau, wie dieser Verein tickt.“ In besonderer Weise gilt das sicher auch für ihre eigene junge Torhüter-Kollegin Lea Tiedemann, die mit 17 Jahren ihre Debüt-Saison im Senioren-Bereich gibt. „In vielem erinnert sie mich an mich selbst in diesem Alter“, sagt Struck. Sie betont, wie wichtig es ist, dass die Torhüter untereinander ein gutes Team bilden. Konkurrenz und Missgunst um Spielanteile sind unangemessen und vor allem nicht im Sinne der Mannschaft. Es sei kaum möglich, dass sich einer jederzeit im Bereich seiner Topleistung bewege – Schwankungen sind immer da.„Torhüter haben ein gutes Gespür dafür, wer in welcher Spielphase auf der Platte stehen sollte.“ Stärken und Schwächen von beiden sollten sich gut ergänzen. Das habe in den vergangenen beiden Jahren mit Eike Jankowski gut funktioniert. „Mit Lea klappt das jetzt wieder gut, auch wenn sie manchmal noch etwas zaghaft ist.“

Der Vergleich mit dem Wein mag abgegriffen sein, aber falsch ist er nicht: Gute Torhüter brauchen viel Erfahrung, um zu reifen. Auch von Kollegen könne man sich viel abgucken, bei Mareike Struck waren das vorher Marion Demant und in einer Saison auch Barbara Riebe. „Es war schon faszinierend: Wenn Babsi meinte, sie hätte ein schlechtes Spiel gemacht, hat sie aus meiner Sicht immer noch überragend gehalten“, beschreibt Struck den Ehrgeiz ihrer damaligen Kollegin. „Da habe ich auch gelernt, dass es nicht darauf ankommt, wild herum zu hampeln. Die Bewegungen müssen effektiv sein, ein guter Torhüter braucht die Gelassenheit, erst auf die Signale zu reagieren, die der Schütze sendet.“ Aus deren Bewegungsablauf lasse sich viel ablesen. Körperhaltung, Ausholbewegung, Blickrichtung sind die klassischen Beobachtungsmerkmale. Bei Würfen von außen: Knickt der Werfer ab oder bleibt er gerade? Gänzlich passiv muss ein Torhüter dabei aber auch nicht bleiben. „Er kann mit den Werfern spielen, indem er ihnen etwas anbietet. Manch einer lässt sich da locken“, plaudert Mareike Struck ein wenig aus dem Nähkästchen. Viel habe sie in Jugendjahren auch vom damaligen Liga-Torhüter Thorsten Nagel gelernt, der in dieser Zeit mit den jungen Torhütern gearbeitet hatte.

Aber nicht nur auf das individuelle Verhalten, sondern auch auf das Zusammenspiel mit der Abwehr kommt es wesentlich an. Da braucht es viel Vertrauen, Absprachen müssen eingehalten werden. Das Abwehrverhalten ist dabei nicht statisch, sondern ändert sich je nach Spielsituation. Struck: „Das Stellungsspiel eines guten Torhüters hinter einer eingespielten Abwehr entwickelt sich über Jahre.“

Was muss ein guter Torhüter von sich aus mitbringen? „Angst vor dem Ball wäre schon mal nicht so gut“, sagt Mareike Struck trocken. Das mag banal klingen, aber die Tragweite kann jeder ermessen, der schon mal von einem Handball in Höchstgeschwindigkeit getroffen wurde. „Ich werde aber trotzdem lieber von einem kleinen, weichen Ball getroffen als von einem kantigen Ellenbogen oder anderen spitzen Knochen“, sagt die 30-Jährige. Auch die Augen sollte man immer geöffnet halten – egal, was passiert.

Ihr Trainer Michael Janke hält ganz große Stücke auf seinen Routinier. „Ihre Stärke ist tatsächlich, dass sie sich den Schützen ausguckt. Oft bietet sie etwas an und im letzten Moment macht sie die Ecke zu. Sie denkt mit im Spiel, agiert sehr intelligent. Aus meiner Sicht ist sie die beste Torfrau in der Liga.“ Für das Team sei sie einfach unersetzlich und für den Trainer fungiert sie als verlängerter Arm. „Sie ist eine absolute Führungspersönlichkeit, sie lebt Handball.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 05:05 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen