Leichtathletik : Sieger am Ende meist deutlich vorn

Start zum  Lauf über zehn Kilometer:  Links mit der Nummer 4292 Janin Hildebrand, die spätere Dritte bei den Frauen.
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Start zum Lauf über zehn Kilometer: Links mit der Nummer 4292 Janin Hildebrand, die spätere Dritte bei den Frauen.

Beim Glückstädter City-Lauf sind Iris Koch und Dirk Schwarzbach über zehn Kilometer am schnellsten. Dorothea Schwarzbach und Tim Berkhahn siegen beim Fünfer.

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02. Juni 2014, 05:08 Uhr

Schnelle Läufe bei der 22. Auflage des Glückstädter City-Laufs: Über zehn Kilometer siegten Iris Koch (44:17) und Dirk Schwarzbach (33:47), und über die halb so lange Distanz waren Dorothea Schwarzbach (20:07) und Tim Berkhahn (18:41) nicht zu schlagen.

Vor dem Start der Männer über zehn Kilometer hatte Andreas Ehlers den richtigen Riecher: „Mit Dirk Schwarzbach ist ein Top-Läufer dabei. Er wird gewinnen.“ Und richtig: Der Langstreckler vom TSV Kirchdorf, der vor neun Jahren auch schon mal 30:23 Minuten gerannt war, machte von Anfang an Druck. So sehr, dass die Nächstplatzierten, Alexander Schilling (36:49) und Jonas Wolter (36:57), ihn nach drei Kilometern aus den Augen verloren. Am Ende hatte der Gast aus dem niedersächsischen Kirchdorf gut drei Minuten Vorsprung vor der Steinburger Konkurrenz. „Es war super. Am Deich war es schön windig, aber das ist hier meistens so“, sagte Jens Kirchdorf, für den Glückstadt nicht unbekannt ist und den verwandtschaftliche Beziehungen an die Elbe gezogen hatten. Er und Ehefrau Dorothea hatten sich hier bereits in früheren Jahren in die Siegerlisten eingetragen. An seiner persönlichen Bestzeit aus dem Jahre 2005 wolle sich Jens Kirchdorf aber nicht messen lassen. Die liege lange zurück: „In den vergangenen eineinhalb Jahren bin ich auch weniger Rennen gelaufen, ich brauchte Abstand. Ich laufe zwar gern, zum Beispiel bei Landschaftsläufen, wo ich mich nicht mit mir selbst vergleichen kann.“

Hinter dem Sieger liefen Alexander Schilling (Hingstheide) und Jonas Wolter (Glückstadt) zunächst Brust an Brust und arbeiteten auf der Laufstrecke optimal zusammen – bis Kilometer 6,5, nachdem sie sich 500 Meter zuvor von der Konkurrenz, bestehend aus Lars Lassen (37:08) und Kai Neumann (38:19), verabschiedet hatten. Dann machte Schilling Druck und schaffte Distanz zwischen sich und Wolter. Die war letztlich nicht sehr groß, doch Schilling hatte stets auf den zurückliegenden Wolter geachtet, um sich nicht überraschen zu lassen.

Bei den Frauen fiel die Entscheidung schon in der Anfangsphase des Rennens: Um an eine Männergruppe heranzukommen, setzte sich Iris Koch nach 1500 Metern von Ute Krause (44:37) ab. Obwohl sich der Abstand bis ins Ziel kaum verringerte, konnte Ute Krause trotz ständigen Bemühens das Loch nicht zulaufen. Dass die Siegerin bis an die Grenze ihrer momentanen Leistungsfähigkeit gegangen war, sah im Ziel jeder: Dort verließen sie die Kräfte so sehr, dass sie minutenlang in unmittelbarer Nähe zum Zielstrich auf dem Boden saß.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Iris Koch den entscheidenden Rennmoment so: „Im Wind und am Berg habe ich meine Schwierigkeiten. Ich wollte Ute an der Stelle nicht weglaufen, sondern nur an die vor uns laufende Gruppe herankommen, um mit ihr mitzulaufen. Allein wie Ute zu laufen, wäre mein Tod gewesen.“

