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Fußball-Historie : „Schlappi“ ein echter Sympathieträger

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der torgefährlicher Spaßkicker Ralf Bröckler hat seit seiner aktiven Zeit beim Itzehoer SV mit seiner lockeren Art viele Freunde gewonnen.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 05:06 Uhr

In einer Langzeit-Skala der beliebtesten Fußballer des Landes wäre Ralf „Schlappi“ Bröckler (57) sicher weit oben angesiedelt. Bereits in seiner aktiven Zeit gewann der gebürtige Albersdorfer durch seine sympathische Art auch bei den gegnerischen Spielern viele Freunde, zumal er sportliche Rivalitäten zwar stets ehrgeizig, aber auf die ihm eigene lockere Weise auszutragen pflegte. Insofern eilte ihm schon immer der Ruf des typischen Spaßfußballers voraus. Dieses Merkmal kennzeichnete auch seine Spielauffassung. Der antrittsschnelle Mittelfeldmann praktizierte naturbedingt den technisch betonten Fußball offensiver Prägung mit durchaus eleganter Note und großer Torgefährlichkeit. Verbissene Zweikämpfe führte er dagegen seltener. Die Lebensauffassung und der Beruf haben sich offensichtlich sehr positiv auf den Alterungsprozess des neben dem Fußball schon lange für Wassersport begeisterten Realschullehrers ausgewirkt. Entsprechend dem klassischen Surfer-Stil meistens im Wohnmobil unterwegs und mit halblanger Sturmfrisur sieht man „Schlappi“ sein Alter wahrlich nicht an.

Nach seiner Jugendzeit bei Ditmarsia Albersdorf spielte der Pädagoge bei den Senioren in der Verbandsliga (heute SH-Liga) und in der Amateuroberliga (dritte Spielklasse) ab 1974 zunächst zwei Jahre beim Heider SV und danach jeweils fünf Jahre ( sehr erfolgreich beim Itzehoer SV mit Reich, Haack, Bauer, Dähne, Karzimirow, Reibe), TSV Westerland (mit Popp, Möller, Schulz, Siedschlag, Prahl) und bei Eutin 08 (mit Feilzer, Bebensee, Brunner, Willmer, Drews, Manz), wo er seine aktive Laufbahn mit 36 Jahren auch beendete. Dabei wusste das Fußball-Urgestein Angenehmes mit Nützlichem durchaus zu verbinden. Während er seine Stationen an der Westküste in Heide und Itzehoe nach eigenem Bekunden in der Nachbetrachtung als eine Art Herzensangelegenheit sieht, habe es in Westerland und Eutin für gute Leistungen auch gutes Geld gegeben. „Beide Clubs wollten unbedingt den Erfolg und wurden von großzügigen Mäzenen gesponsert. Obwohl ich damals unter anderem Angebote von St. Pauli und VfB Lübeck hatte, schienen die kleineren Clubs für mich attraktiver. Und das war auch genau richtig, denn dort habe ich in Topmannschaften gespielt, viel erlebt und zahlreiche Freundschaften geschlossen, die bis heute halten“, sagt Bröckler heute. Einen großen Teil seiner Freizeit widmet er daher den Begegnungen mit alten Freunden und Weggefährten an allen früheren Wirkungsstätten. Neben Auftritten in Benefizspielen mit Auswahlteams wie der Nord-Ostsee-Auswahl trifft man den Techniker auch schon mal bei der Altliga des Itzehoer SV oder bei einem Match mit den Oldies des TSV Westerland an. Letztere spielen beispielsweise in regelmäßigen Abständen gegen die Altersgenossen des NTSV Strand 08, mit denen sich bereits in früheren Punktspielzeiten eine besonders freundschaftliche Beziehung entwickelt hatte. Im Winter kickt der seit vielen Jahren bei Gettorf ansässige Lehrer im nahen Kiel auch regelmäßig in der Halle unter anderem mit alten Kumpels aus der Zeit in der Kieler Uni-Auswahl und weiteren bekannten Fußballern.

