Beim 16. Itzehoer Störlauf dabei : Mirco Seefeld ist begeistert vom Laufen

Training: Michael Rost (links) und Mirco Seefeld absolvieren eine Runde im Itzehoer Cirencester-Park.
1 von 3
Training: Michael Rost (links) und Mirco Seefeld absolvieren eine Runde im Itzehoer Cirencester-Park.

Sehbehinderter Junge aus Oldendorf startet mit Helfer Michael Rost über fünf Kilometer

von
06. Mai 2015, 05:00 Uhr

Dienstagabend beim Störlauf-Lauftreff. Die Teilnehmer warten auf das Eintreffen von Lauftreff-Gründer Michael Rost. Unter ihnen Mirco Seefeld. Der 15-jährige Oldendorfer ist seit Geburt sehbehindert. Seine Mutter hat ihn zum Treffpunkt im Cirencester-Park geführt. Während sich die anderen Läufer angeregt unterhalten, steht Mirco zurückhaltend etwas abseits. Als er jedoch die Stimme von Michael Rost hört, ist seine Zurückhaltung wie weggeblasen. Die Freude darauf, dass er gleich mit Rost auf der Störlaufstrecke trainieren wird, ist ihm deutlich anzumerken. Beide wollen zusammen am Sonnabend über fünf Kilometer starten.

Es ist nicht die erste Teilnahme für Mirco beim Itzehoer Kultlauf. Mit der Schule hat er bereits zweimal am Walken teilgenommen. Diesmal ist der Start beim Störlauf aber etwas ganz Besonderes, darf er doch zum ersten Mal auf die Laufstrecke. „Dass sich ein Traum erfüllt wäre übertrieben“, sagt er. Aber er freue sich gewaltig auf den Lauf und genieße schon jetzt das wöchentliche gemeinsame Training mit Michael Rost.

Wie bereits erwähnt ist Mirco Seefeld seit Geburt sehbehindert, was im Laufe der Jahre immer schlimmer geworden ist. Er kann heute nur hell und dunkel unterscheiden. Mirco besucht die Steinburg Schule, zu der er täglich allein mit dem Bus fährt. Im Sommer 2014 war er zu einer Rehamaßnahme auf Rügen, wo ein Sport für ihn herausgefunden werden sollte, den er zu Hause regelmäßig ausführen kann. Über den Störlauf fanden die Therapeuten Michael Rost, der als Störlaufteff-Leiter vor 15 Jahren damit begonnen hat, Menschen „das Laufen beizubringen“, wie er selbst sagt. Der 54-Jährige hat mit 27 Jahren seinen ersten Marathon bestritten. Damals trainierte er als Amateur sehr leistungsorientiert und erreichte relativ schnell eine Zeit von 2:46 Std. im Marathon. „Den Aufwand konnte ich aber irgendwann nicht mehr leisten, bin zwar weiter Marathon gelaufen, es stand dann aber der Spaß und die Freude am Laufen an erster Stelle“, erzählt Rost. Irgendwann bekam er ein Buch über den im Kindesalter erblindeten afrikanischen Läufer Henry Wanyoike in die Hand, der es später sogar zum Sieger bei den Paralympics gebracht hat. „So etwas geht natürlich nur mit einem Helfer, der ihn begleitet. Das hat mich damals so fasziniert und den Wunsch reifen lassen, einmal selbst als Helfer laufen zu wollen.“ Er habe dies aber nicht aktiv gesteuert, sondern wollte es einfach auf sich zukommen lassen. Das passierte schließlich an einem Dienstagabend im vergangenen Jahr, als der Anruf eines Therapeuten von der Insel Rügen kam. „Er erzählte mir, dass sie einen Jungen aus der Nähe von Itzehoe zur Reha bei sich hätten, der sehr gerne läuft. Sie würden jetzt jemand suchen, der ihn dabei begleitet.“ So kamen Mirco Seefeld und Rost zusammen.

Der Kontakt zu dem Sporttherapeuten ist seitdem nicht abgerissen. Rost berichtet ihm regelmäßig vom gemeinsamen Laufen mit Mirco. „Der Junge kann es immer kaum erwarten, wenn wir zweimal wöchentlich laufen.“ Daneben halte sich Mirco aber auch durch Schwimmen in der Schule und mit einem Home-Fahrrad oder Stepper fit. „Beim Laufen sind wir durch ein kurzes Seil verbunden. Unser im vergangenen Jahr gestecktes Ziel, am Störlauf teilzunehmen, steht nun kurz bevor.“ Es gehe dabei nicht um das Erreichen einer Bestzeit, sondern einfach nur um das Erlebnis an einem großen Laufereignis teilnehmen zu können. Deshalb würden beide auch Laufpausen einlegen. „Auch hier steht der Spaß am Laufen im Vordergrund, denn den soll Mirco noch lange haben.“ Ob er dann wie Wanyoike auch einmal bei den Paralympics starten wird, könne man natürlich nie ausschließen. „Leistungsorientiert trainieren wir aber nicht“, so Michael Rost.

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen