Ausblick : Möglichst bald auf die Füße kommen

Christina Jansen möchte bald wieder Sport treiben können – möglichst auf dem Trampolin.
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Christina Jansen möchte bald wieder Sport treiben können – möglichst auf dem Trampolin.

Nach dem schweren Unfall bei den Trampolin-Weltmeisterschaften möchte Christina Jansen wieder schmerzfrei Sport treiben können.

shz.de von
01. Januar 2015, 14:36 Uhr

Für sie sollte es der letzte große Auftritt bei Trampolin-Weltmeisterschaften werden. Entsprechend gut vorbereitet flog Christina Jansen (30) nach Daytona Beach in Florida, um dort den Wettkampf auf ihrem Spezialgerät aufzunehmen (unsere Zeitung berichtete). Doch das Turnen auf dem Doppelminitrampolin endete für die mehrfache Deutsche Meisterin aus Itzehoe mit einer Enttäuschung: Im zweiten Durchgang des Vorkampfes war sie bei einem Doppelsalto gestreckt zu flach aus dem Tuch gekommen und hatte sich bei der ebenfalls verunglückten Landung an beiden Sprunggelenken verletzt. Seit Mitte November stecken beide Beine in Gips, den rechten Fuß darf sie erst seit einigen Tagen wieder belasten. Zurzeit hofft sie darauf, dass die in München in einer Spezialklinik erfolgte Operation am linken Fuß den erwünschten Erfolg hat.

Für Christina Jansen, die am Klinikum Bad Bramstedt arbeitet und sich als Assistenzärztin in der Weiterbildung für die Orthopädie befindet, ist Trübsal blasen dennoch nicht angesagt. „Ich hoffe, dass ich im Frühjahr des nächsten Jahres wieder soweit hergestellt bin, dass ich zumindest wieder schmerzfrei laufen kann und wieder mit dem Sporttreiben beginnen darf.“ Sollte das eintreten und sollten ihren physischen Voraussetzungen es auch zulassen, dann wäre sie nicht abgeneigt, sich danach wieder auf nationaler Ebene zu versuchen: „Für die Deutschen Meisterschaften auf dem Großgerät im Herbst nächsten Jahres bin ich schon qualifiziert.“

Und dennoch: Daytona Beach ist nicht so gelaufen, wie sie und der Bundestrainer es sich gedacht hatten. „Ganz klar“, sagte Christina Jansen im Gespräch mit Unserer Zeitung, „ich bin enttäuscht, denn ich war gut vorbereitet.“ Das Training in Deutschland und in den USA sei super gelaufen, und auch das Einturnen vor dem Qualifikationswettkampf wäre frei von Beanstandungen gewesen. Die Hoffnungen auf eine Finalteilnahme nahmen für sie Gestalt an.

Ihren ersten Durchgang mit den in beiden Sprüngen gezeigten Figuren quittierten die Kampfrichter mit 33,00 Punkten. „Zufriedenstellend“, wie Christina Jansen bemerkte. Und diese hoffnungsvolle Punktzahl war dann auch der Grund, warum sie im zweiten Durchgang „alles riskierte“. Sie habe das Finale eben „perfekt machen“ wollen. Dass es am Ende nichts mit der Einzelplatzierung unter den besten acht Turnerinnen der Welt geworden ist, bedauere sie angesichts der Tatsache, dass das Finale mit etwas mehr Glück möglich gewesen wäre.

Christina Jansen, viele Jahre Mitglied im Bundesligateam der Vereine Gut Heil beziehungsweise Sportclub Itzehoe und in Einzelkonkurrenzen startberechtigt für den VfL Pinneberg, hat national und international gesehen auf dem Doppelmini-Trampolin viel erreicht. Zu Recht darf gesagt werden, dass sie die erfolgreichste Turnerin der letzten 14 Jahre auf diesem Gerät in Deutschland ist: Ihre erste internationale Medaille holte sie im Jahre 2000 bei den Jugend-Europameisterschaften mit der deutschen Mannschaft in Eindhoven. Es folgten WM-Mannschaftsbronze in Hannover (2003), EM-Mannschaftssilber in Sofia (2004) und Varna (2010) sowie Einzelbronze in Varna (2010). Darüber hinaus vertrat die Itzehoerin deutsche Farben bei den World-Games in Duisburg (2005). Mehrere Gold-, Silber und Bronzemedaillen bei nationalen Meisterschaften vervollständigen ihre eindrucksvolle sportliche Bilanz.

Im Laufe ihrer Karriere hat sich Christina Jansen bei Deutschen Meisterschaften in Einzel- und Mannschaftswettbewerben auf dem Doppelmini-Trampolin und auf dem Trampolin-Großgerät insgesamt 28 Medaillen erturnt – elfmal Gold, zwölfmal Silber und fünfmal Bronze.

Dass sie trotz Rückschlägen, 2007 zog sich Christina Jansen eine schwere Fußverletzung mit Bänderrissen zu, immer wieder auf die großen Bühnen des internationalen und nationalen Trampolinsports zurückgekehrt ist, schreibt die Turnerin ihrem „Ehrgeiz“ zu. Gepaart mit dem Sinn für das entsprechend notwendige Training in Qualität und Quantität ist dieser Charakterzug, der von einer starken Psyche begleitet wird, eine gute Voraussetzung für den Erfolg. Der Trampolinsport habe ihr sehr viel Gutes gebracht: „Trotz des Unfalls in Daytona Beach – ich möchte die Zeit nicht missen.“

Auch wenn die Itzehoerin nun nicht mehr ins internationale Geschehen auf dem Doppelmini-Trampolin eingreifen wird, werde sie überwiegend gute Gedanken mit in die Zukunft nehmen. Deshalb: „Ich muss den Unfall akzeptieren, und als Leistungssportlerin muss ich ihn auch einkalkulieren.“ Und deshalb sei jetzt ihre wichtigste Aufgabe, „alles zu tun, um wieder ganz gesund zu werden“. Dass es ihr damit ernst ist, macht der momentane Tagesablauf von Christina Jansen deutlich: „Ich lebe zwar vorerst im Rollstuhl und gestalte daraus auch mein Leben wie kochen und alles andere, doch die täglichen drei Stunden in der Rehabilitation brauche ich, um so schnell wie möglich wieder eigenständig auf zwei Füßen zu stehen.“ Und dazu gehöre auch, sich weiterhin als Aktivensprecherin auf Landesebene und Bundesebene (Beeich DMT) sowie als Dopingbeauftragte für den Bereich des SHTV einzusetzen.

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