Leichtathletik : Selbst aus dem Leistungstief befreit

Alles im grünen Bereich: Anna Gehring holte bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Löningen Gold in der Altersklasse U20.
Alles im grünen Bereich: Anna Gehring holte bei den Deutschen Crossmeisterschaften in Löningen Gold in der Altersklasse U20.

Nach dem Gewinn der nationalen Meisterschaft im Cross will sich die Itzehoerin Anna Gehring für WM in Eugene/USA qualifizieren.

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26. März 2014, 05:08 Uhr

Den kleinen Ort Löningen in Niedersachsen wird Anna Gehring (17) immer in guter Erinnerung behalten können: Die für den Sportclub Itzehoe startberechtigte Langstrecklerin holte sich dort ihre erste Deutsche Meisterschaft im Crosslauf. In der Altersklasse der weiblichen Jugend U20 lief sie der Konkurrenz über 4360 Meter letztlich auf und davon (unsere Zeitung berichtete) und erreichte das Ziel nach 15:39 Minuten – 14 Sekunden vor der Zweiten, Tina Eckert (LG Olympia Dortmund).

Dieser Erfolg ist deshalb so hoch zu bewerten, weil sich Anna Gehring selbst aus einem Leistungstief befreit hat: Ihr vergangenes Sportjahr war auch von schmerzlichen Fehlschlägen begleitet, denn nicht immer erreichte sie das Ziel – zum Beispiel bei den Deutschen Crossmeisterschaften im vergangenen Jahr deshalb, weil sie sich auf der Strecke eine Fußverletzung zugezogen hatte.

Und nun der Erfolg in Löningen: Dorthin gefahren sei sie mit einem guten Gefühl: „Ich wollte in die Top-Drei laufen, wusste aber, dass es möglich ist zu gewinnen.“ Letzte Sicherheit habe ihr die Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften (U20) Mitte Februar gegeben. In der Halle in Sindelfingen lief sie über 800 Meter (2:13,85 min.) mit. „Auch wenn ich nicht in den Endlauf kam, war ich damit zufrieden.“ Neben der Laufzeit, die knapp unter ihrer Bestzeit (2:12,50) lag, war für Anne Gehring eine weitere Erfahrung wichtig. „Ich habe in Sindelfingen gemerkt, dass ich Langstrecklerin bin. Besonders beim Start – da war ich Letzte, und es war schwer, nach vorne zu laufen.“ Und dennoch: Ihre Formkurve zeigte nach der intensiven Trainingsarbeit im Winter nach oben: „Ich hatte über die Monate intensiv an meiner Schnelligkeit gearbeitet und die Umfänge insgesamt erhöht.“

In Löningen machte sich das von Anfang an bemerkbar: Sie lief zunächst in der Spitzengruppe mit und war eingangs der dritten Runde mit vier Läuferinnen vorn – der Rest lag an der Stelle schon weit zurück. Nachdem Anna Gehring dort aber auch das Tempo verschärft hatte, blieb nur noch Tina Eckert an ihr dran. Und die scheiterte 800 Meter vor Schluss ebenfalls am Laufvermögen der Itzehoerin. Darauf, dass sich Anna Gehring ihr Meisterschaftsrennen nicht an anderen orientierte, achtete Bundestrainer Andreas Michallek (Leipzig): „Er rief mir in Runde zwei zu, dass ich nicht zu taktisch laufen, sondern meine Stärken zeigen soll.“

Mit dem DM-Titel im Gepäck hat die Rennläuferin verständlicherweise weitere Ziele: „Ich möchte im Sommer in die USA und an den U20-Weltmeisterschaften in Eugene teilnehmen.“ In Oregon ginge es dann für sie auf die 3000-Meter-Strecke. Gefordert wird vom DLV eine Qualifikationszeit von 9:30 Minuten, die Anna Gehring wohl erfüllen wird. Bis jetzt war sie über diese Distanz 9:31,21 Minuten schnell und ist sicher, ihre Zeit aus dem Jahre 2012 auch unter die Norm drücken zu können. Notwendig wird das allemal, denn mit Alina Reh (Erbach), Maria Dietz (Fürth), Mailin Struck (Wedel-Pinneberg), Tina Eckert (Dortmund), Carolin Kirtzel (Wedel-Pinneberg) und Konstanze Klosterhalfen (Leverkusen) machen sich gleich mehrere Konkurrentinnen Hoffnung auf den Flug nach Amerika. „Sie können alle unter 9:30 Minuten laufen.“

Leichter wird das Unterfangen von Anna Gehring nur dadurch, weil in diesem Jahr auch die Jugendolympiade für die U18 veranstaltet wird oder die Konkurrenz auf andere Strecken (800 m, 1500 m, 5000 m) ausweichen könnte und sich damit splittet. „Es ist bereits jetzt sicher, dass es nur einen Start für uns geben wird – entweder bei der Jugendolympiade oder bei der Weltmeisterschaft.“ Für die U18-Olympiade wäre sie zu alt.

Letzte Möglichkeit, sich für die WM zu qualifizieren, hätte sie Anfang Juli bei der Jugend-Gala in Mannheim. „Dort werde ich aber nur dann starten, wenn ich die Norm vorher nicht erfüllt habe.“ Eine frühzeitige Erfüllung der Norm hätte den Vorteil, „dass ich mich dann optimal auf die WM vorbereiten kann“. Wo sie gern starten möchte, um schneller als 9:30 Minuten zu sein? „In Osterode im Harz oder im Ausland. Wo das dann sein wird, entscheidet der Bundestrainer.“

Dem Streben von Anna Gehring blickt auch Heimtrainer André Beltz hoffungsvoll entgegen – mit Blick auf Löningen sagt er: „Dieser starke Start in die Saison wird Anna helfen, dass es eine erfolgreiche Saison wird.“

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