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Handball : MTV Herzhorn feiert Sieg der Moral

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Oberliga-Handballerinnen drehen Drei-Tore-Rückstand kurz vor dem Abpfiff zum 25:24 gegen die SG Niendorf/Wandsetal.

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erstellt am 18.Sep.2017 | 05:21 Uhr

Das war nichts für schwache Nerven: Zum Saisonauftakt gewannen die Oberliga-Handballerinnen des MTV Herzhorn ihre Heimpartie gegen den Hamburger Aufsteiger SG Niendorf/Wandsetal zum Pflichtspiel-Einstand des neuen Trainerduos Olaf Winter/Nils Brämer nach einem wahren Krimi mit 25:24 (11:15). Damit war am späten Freitag-Abend kaum noch zu rechnen, nachdem die Gastgeberinnen bis kurz vor dem Abpfiff zurückgelegen hatten – zeitweise gar mit bis zu fünf Toren.

Vor rund 200 Besuchern gingen die Herzhornerinnen früh in Führung und behaupteten diese bis zum 5:3 (10.). In erster Linie Yana Hesse (mit zwei verwandelten Siebenmetern) und Sarah Winkowski aus dem Rückraum hatten dafür gesorgt. Doch der Hamburger Aufsteiger überwand seine anfängliche Scheu, kam seinerseits durch Rechtsaußen Sabrina Dorsch beim 6:5 (14.) zur ersten Führung in dieser Partie und gab sie lange nicht mehr ab.

In der Folge taten sich die meist eher klein gewachsenen Herzhornerinnen im gebundenen Angriff ziemlich schwer gegen ihre größeren Gäste. Der MTV baute sein Spiel zu nah an der gegnerischen Defensivlinie auf und kassierte in der Folge einen Ballverlust nach dem anderen.

Beim 8:8 (20.) konnte Jule Hinze für Herzhorn per Tempogegenstoß noch ausgleichen, doch dann zog die SG binnen drei Minuten bis zum 12:8 (23.) durch ihre Haupttorschützin Viktoria Schütze (ingesamt sieben Treffer) davon. Der MTV war nun völlig von der Rolle und konnte sich zu diesem Zeitpunkt bei der eingewechselten Annkristin Schmidt bedanken. Sie sorgte mit zwei Treffern aus dem Rückraum dafür, dass der Rückstand bis zur Pause zumindest stabil bei vier Toren blieb. „Die Partie war bis etwa zur 15. Minute ausgeglichen, dann haben wir die Bindung zueinander verloren“, analysierte später Herzhorns Co-Trainer Nils Brämer. „Es gab dann in der Halbzeit auch eine entsprechende Kabinenpredigt.“

Die verfehlte zumindest kurzfristig nicht ihre Wirkung. Elina Hesse und Mareike Hoffmann brachten ihr Team beim 13:15 (32.) schnell bis auf zwei Tore heran. Doch der Elan verpuffte zunächst wieder: Fehlpässe, Zeitstrafen, vergebene Siebenmeter, Würfe an das Torgebälk – die Herzhornerinnen ließen kaum etwas aus, womit sich ein Handballteam das Leben schwer machen kann. So zogen die Gäste wieder davon und hielten den MTV mit drei bis fünf Toren auf Abstand. Als der Siebenmeter von Jessica Schwarz äußerst glücklich vom Rücken der Herzhorner Keeperin Svenja Mevert zum 17:22 (45.) den Weg in die Maschen fand, schien auch das Spielglück die Gastgeberinnen verlassen zu haben.

Doch weder die Coaches noch das Team verloren den Glauben an sich. „Komm, da geht noch was“, puschte Trainer Olaf Winter seine Schützlinge, als Yana Hesse von Linksaußen zum 19:22 (49.) traf. Der MTV-Coach war mittlerweile an der Seitenlinie mindestens so aktiv in Bewegung wie sein Team.

Die Herzhornerinnen gingen am Kreis nun verstärkt ins Eins-gegen-Eins und fanden dabei die Lücken in der SG-Abwehr. Gleichzeitig schien den Gästen ein wenig die Puste auszugehen. Beeke Dreeßen setzte den letzten SG-Treffer zum 21:24 in der 53. Minute. Ansonsten machten Maike Langenberg und Mareike Hoffmann das Herzhorner Abwehrzentrum dicht.

Auch die Kulisse wurde nun zum Faktor und unterstützte die MTV-Aufholjagd. In diesem Hexenkessel behielt ausgerechnet die Jüngste in Blau-Gelb die Nerven. Jule Hinze brachte ihr Team zunächst von Rechtsaußen beim 23:24 (55.) wieder in Schlagdistanz. Entscheidend war dann ihre Ruhe an der Linie: Mit zwei verwandelten Siebenmetern, nachdem drei ihrer Teamkolleginnen nach der Pause von dort bereits vergeben hatten, stellte die 19-Jährige das Resultat tatsächlich noch auf 25:24 (58.) für Herzhorn.

In der verbleibenden, hektischen 90 Sekunden spielten beide Teams ihr Angriffe nicht mehr konzentriert aus. Herzhorns Co-Trainer Nils Brämer: „Die Mannschaft hat in der zweiten Hälfte eine tolle Moral gezeigt. Ausschlaggebend war aber auch die Umstellung auf eine 4:2-Abwehr und das Angriffsspiel mit zwei Kreisläufern. Letztlich wäre ein Unentschieden aber auch nicht ungerecht gewesen.“ Einfacher drückte es hinterher die vierfache Herzhorner Torschützin Annkristin Schmidt aus. Auf die Aussage eines Zuschauers, ihr Team habe es aber spannend gemacht, meinte sie nur. „Ja, sonst kommt ihr doch beim nächsten Mal nicht wieder.“

MTV Herzhorn: Mareike Struck (1.-30.), Svenja Mevert (31.-60.) - Annkristin Schmidt (4/1), Yana Hesse (4/2), Elina Hesse (3), Maike Langenberg (1), Mona Beck, Mareike Hoffmann (3/1), Annika Schulz, Sarah Winkowski (4), Jule Hinze (6/2), Verena Wagner, Sarah Baudzus.

Haupttorschützen SG Niendorf/Wandsetal: Viktoria Schütze (7/2), Jessica Schwarz (5), Lisa Schilk, Beeke Dreeßen, Sabrina Dorsch (je 3).

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