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Judo : Leon Philipp träumt von Olympia

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer Talent hat sein großes Ziel trotz zahlreicher Rückschläge noch nicht aufgegeben / Nach dem Abitur ist der Kopf jetzt wieder frei

Schon in ganz jungen Jahren hatte Leon Cedric Philipp große Pläne: Seit der Austragungsort feststeht, träumt der deutsche Spitzen-Judoka davon, bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio als Aktiver dabei zu sein. Olympia im Mutterland des Sports – für einen Judoka kann es wohl kaum etwas Größeres geben. „Das ist immer noch möglich“, sagt der 20-Jährige aus Itzehoe. „Aber aus heutiger Sicht wäre es wohl ganz schön schwierig, sich dafür zu qualifizieren.“

Leon Philipp stammt aus einer judobegeisterten Itzehoer Familie. Er begann bereits im Alter von dreieinhalb Jahren mit seinem Sport. Die ersten Kämpfe bestritt er für den MTV Itzehoe. Zunächst spielte er noch am Mattenrand, als seine Mutter Birgit den MTV-Nachwuchs trainierte. Das tut sie heute ebenfalls noch beim Nachfolgeverein Sportclub Itzehoe. Auch der große Bruder Marvin war schon in der nationalen Spitze angekommen, ehe ihn eine schwere Schulterverletzung stoppte. Vater Heiner brachte es 2009 sogar schon zum Altersklassen-Weltmeister.

Das Talent übertrug sich auch auf den jüngsten Spross der Familie Philipp: Nach vielen Jugendtiteln und erfolgreichen internationalen Starts zog es Leon 2013 mit knapp 17 Jahren von der Steinburger Kreisstadt in das Sportinternat am Olympia-Stützpunkt Hannover. Viel Zeit lassen ihm Schule, Training, Lehrgänge sowie nationale und internationale Einsätze nicht für Heimaturlaube. Aber wann immer es zeitlich passt, tankt er den Akku im Elternhaus auf.

Aufgegeben hat Leon Philipp seinen Traum von Olympischen Spielen in Tokio noch nicht. Aber vorerst setzt er sich lieber kurzfristigere Ziele. Zu sehr hat auch er schon die Kehrseiten des Lebens als Spitzensportler kennen gelernt. So wie im vergangenen Jahr, als er seinen deutschen U21-Titel erfolgreich verteidigen konnte. Nach dritten Plätzen bei den internationalen Turnieren in St. Petersburg (Russland) und Coimbra (Portugal) kamen die Bundestrainer bei der Nominierung für die U21-Europameisterschaft im spanischen Malaga an Leon Philipp nicht vorbei.

Doch die Zeit bis zum ersten EM-Kampf im September war lang. Bei einem weiteren internationalen Einsatz brach er sich zwei Rippen und zog sich außerdem eine langwierige Verletzung am Brustbein zu. „Das hat mich stark zurückgeworfen. Ich habe hochwertige Lehrgänge verpasst und musste in wichtigen Trainingsphasen wegen der Schmerzen immer wieder Zwangspausen einlegen.“ Solche deprimierenden Tiefpunkte habe ein Leistungssportler immer mal wieder, räumt er ein. Aber mit guter Betreuung im persönlichen Umfeld, zu denen auch die Trainer und Betreuer gehören, komme man da wieder heraus.

Allerdings kam es so nicht ganz unerwartet, dass sich die Hoffnung auf einen erfolgreichen Start bei der U21-EM nicht erfüllte. Den ersten Kampf konnte Leon Philipp noch gewinnen, doch nach einer Niederlage im zweiten Gefecht gegen den späteren Bronzemedaillegewinner musste er frühzeitig die Heimreise antreten. Wieder zeigte sich: Die internationale Spitze ist unglaublich eng zusammen. Oft geben Kleinigkeiten den Ausschlag. „Wie du letztlich abschneidest, ist oft abhängig von der Tagesform“, sagt Philipp. „Aber gerade für die Ausdauer über ein gesamtes Turnier hinweg spielt natürlich auch die Intensität, in der man vorher trainieren konnte, eine große Rolle.“

Auch das aktuelle Wettkampfjahr begann mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der deutschen Meisterschaft der Männer durchaus vielversprechend. Doch wieder machte eine Verletzung dem Itzehoer einen Strich durch die Rechnung. Diesmal war es das rechte Knie, das für anhaltende Beschwerden sorgte.

Zudem stand der Schulabschluss auf dem Sportinternat in Hannover an, das Leon Philipp seit August 2013 bewohnt. Das Gute: Nach abgelegtem Abitur (Note 2,2) und überstandenen Kniebeschwerden hat er den Kopf endlich wieder frei. „Bis mein Lehramtsstudium an der Uni Hannover in den Fächern Sport und Physik im Oktober losgeht, kann ich im Training richtig Gas geben und ein wenig von dem Versäumten nachholen.“ Ziel in diesem Jahr ist die Qualifikation für die U23-EM im November. In 2018 steht die Teilnahme bei der Europameisterschaft der Männer ganz oben auf dem Wunschzettel.

Aktuell muss noch die erste eigene Wohnung in Hannover gefunden werden. Kein leichtes Unterfangen angesichts der Wohnraum-Preise in der niedersächsischen Hauptstadt. Auch in sportlicher Hinsicht will er dem Olympia-Stützpunkt in der Leine-Stadt treu bleiben. Neben den hervorragenden Trainingsbedingungen durch ebenso kompetente wie empathische Trainer und Trainingspartner schätzt er die dortige gute medizinische Betreuung.

Was Judoka dagegen gar nicht schätzen, ist der Weg zum nötigen Kampfgewicht – „Abkochen“ genannt. Leon Philipp startet seit dem Ausscheiden aus den U18 in der Gewichtsklasse bis 66 kg. Das ist nicht genau deckungsgleich mit dem normalen Lebensgewicht. Da muss dann in erster Linie entwässert werden, bis zu fünf Kilo binnen einer Woche. Hungern ist dagegen keine Lösung, schließlich wird im Kampf ja auch Energie benötigt. „Ziel ist, das bestmögliche Verhältnis zwischen Masse und Leistung zu erreichen“, sagt der angehende Student mit einem Grinsen.

Für Leon Philipp ist es aber vor allem die mentale Stärke, die einen guten Judoka auszeichnet. „Kraft und Schnelligkeit kann man trainieren. Mitbringen sollte man auf jeden Fall ein gutes Körpergefühl, sowohl für die Selbstwahrnehmung wie auch für die Bewegung des Gegners. Das Wichtigste: Man darf nie aufgeben und muss durchziehen, auch wenn es mal wehtut.“

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erstellt am 08.Aug.2017 | 05:00 Uhr

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