Silber für Anna Gehring bei Cross-EM

Freuen sich über die Silbermedaille:   Anna Gehring und André Beltz. Foto: sch
Freuen sich über die Silbermedaille: Anna Gehring und André Beltz. Foto: sch

Erfolg für Leichtathletin des SC Itzehoe: Mit der deutschen Mannschaft schafft sie in Budapest Rang zwei in der Teamwertung

shz.de von
17. Dezember 2012, 03:59 Uhr

Budapest/Itzehoe | Sensationelles passierte bei den Europäischen Crossmeisterschaften im ungarischen Budapest - die Deutsche Juniorinnen-Mannschaft holte sich überraschend die Silbermedaille in der Teamwertung. Mit am Erfolg beteiligt: Anna Gehring aus Itzehoe.

Die für den Sportclub Itzehoe startberechtigte Athletin überzeugte auch in der Einzelwertung und wurde als eine der Jüngsten im 95-köpfigen Starterfeld 17. Und das brachte der 16-jährigen Läuferin eine weitere Berufung ein: Am 5. Januar verstärkt sie ein Europa-Team, das im schottischen Edinburgh gegen Mannschaften aus den Vereinigten Staaten, Russland und Irland am "Great Edinburgh Cross Country - International Team Challange" um den Sieg kämpfen wird.

Eine Silbermedaille Lohn als Lohn für ihre bisherigen leichtathletischen Bemühungen ? Damit hatte Anna Gehring nicht im Entferntesten gerechnet: "Ich bin hingefahren, um mitzumachen und zu gucken, wo ich stehe", sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass die junge Itzehoerin zumindest im deutschen Vergleich eine gute Rolle spielen könnte, darauf hatte Heimtrainer André Beltz bereits nach den beiden Qualifikationsrennen von Pforzheim und Darmstadt gesetzt. Bei den November-Rennen auf flachem Terrain belegte Anna Gehring jeweils Rang drei und lag dabei nur knapp hinter der starken Caterina Granz von der LG Nord Berlin. In Pforzheim betrug der Abstand acht Sekunden, in Darmstadt waren es sieben. Beide Rennen gewann übrigens Maya Rehberg. Die zurzeit schnellste Juniorin aus der Nähe von Bad Segeberg belegte in Budapest übrigens Rang drei hinter Amela Tercic aus Serbien (13:29) und der Britin Emelia Gorecka (13:37).

Und dennoch: Flügel sind der Itzehoerin im Vorfeld der EM nicht gewachsen, und trotzdem lag sie in Budapest sage und schreibe 38 Sekunden vor Caterina Granz, die sich im Vorfeld der Meisterschaften ganz stark eingeschätzt hatte - auf Rang zwölf hatte sich die Berlinerin prognostiziert. Doch dafür hätte sie 14:08 Minuten laufen müssen.

Den Grund für den Abstand zwischen sich und Carina Granz in Budapest sieht Anna Gehring darin: "Bei den Qualifikationsrennen für die EM sind wir auf relativ flachen Strecken gelaufen. Budapest dagegen war extrem hüglig mit einem starken Anstieg gleich nach dem Start." Und darauf war sie konditionell vorbereitet.

Begonnen hatte das EM-Abenteuer für die Itzehoerin dagegen mit leichten Widrigkeiten: Geplant war der Abflug zwei Tage vor dem Start. Weil es jedoch technische Probleme auf dem Flughafen der ungarischen Metropole gab, musste die deutsche Mannschaft notgedrungen in Frankfurt übernachten und am nächsten Tag eine fünfstündige Wartezeit auf dem Frankfurter Flughafen in Kauf nehmen, ehe die Maschine in Richtung Wien bestiegen werden konnte. In Österreich angekommen, ging es dann per Bus weiter. Und mit dem erreichten Anna Gehring und Co. dann drei Stunden später den Veranstaltungsort. Alles zusammen genommen keine günstigen Startvoraussetzungen.

Doch davon ließ sich die Itzehoerin im Wettkampf nicht beeindrucken. Sie verhielt sich zunächst verhalten und ließ eine größere Gruppe ziehen. Später, eingangs der letzten Runde, wurde sie mutiger und holte auf. Möglicherweise hat das Zögern aber Plätze gekostet, denn am Ende besser platzierte Läuferinnen hatten nur wenige Sekunden Vorsprung. Allein zwischen den Laufminuten 14:00 und 14:14 ereichten zehn Athletinnen das Ziel vor Anna Gehring.

Obwohl unter dem Strich mit ihrem Budapester Ergebnis zufrieden, stellte die Itzehoerin heraus: "Am Ende habe ich mich doch darüber geärgert, dass ich der Spitzengruppe nicht gleich gefolgt bin." Verständlich - denn Anna Gehrings hohe Grundschnelligkeit gepaart mit einem exzellenten Ausdauervermögen verschafft ihr Variationsmöglichkeiten im Hinblick auf die eigene Renngestaltung. Und das heißt: Die Jugendliche ist in der Lage, auch schnelles Anfangstempo anzuschlagen und könnte deshalb auch in einem vorderen Feld agieren.

Weil die Platzziffern der einzelnen Starterinnen in das Mannschaftsergebnis eingeflossen sind, gingen Anna Gehring und ihre deutschen Teamkameradinnen zunächst nicht davon aus, dass sie Edelmetall geholt haben könnten. Erst nachdem sie von einer Offiziellen zur Siegerehrung gebeten wurden, dämmerte es ihnen langsam: "Da war der Jubel natürlich riesengroß", beschreibt Anna Gehring den freudigen Moment.

Dass sein Schützling Silber geholt hat, bezeichnet André Beltz als "Wahnsinn", zumal sich seine Läuferin gleichzeitig als eine der Besten aus dem Jahrgang 1996 für das Europa-Team empfohlen hatte. Erstaunlich aus seiner Sicht: "Anna hat sich in der letzten Zeit kontinuierlich gesteigert und trainiert mit drei bis vier Mal pro Woche absolut altersgemäß." Das heißt, dass Anna Gehring die individuelle Belastungsgrenze überhaupt noch nicht erreicht hat. Für eine Läuferin mit internationaler Perspektive eine gute Voraussetzung, um froh gestimmt in die Zukunft zu blicken. Bundestrainer Lutz Zauber sollte das ebenfalls mit Zufriedenheit erfüllen. Die Ergebnisse der Deutschen Juniorinnen in Budapest: 3. Maya Rehberg (SC Rönnau), 13:44 Minuten; 17. Anna Gehring (SC Itzehoe), 14:14; 42. Caterina Granz (LG Nord Berlin), 14:52; 44. Johanna Schulz (SC Gut Heil Neumünster), 14:54; Lisa Ziegler (TV Bühl), 15:12; 61. Laura Clart (LAZ Leipzig), 15:17.

Das Mannschaftsresultat: 1. Groß-Britannien + Nordirland, 28 Punkte; 2. Deutschland (Rehberg, Gehring, Granz, Schulz), 106 Punkte; 3. Russland, 111; 4. Rumänien, 116; 5. Schweden, 122; 6. Portugal, 150; 7. Niederlande, 159; 8. Irland, 176; 9. Türkei, 183; 10. Ukraine, 187; 11. Italien, 208; 12. Spanien, 248; 13. Kroatien, 317; 14. Ungarn, 319; 15. Lettland, 343.

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