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Leichtathletik : Meistertitel für Peer Sönksen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der aus Hohenlockstedt stammende 17-Jährige düpiert die deutsche U18-Elite und gewinnt in Jena über die 3000-Meter-Strecke.

Peer Sönksen aus Hohenlockstedt ist Deutscher Meister der Altersklasse U18. Der für den SC Neubrandenburg startberechtigte Läufer, der das dortige Sportgymnasium besucht und im angeschlossenen Internat lebt, sicherte sich den Titel bei den nationalen Jugendmeisterschaften in Jena über 3000 Meter nach furiosem Endspurt in 8:34,70 Minuten vor dem Favoriten Markus Gröger (LC Breisgau/ 8:34,80).

Ausschlaggebend für den Sieg des erst 17-jährigen mit Wurzeln im Kreis Steinburg waren neben dem nötigen taktischen Verständnis in erster Linie der Glaube, selbst in aussichtsloser Position noch eine Chance gegen einen übermächtig scheinenden Gegner zu haben.

Nach dem Startschuss bekam Peer Sönksen schnell das Gefühl, dass die Gegner taktieren wollten. Jedenfalls ergriff zunächst niemand im 15er-Feld die Initiative und sorgte für ein schnelles Tempo. Weil er sich sicher war, im Spurt gegen die ganz Starken keine Chance zu haben, setzte sich Peer Sönksen nach 100 Metern an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Angesichts der Stärke von Markus Gröger, der Breisgauer war in diesem Jahr schon knapp über 8:20 Minuten geblieben, hatte sich Peer Sönksen darauf eingestellt, „so lange wie möglich an Markus dranzubleiben, bis er sich letztlich auf und davon macht“. Doch daraus wurde lange nichts – bis zwei Runden vor Schluss hielt sich der Favorit zurück, um dann die von Peer Sönksen angeführte Fünfergruppe zu verlassen und dem Ziel unbedrängt entgegenzueilen.

Zunächst sah es auch danach aus, als würde Markus Gröger seiner Favoritenrolle gerecht werden können und den mit langsamerer Qualifikationszeit (8:55,52) gemeldeten Hohenlockstedter bis zum Ziel hin dominieren. Jedenfalls wuchs der Vorsprung schnell auf fünf und danach auf zehn und sogar 15 Meter an.

Eine halbe Stadionrunde vor Schluss, Peer Sönksen sah an der Marke für viele bereits wie der Geschlagene aus, rief ihm sein Trainer Frank Heimerdinger zu: „Probier es noch mal.“

Das war bei dem relativ großen Abstand zum Führenden zwar leichter gesagt als getan, doch sein Läufer tat alles, um dem Eindruck entgegenzuwirken, er hätte bis zum Schluss nicht alles gegeben. Und dennoch: An das gute Ende geglaubt habe er zu dem Zeitpunkt nicht, dafür sei er „kein guter Sprinter“, stellte der 17-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung heraus.

Doch dann verkürzte er wider Erwarten auf den letzten 100 Metern den Abstand zu dem immer kraftloser werdenden Markus Gröger zusehends und überspurtete den Favoriten noch kurz vor der Ziellinie. Am Ende betrug sein Vorsprung vor dem ausgepowerten Gegner eine Zehntelsekunde. Peer Sönksen hatte Gold, betonte aber in dem Zusammenhang: „Ich war nach Jena gekommen, um eine gute Zeit zu laufen, und die ist mir wichtiger als der Sieg.“

Zur Klarstellung: 8:34,70 Minuten sind nicht nur gut, sie sind für einen 17-Jährigen außergewöhnlich gut und werden im Jugendbereich U18 nur von spezialisierten Topathleten erzielt. Ein Vergleich: Der Landesrekord (U18) wird in Schleswig-Holstein von Andree Green (Spiridon Schleswig) gehalten, der 1990 eine Zeit von 8:31,67 Minuten gerannt war – als Spezialist im Laufbereich. Doch dafür hält sich Peer Sönksen nicht, denn er ist Triathlet und hatte kürzlich in Verl bei den Deutschen A-Jugendmeisterschaften nach 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen in 54:39 Minuten nicht nur gesiegt, sondern sich auch gleichzeitig für die Junioren-Weltmeisterschaften Mitte September in Chicago empfohlen und war von seinem Bundesverband für die Wettkämpfe im älteren Jahrgang nominiert worden.

Die Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaften in den USA sind auch der Grund, warum Peer Sönksen das Thema Leichtathletik für dieses Jahr ad acta gelegt hat. Bei der hohen Herausforderung, die auf ihn zukomme, könnte er ohnehin nicht doppelgleisig fahren. Das ließe der Trainingsplan, den er beim SC Neubrandenburg unter Frank Heimerdinger umsetze, nicht zu.

Dass ein Jugend-Triathlet, selbst wenn er schon seit Jahren läuferisches Vermögen hat, die gesamte nationale Jugendspitze in die Schranken verweist, dürfte nicht nur Peer Sönksen selbst verblüfft haben. Dass es so kommen kann, haben viele zur Kenntnis nehmen müssen – auch der Fernsehreporter, der angesichts des Riesenvorsprungs von Markus Gröger betonte, den Titel werde sich der Breisgauer „jetzt nicht mehr nehmen lassen“. Da lag er schwer daneben.

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