Im Gefolge der beiden Spitzenläuferinnen lief Janin Hildebrand mit 46:08 Minuten eine für ihre Verhältnisse sehr gute Zeit. Dank richtete die Läuferin im Ziel an Sven Leppert (46:11): „Er hat mir Windschatten an den Deichpassagen gegeben.“

Insgesamt erfreulich am Rennen der Frauen: Sieben Athletinnen blieben unter 50 Minuten. Eine Tatsache, die Ute Krause gefiel. Es sei schön zu wissen, dass sich in Steinburg auf der Frauen-Ebene etwas täte. „Viel Konkurrenz, das ist immer gut für die eigene Entwicklung“, betonte die Seniorenlandesmeisterin.

Über fünf Kilometer entwickelte sich bei den Männern ein interessanter Zweikampf zwischen Sieger Tim Berkhahn und Marcel Krüger (18:46). Taktisch klug laufend, hielt sich der spätere Erste bis 500 Meter vor Schluss an seinen hartnäckigsten Konkurrenten, trat dann aber an und lief seinem ersten Gesamtsieg entgegen. „Ich versuchte nachzukommen, aber es ging nicht“, sagte der wahrlich nicht langsame Marcel Krüger. „Zum Schluss sind wir volle Kante gelaufen“, stellte Tim Berkhahn heraus.

Die Leistung von seinem jungen Vereinskameraden kommentierte Trainer Andreas Ehlers so: „Tim hat in den vergangenen sechs Monaten sehr viel trainiert und setzt die taktischen Vorgaben sehr gut um. Jetzt fährt er die Ernte ein.“ Und dazu gehöre auch der Sieg kürzlich bei einem 800-Meter-Bahnrennen in Pinneberg, das der U16-Läufer ebenfalls gewonnen habe. Die nächsten Plätze sicherten sich mit Abstand zu den Führenden Michael Engels (19:43) und Christopher Schulze (19:54).

Im Rennen der Frauen hatte sich Nina Gründel (20:46) zunächst verrechnet. Mit Blick auf Siegerin Dorothea Schwarzbach sagte sie: „Ich dachte, sie würde zehn Kilometer laufen, deshalb bin ich mit ihr auch nicht mitgelaufen. Dass es anders war, merkte ich erst, als Dorothea richtig schnell an anderen vorbeilief.“ Doch da hatte sie bereits keine Möglichkeiten mehr, an die Führende heranzukommen.

Im Ziel löste Dorothea Schwarzbach die Irritation bei Nina Gründel so auf: „Ich habe zwei Jahre keine Wettkämpfe gemacht und bin seit Anfang des Jahres erst wieder im Training.“ Um sich nach bislang noch geringen Kilometerumfängen nicht zu sehr zu belasten, sei sie auf die kürzere Strecke ausgewichen. Den Wind habe sie nicht als so schlimm empfunden: „Ich trainiere ja auch draußen im Wind und bin viel im Gelände.“

Ohne das Spitzenduo gefährden zu können, kämpften Mia Böthern (21:39), Christiane Lemor (22:01) und Johanna Grell (22:07) um die nächsten Plätze. Um nicht auf sich alleine gestellt zu sein, verhielt sich Mia Böthern taktisch absolut richtig: „Weil ich an die beiden ersten nicht herankommen konnte, orientierte ich mich an schnellen Jungs.“

Im Extra-Wettbewerb „Schnellste Glückstädter“ über zehn Kilometer siegten Christin Betzhold (48:52) und Jonas Wolter. Nach der Siegerehrung sagte Christin Betzhold: „Ich bin begeistert. Es war ein schwerer Lauf, aber die Zeit ist super.“

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