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Triathlon : Manfred Schmidt kämpft sich durch

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Athlet trotzt beim Ironman Florida mit eisernem Willen seinen körperlichen Problemen. Er läuft kurz vor Ablauf der Höchstzeit durch das Ziel.

von
erstellt am 21.Dez.2015 | 18:28 Uhr

So wie geplant verlief die diesjährige Auflage des Ironman Florida für den Itzehoer Triathleten Manfred Schmidt nicht gerade: Mit einer Endzeit von 16:41:25 Stunden blieb er mehr als fünf Stunden über seiner Bestzeit. Obwohl dieses Rennen über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen in Panama City Beach am Golf von Mexiko als einer der schönsten unter den weltweit ausgetragenen Ironman-Wettkämpfen zur Qualifikation für den Ironman auf Hawaii gilt, musste Schmidt diesmal mächtig Federn lassen. Am Training konnte es nicht gelegen haben, da sich das absolvierte Pensum in den ersten zehn Monaten 2015 im selben Rahmen wie in den Vorjahren bewegte: 130 km Schwimmen, knapp 6  000 km Rad und gut 1  300 Laufkilometer.

Aber die Bedingungen in Florida sind alles andere als konstant. War im vergangenen Jahr am Wettkampftag eine Kaltfront mit starken Winden durchgezogen, so dass das Schwimmen nicht stattfinden konnte und das Radfahren stark unter der Kälte und dem Wind litt, war diesmal „endless Summer“ mit 28 Grad Celsius, sehr hoher Luftfeuchtigkeit (>90 %) und gewittriger Luft angesagt. Beim Ironman gibt es eben viele nicht planbare Unwägbarkeiten, im Wettkampf selbst sowie auch in der Vorbereitungsphase. So entschieden sich von den 2  980 gemeldeten Athleten/innen bereits im Vorfeld 574 dafür, gar nicht erst an den Start zu gehen.

Dabei hatte es für den 57-Jährigen gar nicht mal schlecht begonnen. Das Schwimmen absolvierte Schmidt trotz einer nicht zu unterschätzenden Brandung und lang laufender Wellen vor der Küste in 1:19:09, womit er als 516. von 2  406 Startern aufs Rad wechseln konnte. Hier lief es für Schmidt zunächst einwandfrei und bei konstant gefahrenem Tempo schienen die angepeilten sechs Stunden für die Rad-Etappe beim Passieren der 160-km-Marke problemlos erreichbar. Aber auf den dann folgenden acht Kilometern gegen den Wind bis zur letzten Verpflegungsstation schaffte Schmidt die Gratwanderung zwischen ansteigender Körperkerntemperatur und entsprechender Leistung nicht mehr. Die bei der letzten, wie bei jeder vorhergehenden, Verpflegungsstation abgegriffenen zwei Trinkflaschen Wasser zur Kühlung des Körpers reichten nicht mehr aus, um die Körperkerntemperatur entsprechend nach unten zu schleusen.

„Auf den letzten zwölf Kilometern entlang der Golfküste hatte ich das Gefühl, dass mir einer den Stecker herausgezogen hatte“, so Schmidt, der allein hier knapp sechs Minuten verlor. Trotzdem konnte der Itzehoer mit seiner Radzeit von 6:09:00 zufrieden sein, da er immerhin noch auf Rang 1058 in die Wechselzone einfuhr. Hier versuchte Schmidt sofort seinen Körper zu kühlen, was aber nur begrenzt gelang. Nach 20 Minuten verließ Schmidt den leicht klimatisierten Wechselraum, konnte dann aber – wieder der stechenden Hitze ausgesetzt – nicht verhindern, dass er sich übergeben musste. Schmidt: „Das war der Anfang vom Ende, denn diesen Flüssigkeitsverlust bekommst du in der Regel nicht wieder ersetzt. Aber Aufgeben war keine Option.“

So ging Schmidt nach 28 Minuten wieder auf die Strecke, wohl wissend, dass hier außer Schmerzen und Quälerei nichts mehr zu ernten war. Dabei hatte der 98 kg schwere Athlet für seine Verhältnisse eigentlich eine passable Laufform aufgebaut, die aber nicht zur Anwendung kommen sollte. Schmidt brauchte mit einer weiteren Pause bis Km  10, um sich einigermaßen zu erholen. Ab dann versuchte er ganz langsam ins Laufen zu kommen, was aber nur bis Kilometer 17 funktionierte. Der 57-Jährige konnte die bis dahin wieder aufgenommene Flüssigkeit bzw. flüssige Nahrung einfach nicht bei sich halten, so dass er ab diesem Zeitpunkt nur noch von einem Gedanken beseelt war, die Finishline vor dem Zielschluss bei 17 Stunden zu erreichen. Das gelang dem Itzehoer letztlich mit eisernem Willen, obwohl er schon beim zügigen Gehen nach eigener Aussage einen Puls von 140 zu verspüren schien. Mit einer Zeit von 16:41:28 belegte Schmidt insgesamt den 2  154. Platz, wobei von den 2  406 gestarteten Teilnehmern genau neun Prozent das Rennen vorzeitig aufgaben.

Für Schmidt war dies sein bisher härtester Ironman-Wettkampf, zumal er mehr als einen kompletten Arbeitstag in den Laufschuhen verbringen musste, wie ein langjähriger Triathlon-Gefährte süffisant bemerkte. Aber letztendlich zählt nur der Sieg über sich selbst. Seine Frau Irina, die von der ganzen Atmosphäre bei Ironman-Wettkämpfen stets beeindruckt ist, kommentierte das Geschehen mit ihrer amerikanischen Freundin dann auch so: „You made it. That’s the big deal. You are an Ironman.“

Anschließend verbrachten beide weitere zehn Tage vorwiegend in Central Florida, wo neben Beach-life die eine oder andere abenteuerliche Paddeltour durch die tierreiche Wildnis Floridas oder einfach Relaxen entsprechend dem „american way of life“ angesagt war.

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