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Reitsport : Peter Ratjen erfüllt sich seinen Traum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Platz sechs beim Deutschen Springderby ist die Saison für den Breitenburger Reiter jetzt schon nicht mehr zu toppen.

Die „Grüne Saison der Reiter“ ist zwar noch nicht zu Ende, aber ein Springreiter aus der Masse der Steinburger Reiterei hat bereits jetzt Grund, mit ihrem Verlauf vollauf zufrieden zu sein. Es ist Peter Rathjen, dem in diesem Jahr ein ganz großer Wurf gelang: Auf La-Emotion platzierte er sich beim „Deutschen Springderby“ als Sechster.

Über diesen Erfolg und die Wege dorthin sprach der 32-Jährige, der als studierter Landwirt am Rande des Kreises Steinburg einen Grünlandbetrieb mit Angus-Mutterkühen bewirtschaftet, mit unserer Zeitung. Im Bereich der hiesigen Reiterwelt bekannt geworden ist Peter Rathjen aber auch durch seine Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften für Junge Reiter: 2003 wurde er Achter und 2004 Fünfter.

Den Wunsch, an der Traditionsprüfung in Hamburg-Klein Flottbek einmal teilnehmen zu dürfen, hatte der für den Reiterverein Breitenburg startberechtigte Springreiter bereits im Kindesalter. „Schon als Neunjähriger hatte ich mir das Turnier live angesehen und lernte danach die Stationen des Derby-Parcours in- und auswendig. Dort zu reiten und mich gut zu platzieren, war schon immer mein Traum.“

Das „Deutsche Springderby“ gilt in Fachkreisen als „schwierigstes Derby“ der Welt. Die Besonderheit: Es wird seit 1920 auf einem Parcours entschieden, der aus Naturhindernissen besteht und dessen Linienführung seitdem unverändert ist: Pulvermanns Grab, der Große Wall mit der Weißen Planke hinter dem Wallabhang oder die Irischen Wälle sind Hindernisse, die die Reiterwelt kennt.

Aus den beiden Qualifikationsspringen für das Derby waren Peter Rathjen und La-Emotion als 15. hervorgegangen. Möglich machten dieses Rangieren ein achter Platz in der ersten Prüfung (0 Fehlerpunkte, 93,22 sec.) und der 27. Rang in der darauf folgenden (8 Fehlerpunkte, 122,32 sec.). Sein Gedanke, bevor es ans Finale ging: „Super, dass ich teilnehme. Hoffentlich erreiche ich das Ziel.“

Doch dann lief es für den Breitenburger besser als erwartet: Auf La-Emotion riss er lediglich die Weiße Planke und hatte einen Abwurf beim Einsprung in Pulvermanns Grab. Und mit 174,00 Sekunden schaffte das Paar die beste Zeit von denen, die ebenfalls mit acht Fehlerpunkten belastet waren. Dass es im Endklassement eine gute Rolle spielen wird, zeigte sich bereits zur Pause, nachdem zwei Drittel der Konkurrenz den Umlauf beendet hatte: Peter Rathjen und La-Emotion lagen zu dem Zeitpunkt an erster Stelle. Schon da war für ihn klar: „Meine Erwartungen sind um ein Vielfaches übertroffen.“

Und dennoch war der Erfolg von Peter Rathjen und La-Emotion belastet: Sein Pferd hatte sich am sechsten Hindernis, dem Großen Wall, verletzt. Folge: Peter Rathjen verlud La-Emotion und fuhr mit dem Tier nach Seester in die Tierklinik zu Dr. Gertjan Zeeuw. Dort bestätigte sich der Verdacht des Turnier-Tierarztes, es könnte eine Gefäßverletzung sein. Dennoch Erleichterung bei dem Reiter: „Nachdem die Wunde noch am Abend chirurgisch versorgt worden war, gab die Tierklinik Entwarnung: Es wird kein Schaden bleiben.“

