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6000 Euro bleiben als Spendenerlös für Chris Calm : THW Kiel im Dienst der guten Sache

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

MTV Herzhorn hält sich beim 23:38 im Benefizspiel gegen den deutschen Rekordmeister wacker

von
erstellt am 09.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Handballspektakel in Glückstadt. Man muss lange zurück blicken: Rund 700 Zuschauer hatte der MTV Herzhorn in seinen Spielen seit Jahren nicht mehr, doch es hatte seinen Grund. Zu Gast war der amtierende deutsche Handballmeister THW Kiel.

Die Kieler hatten sich am Freitagabend in den Dienst der guten Sache gestellt: Die „Zebras“ traten zum von der Provinzial-Versicherung und dem ETSV Glückstadt initiierten Benefizspiel für den verunglückten Sportlehrer Christopher Calm beim Oberligisten MTV Herzhorn in Glückstadt an. Das Ergebnis des Spiels (23:38; 10:20 zur Pause) war dabei zweitrangig. Es gab ein ausverkauftes Haus und eine Spende für Calm in Höhe von 6  000 Euro. Dieses Geld soll für die Anschaffung eines Segway-Rollstuhles sein. Christoph Calm, der auch in der Halle war, übergab den Spielball und bekam von Dominik Klein den Scheck und ein THW-Trikot überreicht. Calm vor der Partie: „Ich bin furchtbar aufgeregt. Viele Leute, die ich lange nicht gesehen habe, sind heute hier. Ich finde es supergut, dass es geklappt hat, und bin gespannt, wie die Partie läuft. Die Herzhorner wollen sich sicher nicht abschießen lassen.“ Und das taten sie auch nicht: Sie gingen beherzt zur Sache und nach der anfänglichen Aufregung fanden sie gut ins Spiel und spielten munter mit.

Aufregung gab es vor der Begegnung auch für die A-Jugend-Spielerin Jule Klopke von der HSG Kre/Mü. Sie hatte die Gelegenheit, ein kurzes Interview mit Nationalspieler Steffen Weinhold zu führen: „Hast du Bock heute hier zu sein?“ lautete ihre erste Frage. Weinhold: „Ich finde es wichtig, dass solche Spiele stattfinden, eigentlich wäre ich heute beim All-Star-Spiel, doch da ich verletzt bin, konnte ich zumindest mit nach Glückstadt kommen. Und jetzt sehe ich endlich auch mal, wo Peke (Hendrik Pekeler) herkommt.“ Jule: „Was denkst du von den Katar-Spielern?“ „Wenn man sich für ein Land entschieden hat, sollte man auch nur für das Land spielen. Das würde der Sportart sicherlich gut tun.“ Und auf Jules Frage nach einem Tipp für junge Nachwuchsportler äußerte er sich auch noch: „Man muss schon eine Menge Ehrgeiz mitbringen, aber viel wichtiger ist es, dass man Spaß daran hat.“

Und dann ging es endlich los. Nach der Scheckübergabe pfiff das Steinburger Schiedsrichter-Gespann Stefan Vollstedt und Frank Wipper die Partie an und sofort sorgte der Fanclub „Hölle Nord“, der sich vor eineinhalb Jahren aus zehn handballbegeisterten Fans gegründet hatte und nun schon auf 40 angewachsen ist, für Stimmung. „Wir wollen unseren Verein feiern und die Mannschaft anpeitschen.“