In seiner aktiven Zeit habe ihn die Zeit beim Itzehoer SV am meisten geprägt. „Itzehoe war damals ein heißes Pflaster. Wir waren eine gute Truppe, haben oft vor 3000 oder 4000 Zuschauern gespielt und zu Hause fast alles gewonnen. Die Stimmung war sehr emotional. Das hat mich als jungen Spieler stark beeindruckt. Wenn ich daran denke, kriege ich noch immer eine Gänsehaut“, bekennt Bröckler. Der Kreis hat sich für ihn insofern geschlossen, als er seit nunmehr 18 Jahren eben in Itzehoe an der Klosterhofschule tätig ist und praktisch täglich alte Freunde trifft.

Die Zeit in Westerland sei unter Boss Dr. Kraatz und Manager Schuller hingegen sehr speziell gewesen. Trainiert wurde auf dem Festland nur einmal pro Woche. Zum Spiel ging es mit dem Zug meistens in letzter Minute auf die Insel, wo die gegnerische Elf sich oft bereits warm machte. „Das Team war aber so ehrgeizig und stabil, dass wir trotzdem sehr erfolgreich spielten“, erinnert sich der damalige Angreifer.

Unter dem früheren Sponsor Steffen Oppermann als schillernde Figur sei auch die Ära Eutin laut Bröckler eine aufregende Zeit für ihn gewesen, die er nicht missen möchte. „Es war einfach Klasse, mit Ex-Profis wie Horst Feilzer, Holger Willmer oder Norbert Bebensee zu kicken“, schwärmt Bröckler. Bleibende Eindrücke habe auch der exzentrische Sponsor hinterlassen, der keine Kosten und Mühen für seine Marotten gescheut habe. So wurde von ihm anlässlich eines Punktspiels auf der Lübecker Lohmühle eigens der frühere NDR-Moderator Reiner Koppke engagiert, der eine private Videoaufnahme Oppermanns vom ganzen Spiel mit einem Original-Kommentar versah. Vom Video wurden zur Erinnerung Kopien an alle Eutiner Spieler verteilt. Bröckler: „Das Video besitze ich heute noch und schaue ab und zu mal rein. Wir spielten 3:3, und ich habe ein Tor beigesteuert.“ Oppermann habe auch leidenschaftlich Tipp-Kick gespielt. Legendäre Turniere des Eutiner Teams organisierte der Sponsor damals persönlich in einem jugoslawischen Restaurant. „Was da manchmal ablief, war schon irre. Aber wir hatten Spaß.“

Im Übrigen hat der Dithmarscher bereits als Jugendlicher viele SHFV-Auswahlspiele absolviert. Unter Auswahl-Trainer Hans Merkle (früher Bundesliga-Trainer beim 1. FC Köln) waren es bei den Senioren etwa 30. Merkle verpasste Ralf Bröckler wegen seiner weiten Jogginghose beim Training auch den Spitznamen „Schlappi“.

Neben den Auswahlspielen bildete außerdem mit der Kieler Uni-Auswahl eine Reise nach Jordanien einen Höhepunkt.

Eine enge persönliche Freundschaft verbindet Ralf Bröckler seit Studienzeiten überdies mit ARD-Moderator Gerhard Delling, an dessen 50. Geburtstag er 2009 zu einem Benefizspiel mit anschließender Feier eingeladen war und zusammen mit Altinternationalen wie Uwe Seeler, Günter Netzer oder Max Lorenz in einem Team stand.

Nach der aktiven Zeit war Bröckler ab 1992 als Trainer ein Jahr bei TuS Felde, fünf Jahre bei der SG Westensee, zwei Jahre beim Itzehoer SV und fünf Jahre beim Gettorfer SC tätig, wo heute auch sein Sohn spielt. Den Trainerjob hat er 2010 an den Nagel gehängt, um sich mehr der Familie und dem Segeln zu widmen. Den Gettorfern steht er heute aber noch beratend zur Seite. Ralf Bröckler ist verheiratet (die Silberhochzeit war kürzlich) und er hat außer einem Sohn auch noch eine Tochter.

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