Mit Blick auf die Vierbeinerin, die im Besitz von Helga und Matthias Tiedemann aus Oeschebüttel ist, sagt Peter Rathjen: „Ich hatte gar nicht gemerkt, dass sich La-Emotion verletzt hatte, und die Stute gab mir auch kein entsprechendes Zeichen. Sagen kann ich, dass La-Motion immer auf die andere Seite vom Hindernis will, Verweigern gibt es bei ihr nicht.“ Unterstrichen wird diese Charaktereigenschaft der Stute von Matthias Tiedemann: „Fachleute haben gesagt, dass es nur wenige Pferde gibt, die den Parcours ohne zu zögern so zu Ende springen.“

Im Beritt hat Peter Rathjen La-Emotion seit September 2012. Rückblickend sagt er: „Es war von Anfang an das Ziel, mit dem Pferd das Derby zu probieren.“ Dass es möglich sein muss, hatte er an Christopher Frazer (RV Breitenburg) gesehen, der vor drei Jahren mit der Stute auf dem Derby gestartet war. Was Peter Rathjen sicher machte: „La-Emotion bringt die passenden Veranlagungen mit: Sie kann alles springen, hat großes Springvermögen und behält dabei die Übersicht. Für das Derby Grundvoraussetzungen.“

Um sich optimal auf die Herausforderung in Klein Flottbek vorbereiten zu können, baute er alle Sprünge wie Birken- und Buschoxer oder Tor und Gatter nach und stellte sie auf die entsprechende Länge von 1250 Metern. Einzig der Großen Wall passte nicht auf seinen Trainingsplatz auf dem Gelände von Karsten Huck, unter dem Peter Rathjen auch trainiert. Um den Großen Wall aber annähernd trainieren zu können, begab sich das Paar in die alte Sandkuhle in Brokstedt, wo es zwar deutlich höher als in Klein Flottbek ist, aber nicht so steil. Bezogen auf die Einheiten in der Sandkuhle betont der Reiter: „Es geht darum, dass das Pferd Vertrauen bekommt, oben am Wall über die Kante zu treten.“ Auch für den Reiter sei das Bild beim Derby ungewohnt: „Ich hatte schon im letzten Jahr gestaunt: Man ist über den Zuschauern und blickt aus einer Höhe von sechs Metern auf den Derbyplatz.“

Die Erfolgsgeschichte von Peter Rathjen und La-Emotion wäre ohne Helga und Matthias Tiedemann nicht denkbar. Beide kennen den Reiter bereits seit vielen Jahren und haben ihm die Stute guten Gewissens für den Sport überlassen: „Wir hatten keine Bedenken, denn wir kennen Peter schon seit Jahren“, stellt Matthias Tiedemann heraus. Und Helga Tiedemann ergänzt: „Entscheidend war das Verhältnis zum Reiter und zum Trainer.“ Und da sei auch Karsten Huck, der 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul Bronze auf Nepomuk gewonnen hätte, ein Garant für Verlässlichkeit.

Mit Karsten Huck und dessen Ehefrau pflegt Peter Rathjen schon lange ein gutes Verhältnis: „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich im Ausbildungsstall von Gudrun und Karsten Huck trainieren darf und solche Pferdebesitzer an meiner Seite habe.“ Dankbar sei er auch Sato Jijima und Leni Dufner, „die mich am Derbywochenende sehr unterstützt haben“.

Auch wenn Peter Rathjen in seinem Beruf gefordert ist: Turnierreiter will er bleiben – nach dem Erfolg beim diesjährigen Springderby erst recht. Seine Ziele sind die Landesmeisterschaften in Bad Segeberg in diesem Jahr und das Deutsche Springderby im Mai 2016. Zudem erhofft er sich angesichts des sechsten Platzes von 2015, bei den großen Hallenturnieren in Kiel und Neumünster Startplätze zu bekommen.

Freude hat der Erfolg des Breitenburger Paares beim diesjährigen Springderby auch bei Breido Graf zu Rantzau ausgelöst. Der Vorsitzende des RV Breitenburg sagt: „Peter Rathjen ist von klein auf ein talentierter Reiter gewesen, den Karsten Huck sehr gefördert hat. Durch seine Ausbildung zum Landwirt hat er ein paar Jahre wenig im Sport getan und kommt nun wieder richtig in Schwung. Sein Pferd gehört dem bekannten Jungpferdeausbilder „Tiger“ Tiedemann, dem ich diesen Erfolg auch sehr gönne.“  

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