Nicht unerwartet legten die Kieler über ihre schnellen Außen Christian Sprenger und Dominik Klein vor und gingen mit 3:0 in Führung. Den Blau-Gelben war in den ersten Minuten die Aufregung anzumerken und nervös vergaben sie die eine oder andere Chance. Nach einem Tempogegenstoß von Lasse Janke zum 1:3 war der Bann jedoch gebrochen und bis zur 6. Minute verkürzte Jannes Timm auf 3:4. Doch der Leistungsunterschied war verständlicherweise jederzeit spürbar und die Kieler zogen auf und davon. Mitte der ersten Halbzeit lagen sie mit 9:4 vorn und begeisterten schon frühzeitig mit einigen „Kabinettstückchen“. Beim Stand von 4:11 nahm Herzhorns Coach Jens Timm die erste Auszeit und es kam der große Moment für die Herzhorner Wischer Aaron, Wilm und Mika: Sie durften in der kurzen Pause ein Siebenmeterschießen beim Kieler Maskottchen Hein Daddel machen. Doch die Auszeit brachte sportlich für die Blau-Gelben nicht allzu viel. Bis zur Halbzeit lagen sie mit 10:20 hinten.

Und erwartungsgemäß dominierten weiterhin die Gäste, doch die Timm-Schützlinge versteckten sich keineswegs. Insbesondere die Youngster Dittmer, Timm und Janke zeigten keinerlei Respekt und kamen immer wieder mit überraschenden Momenten zum Wurf. Weiter als auf zwölf Tore ließen die Hausherren ihren Gegner nicht davon ziehen und die letzten Spielminuten boten ein „verrücktes Spiel“, in dem sogar Keeper Palicka mit in den Angriff stürmte. „Jetzt drehen sie durch“, so ein Zuschauer. Doch den Fans gefiel es und das Ergebnis stand in dieser Partie eh im Hintergrund.

Nach dem Schlusspfiff gab es kein Halten mehr. Die Fans stürmten das Spielfeld und alle Kieler nahmen sich viel Zeit, um die unendlichen Foto- und Autogrammwünsche zu erfüllen. Dominik Klein äußerte sich zum Abschluss noch mal zu dem Benefiz-Spiel: „Ich finde es super, dass solche Spiele stattfinden. Wir haben erst in der Halle den Anlass erfahren und wenn es dann so harmonisch abläuft und die ganzen Fans dahinter stehen, ist es einfach toll.“ Auch erzählte er, dass zu Hause am Abend ein Babysitter zum Einsatz käme, als junger Familienvater die ganze Organisation gar nicht so einfach sei, da seine Frau schließlich auch Handball spiele. Auch Stars wie Dominik Klein haben also mit den ganz normalen Problemen einer jungen, berufstätigen Familie zu kämpfen.

Obwohl es mit 23:38 Toren die erwartet deutliche Niederlage gab, zeigte sich auch Trainer Jens Timm zufrieden: „Ich denke, wir haben ein unterhaltsames Spiel geboten und unter 40 Tore zu kassieren, dabei selbst 23 zu erzielen, ist gar nicht einmal so schlecht.“ Viel Lob fand auch er für seine jungen Spieler.

MTV Herzhorn: Marc Saggau, Tjark Bernhard, Mehmet Atamann – Stephan Hinrichs 6, Theo Boltzen 5, Birger Dittmer 1, Jannes Timm 4, Lutz Wamser 3, Fynn Krebs 1, Finn Engelbrecht-Greve, Arne Clasen, Lasse Janke 1, Johann Holst 2

THW Kiel: Johan Sjöstrand, Andreas Palicka (1) – Kim Sonne-Hansen, Domagoj Duvnjak (3), Christian Sprenger 5, Steffen Weinhold (n.e.), Niclas Ekberg 1, Rasmus Lauge-Schmidt 5, Rune Dahmke 3, Dominik Klein 9, Christioph Brandenburg, Alex Williams 4, Thies Bergemann 4, Finn Ranke 3

Siebenmeter: MTV: 1/0 (Palicka hält); THW: 0

Zuschauer: 700 (ausverkauft)

Spielfilm: 0:3 (3.), 2:4 (5.), 3:7 (9.), 4:13 (18.), 5:16, 9:19 (26.), 10:20; 13:26 (39.), 16:27 (45.), 17:29 (49.), 18:31 (52.), 20:32, 20:34, 22:37 (59.), 23:38.

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